von Stephan Haberer, €uro am Sonntag
Eigentlich ist es ganz harmlos: US-Basketballsuperstar Dirk Nowitzki kehrt in die Metzgerei seiner Kindertage zurück. Und bekommt mit seinen inzwischen 2,13 Metern ein Stück Wurst — damit er „groß und stark“ wird. Von der ING-DiBa als witziger Werbespot gedacht, brachte er Vegetarier und Veganer in Rage. Die Direktbank wurde auf ihrer Facebook-Seite von — wie dpa schrieb —
einem „Fruchtzwergenaufstand im Gutmenschenland“ überrollt.
Was bei diesem Protest völlig unterging: Wie gut ist eigentlich die Wurst, um die es tatsächlich geht? Was bieten die ING-DiBa und ihre Konkurrenten ihren Kunden? Klar, das herauszufinden kostet mehr Mühe, als einen Protest auf Facebook zu posten. Und: Man kann die Qualität der „Wurst“ nur dann richtig beurteilen, wenn man sie mit der Ware anderer Metzger vergleicht.
Genau das hat €uro am Sonntag gemacht. An 14 Onlinebroker, die in Deutschland aktiv sind, wurde ein ausführlicher Fragebogen mit weit über 200 Fragen geschickt. Darin ging es um insgesamt 37 Fragenkomplexe, die zu zwölf Kategorien zusammengefasst wurden. Angefangen bei handelbaren Wertpapieren über angebotene Handelsplätze, außerbörslichen Handel, Einlagensicherung, Sicherheit des Onlinezugangs, Zinssätze und Wertpapierkredit, Ordergültigkeit, Orderzusätze, -kombinationen und –funktionen, Information, Wertpapierberatung bis hin zu Kosten, Gebühren und Rabatten. Dies ist der erste Teil des großen Brokertests. Im zweiten Teil, der in einer Woche auf finanzen.net veröffentlicht wird, dreht sich dann alles um das Angebot an Fonds, um Sparpläne auf Fonds, ETFs, Zertifikate und Aktien. Und darum, welche Onlinebank den Gesamtsieg erringen konnte. Übrigens: In €uro am Sonntag können Sie das schon heute nachlesen.
Im Überblick:
Was Online-Broker bieten (Handelsmöglichkeiten, Depot- und Trading-Gebühren, Zinsen etc.) (PDF)
Doch der Reihe nach. Schon bei der Frage nach den handelbaren Wertpapieren gibt es riesige Unterschiede: Aktien kann man bei jedem Online-Broker handeln — aber schon bei Fonds und Anleihen lichten sich die Reihen. So bietet etwa Flatex keinen Anleihehandel, und bei der Netbank muss man ein eigenes (kostenpflichtiges) Fondsdepot eröffnen, wenn man uneingeschränkt mit Fonds handeln will. Andererseits kann man bei der DAB Bank sogar physisches Gold kaufen und in seinem Depot einlagern.
Ähnlich sieht es bei den Handelsplätzen aus: Anleger, die ausschließlich Börsen in Deutschland nutzen, können dafür eigentlich zu jedem Broker gehen. Sieben deutsche Börsenplätze werden mindestens angeboten. Wer mehr will, muss sich umschauen. So bieten ING-DiBa, Targobank und VW Bank nur deutsche Handelsplätze an. Und Kunden der Onvista-Bank können zwar deutschlandweit an sieben Handelsplätzen traden und außerhalb Europas an vier, jedoch können sie weder London, Paris noch eine andere europäische Börse nutzen.
1822direkt, die Onlinetochter der Frankfurter Sparkasse, bietet schlicht alle Börsenplätze weltweit an. Zwar nicht unbedingt immer mittels direkter Order an der jeweiligen Börse. „Aber wenn ein Kunde unbedingt an der Börse in Surabaya oder Panama handeln will, dann machen wir das über Partner möglich“, erläutert Daniel Liebermann, Leiter des 1822direkt-Produktmanagements.
Wer gern mal eine länger laufende Order im Markt platziert, der ist hingegen bei der Netbank am besten aufgehoben. Hier haben Anleger grundsätzlich bei allen angebotenen Börsenplätzen die Möglichkeit, Orders bis Jahresende laufen zu lassen. Ansonsten sind bei allen anderen Brokern mindestens an einer wichtigen Börse – meist Xetra – 90 Tage die Obergrenze in Sachen Ordergültigkeit.
