15.03.2013 12:30
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Trading Masters : Da waren’s nur noch neun

Die besten Trader gesucht
Über 8.000 Teilnehmer hatten sich im Herbst zum Börsenspiel der UBS angemeldet. Im großen Finale wird nun mit richtigem Geld gehandelt. €uro am Sonntag war für einen Tag dabei.
€uro am Sonntag

von Michael Braun, Euro am Sonntag

Berlin, Joachimstaler Straße Nummer 12, neunter Stock: Im Büro des Onlinebrokers ViTrade, wenige Schritte von Kurfürstendamm und Bahnhof Zoo entfernt, blicken zehn Augenpaare konzentriert auf Charts an Monitoren. Stille herrscht. Leere Red-Bull-Dosen liegen rum, auf einem Schreibtisch Em-eukal-Bonbons mit Honiggeschmack, auf einem anderen stehen zwei Figürchen: ein kleiner Bulle in Giftgrün, das Bärenpendant in Braun. Ein Zwei-Quadratmeter-Foto an der Wand zeigt den Börsensaal in Kuwait: Hunderte von Männern in weißen Dischdaschas, die traden und Geschäfte machen.

So wie heute in der Hauptstadt an der Spree, wo an diesem Nachmittag Orkan Kuyas — bekannt als Facebook-Trader — einen Vortrag über die Kunst des stilvollen Daytradens hält und ziemlich deutlich seine Erfahrungen auf den Punkt bringt: „Alles, was Analysten sagen? Weg! Ihr müsst eure eigenen Analysten sein.“
Vor ihm sitzt die Crème de la Crème des Trading-Masters-Börsenspiels: neun Männer, eine Frau. Diese Top Ten sind die ­begnadetsten Spieler eines zu Beginn 8.091 Teilnehmer zählenden Felds, das sich innerhalb von vier Monaten in mehreren Runden auf die zehn Besten verringert hat. In wenigen Tagen, am 15. März, werden es nur noch fünf sein; der Sieger wird anschließend in New York ermittelt. Doch davor haben die Organisatoren um die Schweizer Bank UBS das eine Woche dauernde Intensivseminar in Berlin gestellt, bei dem gebüffelt und getraded wird.

Die zehn, die noch dabei sind, dürfen sich als Elite verstehen. Wer bis nach Berlin gekommen ist, hat viel Zeit investiert: in Übungen, Lektüre, clevere (und missratene) Trades. „Hier wird hart gearbeitet“, sagt Thorsten Cmiel (47), der als Fool02 angemeldet ist. „Weit mehr als ­ 100 Stunden“ habe jeder der zehn ver­bliebenen Teilnehmer in dieses Projekt ­investiert. Der Auftakt der Trading Masters war am 22. Oktober. Im Januar waren noch ­1.000 Spieler im Rennen, Anfang Februar sind 100 übrig geblieben.

In der aktuell laufenden Phase 4 gibt es jedoch eine Besonderheit: Es wird mit echtem Geld gespielt. 10.000 Euro je Teilnehmer, bereitgestellt von der UBS. Allerdings zu verschärften Bedingungen: Den Gewinn darf jeder vollständig behalten; fährt ein Teilnehmer aber einen Verlust von 2.500 Euro ein, fliegt er sofort aus dem Rennen. Am Mittwoch ist das Cmiel passiert — da waren’s nur noch neun.

Nun haben Daytrader nicht überall den besten Ruf. Klischeehaft gelten sie mitunter als geldgeile Zocker, als wirr-geniale Nerds oder als Gordon-Gekko-Miniaturen. Die Wirklichkeit in der Joachimstaler Straße sieht anders aus. Hier sitzen ganz normale Anleger. Die Altersspanne reicht von 24 bis 74 Jahren, alle stammen aus dem Westen der Republik und sie tragen Wollpullis, Halbschuhe, Polohemden, Jeans und Schals. Hosenträger à la Gekko? Fehlanzeige. Schlips? Ach nö!

Dennoch sind alle Endrundenteilnehmer börsenbegeistert, wobei die Werdegänge sehr verschieden sind: Koikarpfen zum Beispiel — hinter diesem Namen steckt der 44-jährige Matthias Bamberger aus Wetzlar — ist Fleischer. „1998 habe ich ein Versicherungsheft in die Hand bekommen und darin zum ersten Mal etwas über die Börse gelesen.“ Das sei für ihn der entscheidende Zeitpunkt gewesen. Seitdem komme er nicht mehr los von Aktien, Charts und Börseninvestments. Nicht als Hobby, sondern mit dem Ziel, „von der Börse leben zu können“. In seinem Heimbüro benutzt er dafür zwei Rechner und drei Monitore. Vorläufig macht er tagsüber allerdings noch in Fleisch.

