14.10.2009 17:02
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Test: Welche Bank hat das günstigste Girokonto?

Euro am Sonntag
Wenn in Krisenzeiten das Geld knapp ist, freut man sich über jeden Euro, den man sparen kann. Und das fängt beim Girokonto an. Hier sind im Jahr durchaus Einsparungen von mehr als 100 Euro drin.
von Claudia Marwede-Dengg

Zu teuer, zu intransparent und zu wenig verbraucherfreundlich – so lautet der jüngste Befund der EU-Kommission in Sachen Bankdienstleistungen für Privatleute. Zwischen Februar und April hat Brüssel Verbraucherschützer in alle 27 EU-Länder geschickt und 224 Banken, darunter 29 deutsche, unter die Lupe genommen. Auf diese entfallen mehr als vier Fünftel aller Einlagen im Privatkundengeschäft. Die dabei erstellte Mängelliste ist lang. Sie reicht von unzureichenden und zuweilen auch irreführenden Kundeninformationen über versteckte Kosten bis hin zu schlechter Beratung.

Die zehn günstigsten Girokonten für Jugendliche.

Die zehn günstigsten Girokonten für Arbeitnehmer.

Die zehn günstigsten Girokonten für Selbstständige und Freiberufler.

Auch deutsche Banken kommen nicht in allen Punkten gut weg. Wegen „unangemessener Beratung“ kündigten 50 bis 80 Prozent der Kunden vorzeitig langfristige Geldanlagen. Unterm Strich führt das zu Verlusten in einer Größenordnung von 20 bis 30 Milliarden Euro, hat die Verbraucherschutzabteilung der EU-Kommission errechnet.

Auch bei den Girokonten sieht Brüssel noch Nachbesserungsbedarf in Deutschland. So seien bei den Kontoführungsgebühren die Grundgebühren niedrig, doch dafür lägen die laufenden Kosten, nicht zuletzt bei Bezahlung per Bankkarte, überdurchschnittlich hoch. Insgesamt zahlen die Bundesbürger im Schnitt 89 Euro pro Jahr für ihr Girokonto und liegen damit im oberen Mittelfeld aller EU-Staaten. In der Spitze kann ein Girokonto in Deutschland 375 Euro und mehr kosten. Zum Vergleich: Am günstigsten ist das Girokonto in Bulgarien mit durchschnittlich 27 Euro. Dahinter folgen die Niederlande mit 46 Euro, Griechenland mit 54 Euro und Belgien mit 58 Euro. Am teuersten ist das Girokonto mit durchschnittlich 253 Euro in Italien. Für die EU-27 liegt der Durchschnitt bei 112 Euro. Noch ein Befund der EU-Kommission ist bemerkenswert: Während jährlich 25 Prozent der Bundesbürger ihre Autoversicherung wechseln, suchen sich beim Girokonto nur ganze sieben Prozent einen neuen Anbieter. Dabei, so hält der Bericht fest, hätten 90 Prozent der Wechsler eine günstigere Bank gefunden – nirgendwo sonst in Europa ist dieser Prozentsatz so hoch.

Kein Wunder, geht es doch auch ganz ohne Kontoführungsgebühren. Der Grund dafür heißt schlicht und einfach Wettbewerb. „Das kostenlose Girokonto ist heute im Privatkundenmarkt eine ganz wichtige Größe. Für uns ist es das Basisprodukt für alle anderen Produkte“, sagt Klaus Schmidt, Privatkundenvorstand der ING-DiBa.

Nach Meinung von Experten ist es mit dem Konto allein längst nicht mehr getan. „Das Girokonto selbst hat heute den Status eines Commodity-Produkts, zum Gesamtpaket gehören daher für uns auch die Themen Erreichbarkeit, Zugangsmöglichkeit und Sicherheit“, meint Michael Meyer, Vorstand Postbank Retail. Und Sara Ugljarevic, Produktmanagerin Girokonto bei der Volkswagenbank direct, ergänzt: „Das kostenlose Girokonto allein reicht heute nicht, darüber hinaus ist es auch wichtig, ein Startguthaben auszuloben.“ Für Frauke Plaß, Pressesprecherin der DKB Bank, ist das kostenlose Girokonto gar nur einer von mehreren Bausteinen. „Wichtig ist auch, den Kunden zum Beispiel eine gute Bargeldversorgung, kostenlose EC-/Kreditkarte und Anlageprodukte mit attraktiver Verzinsung zu bieten“, sagt sie.