Auch in Sachen Orderfunktionalitäten — also verschiedene Order- und Limit-Funktionen sowie Orderkombinationen — gibt es Unterschiede. Die wichtigsten Ordertypen „billigst/bestens“, Limit-Order sowie Stop-Loss-Limit und Stop-Buy-Limit bieten alle Broker. Doch wer auch mal komfortabler mit Trailing-Stop sein Depot absichern oder Orders mittels „If Done“ oder „One Cancels Others“ (OCO) miteinander kombinieren will, schaut bei einigen Anbietern in eine leere Auslage. Hier bietet Lynx mit 15 verschiedenen Orderfunktionalitäten das meiste.
Und so geht es weiter: Wertpapierberatung? Bieten längst nicht alle Institute. Außerbörslicher Handel? Da haben zwei Broker — Lynx und Netbank — überhaupt kein Angebot.
Man sieht: Kein Online-Broker ist wie der andere. Darum hat €uro am Sonntag versucht, das Gesamtangebot der Broker zu bewerten. Dabei standen jedoch nicht die Kosten im Mittelpunkt des Interesses. Im Fokus war vielmehr das Gesamtangebot der Online-Broker. Der Preis floss nur zu zehn Prozent direkt in unseren Vergleich ein.
Das heißt auch: Wer ein umfassendes Angebot machen will, kann keine absoluten Tiefstpreise bieten. Während die DAB Bank bei den Kosten auf Platz 10 landete, liegt sie nach dem ersten Teil unseres Leistungstests insgesamt auf Platz 3; Cortal Consors — bei den Kosten auf Rang 12 — schaffte es auf den 2. Platz. Und der Sieger des ersten Testteils, die Comdirect, leistete sich bei den Kosten einen Ausrutscher. Da landete sie lediglich auf Platz 11. Die Preisbrecher Flatex und Onvista erreichten im bisherigen Gesamtklassement die Ränge 9 und 10.
Ein genauerer Blick zeigt hier die deutlichen Unterschiede: So kosten Xetra-Order mit einem Volumen von 2.500 Euro bei Lynxbroker gerade mal 6,00 Euro — inklusive aller Gebühren und fremden Kosten —, Flatex folgt mit 6,92 Euro dichtauf. Am teuersten ist die gleiche Order mit 12,70 Euro bei der DAB Bank, knapp gefolgt von der Comdirect mit 12,65.
Übrigens: Wer eine 2.500-Euro-Order in den USA direkt platzieren will, zahlt bei den getesteten Brokern zwischen 5,00 US-Dollar und 42,50 Euro plus Börsengebühr in Höhe von 9,01 Dollar. Wie wichtig das im Einzelfall nun aber ist, kommt auf den Anlegertyp an. Allen, die nicht direkt in den USA handeln wollen, können die Konditionen der dortigen Handelsplätze wurscht sein.
Im Überblick:
So platzierten sich die Online-Broker in den Kategorien (PDF)
Und wer nur zweimal im Jahr ordert und die Papiere dann über Jahre hält, für den sind eventuell Kaufgebühren unwichtiger als Limitgebühren, weil er sein Depot ständig über Stop-Loss-Limits absichert.
So wurde getestet:
Der große Online-Broker-Test
In die Bewertung zum Online-Broker-Test von €uro am Sonntag kamen 14 Onlinebanken und -broker, die in Deutschland Onlinebrokerage anbieten. Dabei wurden die jeweiligen Standardkonditionen der Anbieter bewertet. Die Orientierung am „Standardkunden“ hat auch dazu geführt, dass Anbieter, die sich ausschließlich auf sogenannte Heavy Treader spezialisiert haben, nicht berücksichtigt wurden, da deren Geschäftsmodell auf eine ganz spezielle Zielgruppe zugeschnitten ist.
Anders als bei anderen Tests (etwa dem Musterkunden-Vergleich, wie er jeden Sommer in €uro am Sonntag stattfindet), standen bei dem vorliegenden Vergleich Kosten, Gebühren und Rabatte nicht im Mittelpunkt. Es ging vielmehr darum, das Gesamtangebot der einzelnen Online-Broker zu bewerten.

