20.05.2013 03:00
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Allianz-Leben-Chef: "Manchmal bekommen wir gar zwölf Prozent"

Euro am Sonntag-Interview: Allianz-Leben-Chef: "Manchmal bekommen wir gar zwölf Prozent" | Nachricht | finanzen.net
Markus Faulhaber, Allianz Leben
Euro am Sonntag-Interview
Markus Faulhaber, Vorstandschef der Allianz Leben, über die Investmentstrategie des Lebensversicherers mit den größten Reserven in Deutschland und über Gemeinsamkeiten mit Maggie Thatcher.
€uro am Sonntag
von M. Reim und K. Schachinger, Euro am Sonntag

Als Chef der Allianz ist Markus Faulhaber große Zahlen gewohnt. Mit 29,5 Milliarden Euro stillen Reserven — der Differenz zwischen Kauf- und Marktwert der 184 Milliarden Euro Kapitalanlagen — hat der größte deutsche Lebensversicherer den stärksten Renditepuffer unter den deutschen Wettbewerbern. Dennoch beugt sich der Riese dem Druck der Niedrigzinsen am Kapitalmarkt und bietet erstmals Lebensversicherungen ohne festen Garantiezins an.

€uro am Sonntag: Herr Faul­haber, vor einigen Wochen ist die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher ­gestorben. Sie vertrat angesichts ­widriger Umstände den Grundsatz: Die Lady fällt nicht um. Bei der Al­lianz scheint es Umfaller zu geben?
Markus Faulhaber:
Wie kommen Sie auf diese Idee?

Jahrzehntelang hat die Allianz die klassische Lebenspolice mit ­festem Garantiezins von Anfang bis Ende der Laufzeit propagiert. Im Sommer soll nun ein flexibles Produkt vorgestellt werden. Wie passt das zusammen?
Wir haben bereits heute mehrere Vorsorgelösungen im Angebot, die sich in puncto Garantien, also letztlich in ihren Chancen und Risiken, unterscheiden. Wir stehen am Markt für Sicherheit: Jemand, der für seine Altersvorsorge ein Garantieprodukt nachfragt, denkt als Allererstes an uns. Das ist angesichts unserer hohen Reserven und großen Expertise bei Kapitalanlagen auch richtig so. Das neue Konzept nutzt diese Stärken und enthält wesentliche Garantieelemente, die sich bewusst vom klassischen Produkt unterscheiden.

Welche?
Zum Ersten möchte der Kunde möglicherweise die Garantie nicht für die gesamte Vertragsdauer festlegen, wenn das Zinsniveau wie derzeit relativ niedrig ist. Zum Zweiten sind die Kosten, um die Garantien dar­zustellen, relativ hoch. Dies liegt am niedrigen Zinsniveau und an der großen Schwankungsanfälligkeit der Kapitalmärkte. Konsequenz: Wir setzen genau an diesen beiden Stellschrauben an.

Soll die Garantie in der Ansparphase bei 1,75 Prozent pro Jahr liegen, wie es derzeit bei ­klassischen Policen der Fall ist?
Zur konkreten Ausgestaltung werden wir uns im Sommer bei Verkaufsstart äußern. Wer den Garantiezins von 1,75 Prozent haben will, kann nach wie vor auch zum klas­sischen Produkt greifen. Das neue Vorsorgekonzept bringt niedrigere Garantiekosten mit sich. Diese Einsparungen werden wir in Form einer deutlich höheren Überschussbeteiligung an die Kunden weitergeben.

Zurich Deutscher Herold verzichtet als erster großer Anbieter auf ­klassische Lebensversicherungspolicen. Könnte es auch bei der Allianz so weit kommen?
Solange die Kunden Garantien wollen, werden wir diese auch anbieten. Und meiner Meinung nach werden die Kunden in Deutschland immer gewisse Sicherheiten nachfragen.

Was bedeutet die jüngste Leitzinssenkung für Ihre Anlagepolitik?
Wir sind stark in festverzinsliche Wertpapiere engagiert. Eine direkte Veränderung unserer langfristig orientierten Anlagepolitik ergibt sich durch die Zinssenkung nicht. Denn unsere Kapitalanlage ist weltweit ausgerichtet, langfristig orientiert, breit diversifiziert und kann die ­Vorteile großer Volumina sowie entsprechender Investments nutzen. 

Die Aktienbörsen laufen gut. Wie hoch ist aktuell der Aktienanteil?
Wir haben derzeit einen Aktienanteil von rund acht Prozent. Hier sind alternative Anlagen eingerechnet.

Wollen Sie den Anteil hochfahren?
Grundsätzlich orientieren wir uns an unseren langfristigen Verpflichtungen. Wir haben deshalb mehr in Unternehmensanleihen als in Aktien investiert.

Werden Sie den Anteil der Unternehmensanleihen ausbauen?
Was Deutschland betrifft, eher nein, was die USA und Schwellenländer betrifft, eher ja. Man hat in den Vereinigten Staaten zwei Vorteile: Die Renditen liegen ein wenig höher und die Laufzeiten sind länger. Und wir suchen derzeit längere Laufzeiten.


Investieren Sie weiterhin auch stärker in Immobilien? Der Anteil hat sich von drei auf 3,5 Prozent erhöht. Damit fühlen wir uns recht wohl. Man sieht derzeit einige Preisübertreibungen am Immobilienmarkt. Wir benutzen diese immer wieder, um größere Immobilien­bestände zu verkaufen. Andererseits steigen wir gern wieder ein, wenn die Preise niedrig sind.

Wie interessant ist es, in die Energiewende zu investieren — und generell in Infrastruktur?
Wir sind an beiden Segmenten sehr interessiert. Die Anlagemöglichkeiten passen gut zur Struktur unserer Verpflichtungen. Sie sind langfristig, bieten kontinuierliche Zahlungsströme und attraktive Renditen.

Welche Renditen erwarten Sie?
Bei Infrastrukturfinanzierungen investieren wir bei Renditen mit weniger als sieben Prozent pro Jahr selten. Manchmal bekommen wir gar zwölf Prozent. 

zur Person:

Meister der
großen Zahlen

Seit gut einem Jahr ist der promovierte Mathematiker Markus Faulhaber (59) Vorstandschef des größten deutschen Lebensversicherers, Allianz Leben. Der gebürtige Göppinger studierte an der Universität Stuttgart neben Mathematik auch Physik. Faulhaber kam vor mehr als 30 Jahren als Referent in die Mathematische Abteilung der Allianz Leben. Vor seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden war Faulhaber Vorstandsmitglied und Verantwortlicher Aktuar von Allianz Leben.

Bildquellen: Allianz Deutschland
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