24.07.2012 03:00
Bewerten  
 (10)
0 Kommentare
Senden

Hauck & Aufhäuser: Wir sind Handwerker, keine Mundwerker

Die Risikoaversion nimmt bei den Deutschen zu
Euro am Sonntag-Exklusiv
Stephan Rupprecht: Die Krise ist auch bei den vermögenden Deutschen angekommen, sagt der Banker. Die Risikoaversion nimmt zu, spendabel sind die Deutschen aber nach wie vor.
€uro am Sonntag

von Astrid Zehbe, €uro am Sonntag

Seit Anfang Juli leitet Stephan Rupprecht das Privat- und Unternehmenskundengeschäft von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers in Deutschland, Luxemburg und der Schweiz. Ein Gespräch über Geld, Wohlstand und Lebensglück.

€uro am Sonntag: Herr Rupprecht, wie viel Geld muss ich Ihnen auf den Tisch legen, damit Sie mich als Kunde betreuen?
Stephan Rupprecht:
Wir betreuen nur Kunden mit einem Vermögen ab etwa einer halben Million Euro. Nach oben gibt es keine Grenzen. Es ist allerdings recht selten, dass jemand mit einem Millionenbetrag einfach zu uns kommt und sein Geld anlegen will. In den meisten Fällen werden wir empfohlen. Ich würde unsere Kunden auch nicht in erster Linie anhand der Höhe ihres Vermögens beschreiben.

Sondern?
Eher anhand der Herkunft ihres Vermögens. Wir machen in der Beratung natürlich keine Unterschiede, aber der Großteil des von uns verwalteten Vermögens ist unternehmerisch geprägt.

Haben wohlhabende Kunden an die Beratung andere Ansprüche als normale Anleger?
Die meisten unserer Kunden haben den Wunsch, dass wir ihnen finanziell den Rücken frei halten. Sie verdienen ihr Geld mit ihrem Unternehmen und erwarten, dass wir es sicher und konservativ anlegen. Eine zusätzliche Rendite mit der Geld­anlage ist erwünscht, doch unsere Kunden wollen vor allem ruhig schlafen können.

Steigt mit dem Vermögen nicht auch die Bereitschaft, zumindest einen Teil davon etwas riskanter anzulegen?
Das Risikoempfinden ist bei den Kunden unterschiedlich ausgeprägt, und das berücksichtigen wir in der Beratung auch. Einige laden wir zu sogenannten Club Deals ein. Das sind unternehmerische Investments, bei denen die Bank investiert und sich die Kunden finanziell beteiligen. Unsere Kunden mögen es, wenn eine Bank nicht nur über Anlagen spricht, sondern auch bereit ist, einen Teil des Weges mitzugehen. Das schafft Vertrauen. Mit Kunden, die es gewohnt sind, täglich zu traden und jeden Tag ihr Depot umzuschichten, würden wir uns schwertun. Das ist nicht unser Geschäftsmodell, und wer bei uns Kunde ist, will das meistens auch gar nicht.

Hat sich das Risikoempfinden der Kunden mit der Krise verändert?
Ja, definitiv. Die Risikobereitschaft hat abgenommen. Der Trend geht zu sicherheitsorientierten Investments. Da unterscheiden sich unsere Kunden vermutlich nicht von anderen Anlegern. Krisen hat es immer gegeben und wird es immer geben. Allein seit der Gründung von Hauck & Aufhäuser war Griechenland fünfmal zahlungsunfähig. Das Erstaunliche ist, wie die Geschwindigkeit zugenommen hat. Die Zeiträume werden immer kürzer, sodass Krisen viel ­bewusster wahrgenommen werden. Unsere Kunden wollen herausfinden, wie man kurzfristig reagieren kann, und erwarten von uns eine vorausschauende und nachhaltige Anlagestrategie.