Alfred „Alfredicus“ Kühl, mit 74 der ­Älteste der Runde, war als ­Architekt und Projektleiter tätig, bevor er etwa zur Jahrtausendwende in Rente ging. Seitdem macht er leidenschaftlich auf Börse und ist froh, dass seine Frau „das mitträgt“. Sollen andere Ruheständler kegeln gehen — er daytradet lieber und lernt, mit einschlägiger Software umzugehen. Die sei aber manchmal etwas „haarig“ und gewöhnungsbedürftig. Doch Technik ist nicht alles: Alfredicus führte am Mittwoch vergangener Woche das Teilnehmerfeld mit deutlichem Vorsprung an.

Robert Wege (49) alias BörsenFuchs aus Aßlar ist Industriekaufmann und arbeitet in der Personalabteilung eines mittelständischen Unternehmens. „Mein Interesse für die Finanzmärkte war immer schon da“, sagt er. Andere Teilnehmer haben beruflich noch intensiver mit Finanzmärkten und Wirtschaft zu tun.

Cmiel ist beispielsweise in Köln als Wirtschaftsjournalist und PR-Texter unterwegs. David Lump aus Fulda, als Illmatic und mit 24 der Jüngste im Feld, studiert Wirtschaftswissenschaften in Chemnitz. Er hat pikanterweise noch nie in seinem Leben eine Aktie gekauft — was ihn nicht davon abhält, im studentischen Börsenverein mitzuwirken und die Feinheiten der Technischen Analyse auszuloten.

Hilfreiche Tipps von Profis
Während der Woche in Berlin schärften Daytrading-Experten das Anlageprofil der Top Ten — so neben Kuyas der Tradingpsychologe Norman Welz aus Hamburg und der bekannte Profitrader ­Giovanni Cicivelli. „Der Höhepunkt ist, dass man hier die Koryphäen kennenlernen und mit ihnen korrespondieren kann“, sagt Teilnehmer Kühl. „Das fand ich toll. Ich habe viel davon Gebrauch gemacht.“
Im Spannungsbogen von Candlesticks und Gaps, von Fibonacci-Zahlen und Forex unterscheiden sich die Strategien der Teilnehmer zwangsläufig. Einig sind sie sich nur darin, dass man, wenn über erfolgreiches Daytrading gefachsimpelt wird, den Mund nicht allzu voll nehmen sollte. Selbst mit einem tollen, perfekt getimten Trade kann man in kürzester Zeit auf dem falschen Fuß erwischt und finanziell ins Abseits gedrängt werden.

Das passierte zum Auftakt dieser Runde Cmiel, der gleich zu Beginn schon mal fast ausgeschieden wäre. Da ließ er das Mittagessen in großer Runde sausen, schwitzte fünf Stunden und kriegte die Kurve wieder. Was man braucht, so Bamberger, seien drei Dinge: „Durchhaltevermögen, Disziplin, Glück.“ Wobei Glück ganz vorne mitspiele. Aber um zu gewinnen, müsse man eben auch „ein bisschen hebeln, ins Risiko gehen“. „Eigentlich“, fügt Wege an, „managen wir Risiken.“

Dabei spielt nicht zuletzt die Psychologie eine Rolle. Immerhin sind die Top Ten Konkurrenten und sportliche Rivalität gehört bei jedem Wettbewerb dazu. Das kann anspornen, aber auch hemmen. So dauerte es mehrere Tage, bis alle Teilnehmer tatsächlich die ersten Trades platziert hatten. „Eine Art Angstblockade“ macht Cmiel im Rückblick scherzhaft aus. Genau für solche Gefühle ist Psychologe Welz zuständig, der beim Traden zwischen „sinnloser und sinnvoller Angst“ unterscheidet. Beim Traden habe man es mit sinnloser Angst zu tun, „die man beherrschen kann“.

Spaß macht das Ganze auch. „Riesenspaß“, meint Kühl. Tagsüber wird getradet, dazwischen ein gutes Mittagessen im Le Faubourg genossen, einem feinen französischen Restaurant auf der anderen Straßenseite. Zur Entspannung ging es auch mal ins Berliner Olympiastadion, wo Hertha BSC gegen den 1. FC Kaiserslautern gewann. Dem folgte ein Currywurst-Imbiss am Bahnhof Zoo.

Noch unterhaltsamer wird es für die fünf Bestplatzierten, die den Sprung in die letzte Spielrunde schaffen. Sie fliegen am 26. März für vier Tage nach New York, wo unter anderem Besuche bei der New York Stock Exchange an der Wall Street, beim Tradertreff Harry’s am Hanover Square und eine Begegnung mit Broker Peter Tuchman auf dem Programm stehen.
Spielende ist Mitte April, spätestens dann wird der Sieger feststehen. Da ist’s dann nur noch einer.

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