06.10.2012 03:00
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Bausparer als Sparschwein

Auf Rendite bauen
Kunden mit hoch verzinsten Altverträgen sind für Bausparkassen zu teuer. Daher versuchen die Institute, sie in neue Verträge zu locken. Für die Betroffenen ein Verlustgeschäft.
€uro am Sonntag

von Markus Hinterberger, Euro am Sonntag

Sehr geehrter Herr Specht, die Darlehenszinsen sind derzeit so niedrig wie nie zuvor. Gut für Sie! Denn so können Sie Ihre Wohnwünsche besonders günstig finanzieren. Profitieren Sie davon, denn die LBS gibt diese Zinsen direkt an Sie weiter.“ Solche fürsorglichen Briefe verschicken Bausparkassen wie die LBS derzeit zu Tausenden.

Vor allem Inhaber alter Bausparverträge mit hohen Zinsen wie €uro-am-Sonntag-Leser Maximilian Specht sollen auf diese Weise zum Wechsel ermuntert werden. Sie sollen ihren alten Bausparvertrag, der wie in seinem Fall in der Sparphase mit Bonus über vier Prozent Zinsen bringt, gegen einen neuen Vertrag mit rund einem Prozent Guthabenzinsen tauschen. Für Bausparer, die in nächster Zeit gar nicht bauen wollen, ein schlechtes Geschäft. Denn auf absehbare Zeit wird es solche Hochzinsangebote mit vergleichbarer Sicherheit wohl nicht mehr geben.

In vielen Aktenordnern schlummern Bausparverträge aus den späten 90er-Jahren, als sich Anbieter wie LBS, BHW, Schwäbisch Hall und Wüstenrot mit Hochzinsverträgen überboten. Zwischen 1997 und 2002 ermittelte die FMH Finanzberatung mehr als 20 Tarife mit Renditen zwischen vier und fünf Prozent.

Mit hohen Zinsen und Boni lockten die Bausparkassen auch Sparer wie Maximilian Specht, für die eine eigene Wohnung bestenfalls Zukunftsmusik war. „Ich wollte damals eigentlich nur die hohe Rendite“, sagt der heute 36-Jährige.

Im aktuellen Zinstief sind solche Verträge wahre Goldgruben. Zinsen von vier Prozent gewähren derzeit nur Banken mit Hauptsitz im Ausland und niedriger Einlagensicherung, und selbst dann muss der Kunde sein Geld für zehn Jahre fest anlegen. Zudem ist Baugeld derzeit so billig wie nie. Noch ein Grund, weiterzusparen und das aus heutiger Sicht überteuerte Darlehen auszuschlagen. Doch die Strategie ist nicht leicht durchzuhalten.

Für Maximilian Specht ist das nicht der erste Brief dieser Art. Denn er gehört zu den Altkunden, die die Bausparkassen aus den für sie teuren Verträgen drängen wollen, weil sie bei diesen Verträgen Gefahr laufen, draufzuzahlen. Die Zinssätze der Darlehen, die die Institute ausreichen, sind viel niedriger als die Zinsen, die sie Sparern wie Maximilian Specht zahlen müssen. Daher locken die Bausparkassen in erster Linie mit den historisch niedrigen Zinsen. Dass die Sparer beim Wechsel ihre hohen Guthabenzinsen verlieren, verschweigen die Bausparkassen allerdings geflissentlich.

Weitersparen erlaubt
„Es kommt immer wieder vor, dass Bausparkassen ihre Bestände durchforsten und Kunden mit lukrativen Altverträgen anschreiben, um sie zu einem neuen, deutlich niedriger verzinsten Bausparvertrag zu überreden“, weiß Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Seiner Meinung nach sollten sich Kunden nicht beirren lassen.

Die Verträge können so lange bespart werden, bis die Bausparsum- me erreicht ist. Erst dann kann die Bausparkasse mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Kunden, die einen solchen Altvertrag besitzen, sollten nachschauen, wie viel sie bereits angespart haben. „Wer die Bausparsumme schon fast erreicht hat, sollte unter Umständen seinen Vertrag stilllegen und die Zinsen für sich arbeiten lassen“, rät Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Gebühren schmälern Rendite
Und was ist mit den aktuellen Bausparzinsen? Laut den FMH-Datenbanken bietet die Debeka mit einem Spartarif von drei Prozent aktuell die höchsten Guthabenzinsen. Inklusive Bonus können Kunden der Bausparkasse Mainz sogar 3,75 Prozent bekommen. Doch das sind Ausnahmen.

Verbraucherschützer raten daher dazu, sich nicht vorzeitig zu einem Tarifwechsel bewegen zu lassen. Und es sei wichtig, sich neue Angebote gut anzuschauen. Oft verstecken sich Abschlussgebühren und Versicherungskosten in den Neuverträgen.

Der Verband der Privaten Bausparkassen versteht die Aufregung nicht: Ein Bausparvertrag sei nicht als Kapitalanlage, sondern für „wohnwirtschaftliche Zwecke“, sprich die eigenen vier Wände gedacht. Ein Blick in die Zahlen der Bausparkassen zeigt, viele Anleger flüchten regelrecht zu den Bausparkassen. Die Institute gelten als absolut sicher und lassen einen den Traum von der eigenen Immobilie träumen. So verwalten die Bausparkassen inzwischen rund 750 Milliarden Euro, das ist ein Drittel der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung. Ob dieses Geld komplett in Eigenheime fließt, ist ungewiss.
Lukrative Bauspartarife trotz Zinstief (pdf)

Bildquellen: istock/SusanneB
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