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21.11.2010 09:00

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EURO-INTERVIEW

"Kein Sicherungssystem reicht in einer systemischen Bankenkrise aus"

General Electric (GE) zu myNews hinzufügen Was ist das?



Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis
Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, über niedrige Zinsen, gute Bankberatung und die Gefahr von Bankenpleiten.

Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, im Interview mit Sabine Gusbeth und Mario Müller-Dofel, Euro.

Euro: Herr Haasis, viele unserer Leser sind Sparkassenkunden. Manche schreiben uns, dass sie sich über die niedrigen Zinsen bei den Sparkassen ärgern.
Heinrich Haasis:
Ich verstehe natürlich, dass sich Anleger höhere Zinsen wünschen. Die andere Seite ist, dass in der derzeitigen Niedrigzinsphase auch Kreditzinsen sehr günstig sind. Das unterstützt den deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung, über den wir uns alle freuen und der ja auch vielen Anlegern Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten sichert.

Euro: Befürchten Sie nicht, dass Sparkassenkunden für höhere Zinsen zu privaten Banken wechseln?
Haasis:
Die Geldeinlagen sind sogar leicht gewachsen. Was sich aber geändert hat, ist das Bewusstsein unserer Kundschaft: Sicherheit ist wichtiger geworden. Und auch Qualität ist wieder wichtiger. Damit sind sie bei den Sparkassen gut beraten.

Euro: Weniger gut beraten waren Anleger, denen Lehman-Zertifikate empfohlen wurden. Der Finanzdienstleister AWD weist in einem Leserbrief an €uro darauf hin, dass es gerade Sparkassen waren, die Zertifikate der Pleite-Bank verkauft hätten.
Haasis:
Das stimmt nicht. Es ist kein guter Stil, über einen Wettbewerber solch falsche Behauptungen aufzustellen. Richtig ist aber, dass die drei betroffenen Sparkassen ihren Kunden schnell und freiwillig Entschädigungen angeboten haben. Dadurch wurden sie stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen als diejenigen, die solche Produkte in viel größerem Stile verkauft haben und im Krisenfall in Deckung gegangen sind.

Euro: Kürzlich kam die Sparkasse Hamburg in die Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass sie Psychogramme ihrer Kunden erstellt hat. Ist das im Vertrieb normal - und was halten Sie davon?
Haasis:
Ich finde es gut, wenn sich Sparkassen individuell auf ihre Kunden einstellen. Das darf aber nicht in einer Weise geschehen, die die Kunden als nicht wertschätzend empfinden müssen. Deshalb halte ich solche Psychogramme nicht für richtig und bin dankbar, dass die Haspa das sofort korrigiert hat.


Sparkassen-Präsident Haasis im Gespräch mit den Redakteuren Sabine Gusbeth und Mario Müller-Dofel
Euro: In der Finanzkrise wurde viel über die mangelnde Qualität der Anlageberatung in Deutschland diskutiert. Anfang November hat die Bundesregierung über ein neues Anlegerschutzgesetz beraten. Das sieht unter anderem vor, dass sich alle fest angestellten Bankberater bei der Finanzaufsicht BaFin registrieren lassen. Auf diese Weise soll die Qualität der Beratung gesichert werden. Ist das ein Schritt in die richtige Richtung?
Haasis:
Allein die Sparkassen beschäftigen in Deutschland 130000 qualifizierte Berater. Insgesamt gibt es 300000. Für jeden eine eigene Akte anzulegen, wie es der Gesetzentwurf vorsieht, ist bürokratischer Unsinn.

Euro: Warum?
Haasis:
Die Registrierung der Berater verbessert nicht die Beratungsqualität, sondern schafft nur neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Staatsbedienstete. Der Bankvorstand ist für die Mitarbeiter verantwortlich – auch gegenüber der Finanzaufsicht. Ich kann nicht verstehen, dass qualifizierte Sparkassenberater erfasst werden sollen, während freie Finanzberater auf dem Grauen Kapitalmarkt nahezu ungeregelt auf dem Markt herumturnen können. Gerade durch solche „Berater“ haben Sparer in den vergangenen Jahren gravierende Verluste erlitten.

Euro: Wie kann das verhindert werden?
Haasis:
Die Politik sollte sich erst einmal darauf konzentrieren, im Grauen Kapitalmarkt die gleiche Qualität zu sichern wie bei Kreditinstituten.

Auf der folgenden Seite lesen Sie, wie Haasis die Beratung in Sparkassen besser machen will und warum Direktbanken nur eine Ergänzung zu Filialbanken sind.

Bildquellen: Götz Schleser, Götz Schleser
Seite: 123

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