Wollen andere Investoren das nicht auch?
Das ist richtig. Bei Kunden, die zu Hauck & Aufhäuser kommen, sind die Vermögensverhältnisse jedoch oft deutlich komplexer als bei einem durchschnittlichen Anleger. Deshalb sehen wir uns in der Rolle eines Haus­arzts der Finanzen. Wir schauen uns nicht nur an, was der Kunde sich für die Geldanlage wünscht, sondern ob das auch wirklich sinnvoll für ihn ist. Bei Bedarf schicken wir ihn auch zum Spezialisten. Interessiert sich ein Kunde beispielsweise für Immobilien, stehen wir ihm ­dabei gern mit unserer Expertise zur Seite, sind aber auch bereit, mit ­Dritten zusammenzuarbeiten. Darum ist es schön, dass wir eine ­offene Produktarchitektur haben. Wir verstehen uns als unab­hängige Berater und müssen nichts Eigenes verkaufen.

Wovon leben Sie denn dann?
Wir haben in den meisten Fällen eine Art Beratungshonorar, also eine feste Jahresgebühr, die wir von jedem Kunden erheben. Dafür ist dann jedes Produkt für den Kunden provisionsfrei. Das hat den Vorteil, dass der Kunde weiß, was die Beratung kostet, und dass sich der Berater auf die Bedürfnisse des Kunden konzentriert — und nicht etwa auf Vertriebsziele.

Haben Sie so etwas wie eine ­Grundstruktur fürs Portfolio, die Sie Ihren Kunden ans Herz legen?
Nein, die gibt es nicht. Aber wir haben ein paar Regeln, die übrigens heute wieder viel stärker gelten als früher. Eine sehr wichtige Regel ist, nicht alle Eier ins selbe Nest zu legen. Anders gesagt: Strategisch denkende Anleger diversifizieren ihr Vermögen und investieren aktuell verstärkt in Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Gold.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Titel und Finanzprodukte aus?
Fonds zum Beispiel durchlaufen bei uns eine quantitative und eine qualitative Analyse. Dabei schauen wir vor allem auf den Investmentansatz, die handelnden Personen und die Performance eines Fonds. Auf die großen Namen setzen wir selten, eher auf kleinere Anbieter, die auch zu unserem Haus passen.

Wir reagieren Kunden, wenn es mal nicht so gut läuft?
Die meisten erwarten nicht, dass wir die Glaskugel haben und exakt vorhersagen, was geschehen wird. Wichtig ist, mit den Kunden verschiedene Szenarien durchzusprechen und zu klären, wie man mit Risiken und vielleicht auch mal ­einem Verlust umgeht. Verluste entstehen ja oft, wenn man aus einer brenzligen Situation heraus Nerven zeigt und nicht vorbereitet ist. Wir erklären den Kunden sehr genau, dass Rendite immer mit Risiko verbunden ist. Eine gute Kommunikation und ein Draht zum Kunden sind uns darum sehr wichtig.

Wodurch zeichnet sich Ihrer ­Meinung nach gute Kommunikation aus?
Sie benötigen ein Gespür für Menschen und müssen sich ihnen öffnen können. So entsteht Vertrauen. Das ist gerade im Privatkundengeschäft sehr wichtig. Die Königsdisziplin eines jeden Vermögensberaters ist das Gespräch. Wenn Sie ein mehrfaches Millionenvermögen haben, dann erwarten Sie von Ihrem Banker, dass er zuhören kann und sich auf Augenhöhe begibt. Ich erlebe, dass gerade Unternehmer einen starken Hang zu Pragmatismus haben. Was nicht gut ankommt, sind Blender und Selbstdarsteller in unserer Branche. Der Kunde erwartet schließlich einen ­soliden Handwerker und keinen Mundwerker.

Geld ist ja gerade in Deutschland ein sehr sensibles Thema. Sind ­vermögende Menschen in dieser Hinsicht noch verschwiegener?
Diskretion ist extrem wichtig. Die Kunden möchten, dass ihr Privatbankier umsichtig agiert und verschlossen ist, was Namen und Summen angeht.

