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aktualisiert: 07.02.2012 12:29

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ESSAY

Vermögensschutz: Schlussabrechnung rückt näher



Die klammen Eurostaaten werden die Vermögenden künftig stärker zur Kasse bitten
Die klammen Eurostaaten werden die Vermögenden künftig stärker zur Kasse bitten, der Staat wandelt sich vom Freund und Beschützer zum Inkasso-Unternehmen.

von Heinz-Werner Rapp, Gastautor von Euro am Sonntag

Je mehr Geld Deutschland für die Eurorettung in die Hand nehmen muss, desto näher rücke der Zahltag. Schutz biete lediglich eine intelligente Asset Protection.

Die Finanzkrise hat es ans Licht gebracht: Die europäischen Staaten sind klamm und müssen überhöhte Schuldenstände reduzieren. Noch ist Deutschland scheinbar ein weißer Rabe. Dahinter verbergen sich jedoch unangenehme Fakten: Die Republik hat einen Schuldenstand von über 80 Prozent seiner Wirtschaftsleistung — höher als das „Krisenland“ Spanien. Hinzu kommt, dass der deutsche Staat als Folge ­anhaltender „Euro-Rettungsschirme“ direkt und indirekt mit hohen dreistelligen Milliardenbeträgen für seine europäischen Nachbarn haftet. Fakt ist, dass Deutschland heute zusammen mit der Europäischen Zentralbank EZB in die Rolle eines Lender of Last Resort für die gesamte Eurozone gedrängt wird.

Was bedeutet das für den deutschen Bürger, der besonnener Anleger und solider Haushaltsvorstand zugleich sein soll? Die Antwort ist einfach: Niemand sollte davon ausgehen, dass diese Verpflichtungen am Ende von anderen beglichen werden. „Der Staat“, der unter politischem Sachzwang immer größere Verpflichtungen eingeht, ist kein höheres Wesen mit eigenem Vermögen. Der Staat ist nichts anderes als die Gesamtheit seiner Bürger und Steuerpflichtigen.

Bereits heute ist davon auszugehen, dass diese eines nicht allzu fernen Tages vom Staat zur Kasse gebeten werden. Je mehr Geld zur Eurorettung noch in die Hand genommen werden muss, umso näher rückt der Zeitpunkt einer Schlussabrechnung. Grundsätzlich sind dabei zwei Möglichkeiten zu unterscheiden: Ein Staat kann versuchen, überhöhte Schulden durch eine Politik bewusster Inflationierung abzubauen. Der Charme dieser Variante liegt aus Sicht der Regierenden darin, dass die Schuldentilgung mehr oder weniger schleichend erfolgt. Die Dummen sind alle Bürger mit festen Zahlungsansprüchen, vor allem Rentner und Empfänger von Sozialtransfers. Die Deutschen kennen dieses Szenario aus leidvoller Vergangenheit. Noch ist nicht klar, ob die EZB in letzter Konsequenz eine solche Politik mittragen würde. Allerdings sind die ersten Schritte in diese Richtung bereits getan.

Die andere Möglichkeit eines Staates liegt darin, seine Bürger direkt in die Verantwortung zu nehmen. Das bedeutet Steuererhöhungen, Zwangsabgaben für Reiche sowie ­andere fiskalische Grausamkeiten und hoheitliche Eingriffe in die private Vermögenssphäre der Bürger. Die relativen Verlierer sind die Vermögenden und Leistungsträger einer Gesellschaft.

Wie schützt man Vermögen
vor dem Zugriff des Staates?

Aus heutiger Sicht ist nicht klar erkennbar, welches dieser beiden Szenarien auf uns zukommen wird. Sicher scheint jedoch, dass Angriffe des Staates auf den Wohlstand seiner Bürger drohen. Der Staat wandelt sich vom Freund und Beschützer zum gierigen ­Inkasso-Unternehmen. Sowohl Bürger als auch Anleger tun gut daran, sich darauf ­vorzubereiten.

Ob es sich um höhere Spitzensteuersätze, Vermögensteuer oder umfassende Doppelbesteuerungsabkommen mit weitreichender Transparenz handelt — eines ist sicher: Der Verteilungskampf um finanzielle Ressourcen ist angesichts überbordender Schuldenlasten offen entbrannt. Dies macht es notwendig, sich mit kritischen Fragestellungen zum Schutz eigenen Vermögens (Asset Protection) auseinanderzusetzen: Wie schützt man Vermögen vor dem uneingeschränkten Zugriff des Staates oder auch vor einer bewussten und zielgerichteten monetären Verwässerung und Inflationierung?

Auf diese Fragen gibt es keine einfachen und allgemein gültigen Antworten. Wichtig ist zunächst eine speziell ausgerichtete Vermögensdiversifikation mit starker Sachwertkomponente. Hinzu kommen Überlegungen zur Diversifikation von Jurisdiktionen, also der Streuung von Vermögen in andere Rechts- und Steuerumgebungen. Ein wichtiger erster Schritt kann die Verlagerung von Depotstandorten sein. Weitere Schutzfunktionen können durch Einbringung von Vermögensteilen in spezielle juristische Konstruktionen erfolgen.

Letztlich bleiben jedoch derartige Gestaltungen immer eine risikobehaftete, also eine unternehmerische Entscheidung des Vermögensinhabers. Sich angesichts zunehmend konkreter Bedrohungspotenziale gar nicht damit auseinanderzusetzen, hieße jedoch, leichtfertig ernsthafte Vermögensrisiken einfach zu akzeptieren. Frühzeitige Asset-Protection-Beratung kann diesen Zielkonflikt intelligent auflösen.

zur Person:

Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Partner bei Feri
Rapp ist seit 1995 in ­unterschiedlichen Positionen bei Feri tätig und wurde 2006 in den ­Vorstand der Feri Finance berufen. Er ist zudem Geschäfts­führer der Feri Institutional & Family ­Office GmbH in Bad Homburg. Als Chief Investment Officer verantwortet er die gesamten Anlageaktivitäten der Feri-­Finance-Gruppe. Schwerpunkte liegen dabei in der Entwicklung ganzheitlicher Anlage­strategien. Dazu zählen speziell innovative Wertsicherungskonzepte, Nachhaltigkeitsinvestments sowie sachwertorientierte Anlagestrategien.

Bildquellen: iStock

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