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Dafür wurden für insgesamt 137 einzelne Aspekte, die später zu zwölf Kategorien zusammengefasst wurden, jeweils Punkte vergeben. Je wichtiger ein Teilbereich für Börsianer ist, desto mehr Punkte konnten die Broker bei jedem Aspekt einheimsen. Insgesamt ließen sich in den zwölf Kategorien maximal 4000 Punkte erreichen. Dabei wurden drei Kategorien mit jeweils 15 Prozent der erreichbaren Punkte am stärksten gewichtet: Im Bereich „Handel“ – also handelbare Wertpapiere, angebotene Börsenplätze und außerbörslicher Handel – waren ebenso 600 Punkte drin wie bei der Kategorie „Order“ – also Ordergültigkeit und Orderfunktionalitäten.
Auch die Kategorie „Sicherheit“ – Onlineabsicherung, Einlagensicherung, alternative Orderzugänge – wurde mit 15 Prozent gewichtet. Jeweils zehn Prozent oder maximal 400 Punkte waren für die Online-Broker in den Bereichen „Information“ (Infos, Research und Beratung), „Kosten“ (Depot- und Tradingkosten, Gebühren, Rabatte) sowie „Zinsen & Kredit“ (Habenzinsen auf Verrechnungskonto, bestes täglich verfügbares Zinsangebot sowie Wertpapierkredit) zu erzielen.
Damit waren im ersten Teil des großen €uro-am-Sonntag-Vergleichs 75 Prozent oder 3000 der insgesamt theoretisch maximal möglichen 4000 Punkte erzielbar. Im zweiten Teil (siehe kommende Ausgabe) sind nochmals maximal 1000 Punkte zu erzielen. Diese gab es für das Angebot in den Bereichen „Fondshandel via KAG“, „Fondshandel via Börse“ (je 7,5 Prozent oder je 300 Punkte). Das Angebot „Sparpläne auf Fonds, ETFs, Zertifikate und Aktien“ brachte je 2,5 Prozent (100 Punkte).
Bewertungsgrundsätze
Insgesamt wurden bei der Bewertung zu 137 einzelnen Aspekten Punkte vergeben. Wo immer möglich, wurde dabei eine Rangliste gebildet. Der jeweils beste Broker erhielt 13 Punkte, der Zweitplatzierte zwölf und so fort. In einem zweiten Schritt wurden dann die erreichten Punkte mit Faktoren von 0,5 bis 7 gewichtet, je nachdem, wie wichtig das Kriterium für Trader ist. So wurden die erzielten Punkte etwa zu den in Deutschland angebotenen Handelsplätzen mit Faktor 7 gewichtet, ebenso die Punkte zum Aspekt handelbare Wertpapiere. Hingegen wurden die Punkte, die mit sparplanfähigen No-Load-Funds zu erzielen waren, ebenso nur mit Faktor 0,5 gewichtet wie die Möglichkeit des Bruchteilerwerbs bei Fondssparplänen.
War es nicht möglich, eine Reihenfolge zu bilden – oder erschien dies nicht sinnvoll –, wurde den Online-Brokern, die dieses Kriterium erfüllten, eine bestimmte Anzahl Punkte zuerkannt, die ebenfalls nach Wichtigkeit des Kriteriums variierten. So konnten die Broker maximal 100 Punkte erzielen, wenn sie zur Absicherung der Onlinetransaktionen etwa HBCI-Verfahren anbieten, wer dagegen noch mit normalen TAN-Listen ohne Indizierung arbeitet, bekam einen Punkt. Da maximal drei angebotene Verfahren bewertet wurden, konnten hier 300 Punkte (7,5 Prozent der maximal möglichen Gesamtpunktzahl) erreicht werden. Das erscheint angesichts der Wichtigkeit eines sicheren Onlinezugangs nicht übertrieben. Dagegen gab es gerade mal sechs Punkte (0,15 Prozent der Gesamtpunktzahl), falls der Online-Broker Neukunden einen besseren Zins auf täglich verfügbares Geld anbot als Bestandskunden.
Da einzig das Brokerage-Angebot betrachtet wurde, blieben Zinsprodukte, die nicht täglich verfügbar sind, ebenso unberücksichtigt wie das eventuell vorhandene Angebot an Girokonten, Baufinanzierungen, Versicherungen und Ähnlichem.
Nächste Woche Samstag lesen Sie den zweiten Teil des Direktbankentests - und welche Direktbank unterm Strich die beste ist. Schon heute ist der zweite Teil des Broker-Tests in der neuen €uro am Sonntag zu finden.
Bildquellen: istock photo