Wenn da so ein Geheimnis drum gemacht wird, wie ist Ihr Eindruck: Sind vermögende ­Menschen glücklicher?
Ich bin gelernter Bankkaufmann und persönlich sehr bodenständig. Philosophische Auslassungen dürfen Sie von mir nicht erwarten. Ich finde es aber erstaunlich, dass viele Studien sagen, bei Menschen mit wachsendem Wohlstand nehme die Zufriedenheit ab.

Woran könnte das liegen?
Vielleicht steigt mit dem Wohlstand auch die Sorge, das Vermögen wieder zu verlieren? Ich kann es nicht genau sagen und möchte mich mit Verallgemeinerungen zurückhalten. Zumal ich eigentlich nicht den Eindruck habe, dass die Kunden, die ich betreue, weniger glücklich sind als andere Menschen. Unsere Kunden sind ja vor allem Mittelständler. Sie haben eine klare Vision ihres ­Unternehmens und arbeiten hart ­daran, es weiterzuentwickeln. Daraus ziehen sie auch ihre Zufriedenheit, nicht aus dem Geld, das sie ­vielleicht damit verdienen. Aber ­natürlich: Geld allein ist kein Garant für Zufriedenheit.
Aber es gibt Sicherheit.
Genau, und auch eine gewisse Freiheit, die zum Glücklichsein beitragen kann. Ein Beispiel: Ein Geschäftsfreund hat vor einiger Zeit sein Unternehmen verkauft. Mit ­einem Teil des Geldes hat er eine Stiftung gegründet. Ansonsten reist er jeden Monat woandershin und ­genießt das Leben. Er muss sich keine Gedanken um Vorsorge machen, die Kinder sind aus dem Haus. Er ist zufrieden und hat keine weiteren Ansprüche.

Etliche vermögende Menschen ­gründen Stiftungen. Dahinter ­stecken doch sicherlich steuerliche Gründe, oder?
Es gibt in der Tat viele Kunden, die das Thema umtreibt. Die Motive dahinter sind unterschiedlich. Einige wollen sich vielleicht eine Art Denkmal setzen, andere gründen Stiftungen wirklich aus steuerlichen Gründen. Die meisten Stiftungsgründer tun das aus meiner Sicht aber aus ­sozialen, karitativen oder mäzenatischen Motiven. Wenn ich mir überlege, wie viel Sinnhaftes, Gutes das Bürgertum etwa im Gesundheits­bereich oder in der Kultur leistet, dann begeistert mich das. Deutschland ist nicht nur ein reiches, sondern auch ein spendables Land.

zur Person:

Hausarzt für
die Finanzen

Stephan Rupprecht wurde 1962 im fränkischen Dinkelsbühl geboren. Das Bankgeschäft hat er von der Pike auf gelernt. Nach seinem Abitur hat er sich zum Bankkaufmann ausbilden lassen und anschließend seinen Abschluss zum Bankfachwirt gemacht. Bevor Rupprecht im Juli 2012 zu Hauck & Aufhäuser wechselte, leitete er über zehn Jahre das Geschäft für die ­Region Bayern bei der UBS Deutschland. Zuvor war er bei der Commerzbank und der Bayerischen Vereinsbank in führenden Positionen tätig. Als Partner für das Privat- und Unternehmerkundengeschäft bei Hauck & Aufhäuser wird es vor allem seine Aufgabe sein, die Wahrnehmung der Bank am Standort München zu stärken. Ehrenamtlich ist Rupprecht im Beirat des Münchner Hospiz­vereins Christopherus aktiv.

Bildquellen: iStock
Artikel empfehlen?

Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich




Unsere siegreichen DFB-Kicker erhalten für ihren WM-Sieg die Rekord-Prämie von 300.000 Euro pro Mann. Halten sie dies für angenessen?

Anzeige