aktualisiert: 13.06.2012 15:26
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Was Erblasser und Erben bei Besitz im Ausland beachten sollten

Erbrecht: Was Erblasser und Erben bei Besitz im Ausland beachten sollten | Nachricht | finanzen.net
In den meisten Staaten gilt für das Erbrecht das Abstammungs- und Geburtsortprinzip
Erbrecht
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Zwar gibt es immer wieder Urteile zugunsten der Nachkommen, doch gerade bei einem grenzüberschreitenden Nachlass lauern Tücken. Was Erblasser und Erben wissen sollten.
€uro am Sonntag
von Michael H. Schulz, Euro am Sonntag

Blut ist dicker als Wasser. Das wussten schon die Römer und sprachen vom Recht des Blutes. Dieses Abstammungsprinzip gilt bis heute. Weil Blutsverwandtschaft enger ist, haben nach einer Schenkung mit warmer Hand an Dritte — etwa an angeheiratete Verwandte — die pflichtteilsberechtigten Kinder und Enkel einen Ergänzungsanspruch. Seit Kurzem auch dann, wenn sie zum Zeitpunkt der Schenkung noch nicht geboren oder adoptiert sind.

So weit geht laut Bundesgerichtshof (BGH) die Fürsorgepflicht des Erblassers gegenüber der Sippe hierzulande: Pflichtteilsberechtigte spät geborene Kinder haben gegenüber den Erben oder Beschenkten einen Anspruch, wenn der Erblasser binnen zehn Jahren nach Vollzug der Schenkung stirbt. So das Urteil des BGH (Az. IV ZR 250/11).

Bisher mussten Betroffene schon zum Zeitpunkt der Schenkung pflichtteilsberechtigt sein. Nun gilt gleiches Recht für alle Abkömmlinge. Damit erhält ein jüngeres Geschwisterkind, das nach der Schenkung geboren wurde, den gleichen Pflichtteil wie das ältere. „Dank der neuen Entscheidung ist ein Pflichtteilsergänzungsanspruch künftig nicht mehr vom zufälligen Umstand des Geburtszeitpunkts abhängig“, erläutert Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht und Fachanwalt in München.

Das ausgeweitete Pflichtteilsrecht passt ins Bild. Schließlich wollen 75 Prozent der Deutschen, die etwas zu vererben haben, in erster Linie ihre Angehörigen versorgen. So eine aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, die die Postbank in Auftrag gegeben hat.

Millionenwerte in Immobilien
Dabei sahnt die Erbengeneration, die meist selbst schon im Renten­alter ist, künftig kräftig ab. Jede fünfte Erbschaft ist laut Studie mehr als 100 000 Euro wert. Vor allem, weil immer öfter Immobilien zum Erbe gehören. Schätzungsweise 800 000 bis eine Million Deutsche besitzen Immobilien in einem anderen EU-Staat. Kein Wunder, dass sich laut Studie die Wahrscheinlichkeit verdoppelt, ein Eigenheim zu erben.

Die Finca auf Mallorca, das Apartment auf Bornholm und ein Konto im Kleinwalsertal — in den meisten Staaten gilt für das Erbrecht das Abstammungs- und Geburtsortprinzip. Wer nicht dort geboren ist oder dort sehr lange lebt, für den gilt das Erbrecht seines Heimatlandes. Doch es gibt Ausnahmen. „In manchen EU-Staaten wird schon Erbschaftsteuer fällig, wenn sich nur ein Teil des Nachlasses dort befindet, ohne dass der Erblasser oder Erbe einen sonstigen Bezug zu diesem Staat hatte. Die Folge ist eine Doppelbesteuerung“, weiß Anton Steiner. Denn in welchem EU-Land Steuern anfallen, ist Sache des Mitgliedstaats.

Im Überblick: (PDF)

Zum Steuerballast kann beispielsweise für Erben die Finca auf den Balearen werden. Gebietsfremde, die Grund und Boden erwerben, werden von autonomen Gemeinschaften wie den Balearen gegenüber Inländern und inländischem Vermögen benachteiligt. Daher hat die EU-Kommission Spanien vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Zwar will die Kommission Mehrfachbesteuerungen und Ungleichbehandlungen beseitigen. Doch das ist Wunschdenken. Denn die EU ist auch in puncto Erbschaftsteuer keine Einheit. Hochsteuer­länder wie Frankreich und Belgien stehen Dumpingsteuerstaaten wie Bulgarien und Estland gegenüber. Staaten wie Lettland und die Slowakei erheben gar keine Erbschaftsteuer.

Zumindest der Nachweis der Erbberechtigung wird mit der Euro­päischen Erbrechtsverordnung ab Mitte 2015 simpler. Künftig gilt für den gesamten Nachlass automatisch das Recht, in dem der Erblasser zuletzt seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Das ist meist dort, wo sich das meiste Vermögen befindet. Wer das nicht will, kann per Testament oder Erbvertrag das Erbrecht aus dem Land wählen, dessen Staats­angehöriger er ist. Es gilt also das sogenannte Abstammungsprinzip.

Nur wenige machen ein Testament
Allerdings macht nur jeder zweite der über 65-Jährigen ein Testament. Und gerade mal sieben Prozent kennen das Zentrale Testamentsregister bei der Bundesnotarkammer. Vom europäischen Nachlasszeugnis ganz zu schweigen. Mit diesem EU-Erbschein können sich Erben als Vermögensnachfolger unbürokratisch bei Grundbuchämtern und Gerichten in den meisten EU-Staaten ausweisen und kommen so schneller an den Nachlass. „Bisher akzeptierten die Schweiz und Luxemburg den deutschen Erbschein“, weiß Anwalt Steiner. Welche Gebühr für das Europäische Nachlasszeugnis anfällt, steht aber noch nicht fest.

Doch das Erbrecht des letzten ­gewöhnlichen Aufenthalts kann tückisch sein, wenn man nicht alle Kniffe des Gastgeberlands kennt. Wer etwa in der Wahlheimat Schweden ein Ferienhaus besitzt, aber Kinder in Deutschland hat, sollte sich gründlich überlegen, ob er das Erbrecht des letzten gewöhnlichen Aufenthalts anwenden will oder testamentarisch deutsches Erbrecht bestimmt. Danach erben der überlebende Ehepartner und die Kinder gemeinsam. Nach schwedischem Recht erbt der überlebende Ehepartner als Vorerbe trotz gemeinsamer Kinder allein. Auch Schweden kennt einen Pflichtteil. Das ist jedoch ein Not-Erbrecht, dass Kinder nur bis sechs Monate nach dem Erbfall einklagen können.

Blut ist auch in England dicker als Wasser. Zwar kennen die Briten keinen Pflichtteil, doch leer gehen Kinder, die ihre Eltern vor deren Tod ­gepflegt, aber nichts geerbt haben, nicht aus. Sie haben Anspruch auf ­einen Vorsorgebonus.

Im Überblick: Steuerbelastung von Erben in der EU (pdf) (PDF)

Bildquellen: iStock
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