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24.11.2010 10:57

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BETEILIGUNGSKAPITAL

Private Equity wieder auf dem Vormarsch


Nach den Rückschlägen, die die Branche im Zuge der Finanzkrise erleiden musste, steht Private Equity (PE) vor einer neuen Blüte. International gehen das Volumen und die Anzahl der PE-Deals nach oben.

Aber auch deutsche PE-Häuser, die sich auf den Mittelstand konzentrieren, profitieren. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im ersten Halbjahr 2010 betrugen die PE-Investitionen in Deutschland insgesamt 2,24 Milliarden Euro. Das war mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. Freilich sind die Investments noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt. "Wir erleben derzeit ein gesundes, nachhaltiges Wachstum", resümiert Dörte Höppner, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK).

Die PE-Geschäfte florieren nicht zuletzt deshalb, weil die Banken jetzt wieder verstärkt Kredite vergeben. Allerdings sind sie nicht mehr so großzügig wie in der Vergangenheit, als die Investments oft mit 75 oder gar 90 Prozent Schulden gestemmt wurden. "Bei der Finanzierung der Transaktionen liegt der Fremdkapitalanteil heute meist bei etwa 50 Prozent", sagt Höppner. Grund für die etwas restriktivere Kreditvergabe, die auch in Zukunft zu erwarten ist, sind die verschärften Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Banken.

Die PE-Unternehmen sind zudem sehr gut mit eigenem Kapital ausgestattet. Bis zum Beginn der Finanzkrise hatten die PE-Fonds bei den Anlegern immense Gelder eingesammelt. Daher verfügen die Finanzinvestoren dem "Privat Equity Report 2010" zufolge jetzt weltweit über liquide Mittel von rund einer Billion Dollar.

Eine besonders wichtige Zielgruppe für Beteiligungskapital sind hierzulande Firmenerben, die das eigene Unternehmen nicht fortführen möchten und einen Verkauf ihrer Anteile planen. "Bis 2020 geht bundesweit ein Betriebsvermögen von rund 250 Milliarden Euro an die nächste Generation über. Rund die Hälfte der Erben liquidieren", schätzt Arno Lehmann-Tolkmitt vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser.

Hier sehen auf den Mittelstand fokussierte Gesellschaften wie die Stuttgarter BWK Unternehmensbeteiligungsgesellschaft ihre Chance. Es gibt dabei einen Unterschied zu den großen angelsächsischen Finanzinvestoren. Firmen wie Blackstone, KKR oder Texas Pacific legen beim Einstieg meist gleich einen Zeitpunkt für den Ausstieg fest, an dem das Unternehmen mit Gewinn an die Börse gebracht oder verkauft wird. Oft beträgt die Haltedauer nur zwei oder drei Jahre. Im Gegensatz dazu bleiben Investoren wie die BWK oft bis zu zehn Jahre – oder länger – engagiert. "Wir investieren bevorzugt in mittelständische Familienunternehmen, die über ein erfolgreiches Geschäftsmodell und ein starkes Management verfügen. Im Falle von Mehrheitsbeteiligungen denken wir konservativ über Verschuldungsgrade, bei Minderheitsbeteiligungen via Kapitalerhöhung schaffen wir sogar zusätzlichen Finanzierungsspielraum", sagt BWK-Chef Armin Schuler.

Mittelständische Unternehmen müssen ihre Eigenkapitalbasis künftig auf ein stabiles Fundament stellen, um Fremdkapital zu ordentlichen Konditionen für ihre Wachstumsstrategie zu bekommen. Dies ist umso wichtiger, seitdem die Kapital- und Liquiditätsanforderungen für Banken im Zusammenhang mit Basel-III verschärft worden sind.

Die BWK gibt via Kapitalerhöhung echtes Eigenkapital und erweitert auf diese Weise den Finanzierungsspielraum von Unternehmen. "Die Zahl der Finanzierungsanfragen ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen", sagt Schuler. Die Höhe der von der BWK eingebrachten Eigenmittel liegt in der Regel zwischen fünf und 50 Millionen Euro.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass sich das operative Know-how der Investoren häufig positiv auf die Profitabilität der Unternehmen auswirkt. Für seine Studie wertete der Finanzexperte Oliver Gottschalg von der Managementhochschule HEC in Paris mehr als 4000 abgeschlossene Private-Equity-Transaktionen aus. Die ermittelten Renditen verglich Gottschalg dann mit Investments an den Aktienbörsen. Dabei rechnete Gottschalg den hohen Fremdkapitalhebel heraus, der bei PE-Investments üblich ist. Bei dem Vergleich stellte sich heraus: In den vergangenen 30 Jahren warfen Beteiligungen im Schnitt eine um 7,1 Prozentpunkte höhere Rendite ab als Aktien. Solche Überrenditen erreicht Private Equity freilich nicht zu Zeiten eines konjunkturellen Aufschwungs; dann geht es meist auch an den Börsen aufwärts. Dafür aber ist das Gewinnplus in der Rezession umso größer: Der Abstand zu Aktienrenditen beträgt dann 15 Prozentpunkte.

(red)

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