Studien haben ergeben, dass sich durch solche Mehrwertprogramme eine um rund 50 Prozent geringere Abwanderungsquote erreichen lässt. „Bei normalen Girokonten liegt die Kündigungsrate zwischen acht und elf Prozent, bei Girokonten mit Mehrwertoption gelingt es, diesen Wert zu halbieren“, erläutert Dirk Karrasch, Geschäftsführer von Affinion International, einem Anbieter von Kundenbindungsprogrammen. Die günstigsten Anbieter von Girokonten hat die Finanzberatung Max Herbst FMH für €uro am Sonntag ermittelt (siehe Tabellen oben). Für sie gilt bis auf zwei Ausnahmen: Wer sein Konto online führt, zahlt weder Kontoführungsgebühren noch Buchungskosten, es sei denn, er wünscht die Buchung via Beleg – etwa mittels Überweisungsformular aus Papier. Bei der PSD Braunschweig ist für das kostenlose Girokonto zudem der regelmäßige Eingang von Lohn oder Gehalt erforderlich. Die DAB Bank verlangt dafür hingegen einen monatlichen Geldeingang von 1000 Euro oder mehr. Große Unterschiede gibt es bei den Dispozinsen sowie bei den Zinsen für geduldete Überziehungen. Hier hat die Deutsche Skatbank mit 6,0 beziehungsweise 10,5 Prozent die Nase vorn. Auf den Plätzen folgen die DAB Bank mit 6,95 beziehungsweise 11,95 Prozent sowie die DKB Bank und die SKG Bank mit jeweils 7,90 beziehungsweise 12,00 Prozent. Teurer sind da beim Dispozins schon die ING-DiBA und die Netbank mit jeweils 9,50 und die Comdirect mit 9,90 Prozent – auch wenn das noch weit vom durchschnittlichen Dispozinssatz bei 11,45 Prozent entfernt ist, unter die Top Ten war es damit nicht zu schaffen.

Auch beim Guthabenzins gibt es Unterschiede zwischen den Anbietern. Hier reicht die Palette von 0,10 Prozent – bei der DAB Bank für Einlagen unter 15 000 Euro – bis zu 1,00 Prozent bei der PSD Bank Hessen-Thüringen. Bei den PSD Banken Brandenburg-Berlin, Koblenz und Köln steigt die Verzinsung mit der Höhe der Anlage. Bei der DKB Deutsche Kreditbank gibt es dagegen 2,05 Prozent Zinsen über ein gesondertes Visacard-Konto, die SKG Bank bietet die gleichen Konditionen bei Eröffnung eines Mastercard-Kontos. Zudem gibt es auch immer wieder zeitlich befristete Sonderaktionen für Neukunden. So bietet die Citibank derzeit beispielsweise eine Guthabenverzinsung von 1,5 Prozent. Die Deutsche Skatbank verzinst dagegen Guthaben erst ab 1500 Euro und auch das nur bei regelmäßigem Eingang von Lohn, Gehalt oder Rente.

Die kostenlose Kreditkarte gehört längst nicht bei allen Anbietern zum Girokonto-Paket. Vier der zehn günstigsten Anbieter verlangen etwas für die Plastikkarte. Mit zehn Euro ist die DAB Bank da noch am günstigsten, die PSD Bank Braunschweig mit 25 Euro am teuersten. Bleibt als wichtiges Auswahlkriterium die Bargeldversorgung: Weltweit kostenlos Geld abheben kann man bei der DKB sowie der SKG Bank über die Visa- respektive Mastercard. Bei der ING-Diba gilt diese Möglichkeit europaweit. DAB Bank und Comdirect bieten über ihre Muttergesellschaften den Zugriff auf die Geldautomaten der Cash-Group, die PSD-Banken sowie die Deutsche Skatbank sind dem Netz genossenschaftlicher Banken angeschlossen.

Günstige Girokonten für lau gibt auch für Jugendliche und Studenten. Hier hat FMH ebenfalls die zehn besten Anbieter herausgefiltert. Wie bei den Konten für Otto Normalverbraucher sind Kontoführung und Abbuchungen kostenfrei, es sei denn, es wird via Papierbeleg gebucht. Wesentlich höher sind dagegen die Dispozinsen: Sie reichen von 10,12 Prozent (Volkswagen Bank direct) bis zu 13,50 Prozent (Postbank). Auch bei den Zinsen für geduldete Überziehung kann es teuer werden. Mit 13,78 Prozent ist hier ebenfalls die Volkswangen Bank direct am günstigsten, am teuersten sind Commerzbank und Deutsche Bank mit 18,74 Prozent. Besonderheit: Die DKB – in dieser Liste auf dem undankbaren 11. Platz – räumt jugendlichen und studentischen Kunden keinerlei Kredit ein. Auch bei den Zinsen sieht es eher mager aus: Mit DKB, HypoVereinsbank, Wüstenrot Bank, Dresdner Bank und Volkswagen Bank direct verzinsen nur knapp die Hälfte der Anbieter die Guthaben.

Während sich die Banken um Arbeitnehmer als Privatkunden reißen, tun sich Selbstständige wesentlich schwerer, ein preislich attraktives Girokonto zu bekommen. Grundsätzlich gilt hier: Die Kontoführung kostet Geld. Zu den Anbietern mit guten Konditionen gehören hier Postbank, Commerzbank, Deutsche Bank und HypoVereinsbank sowie wiederum DKB und Deutsche Skatbank.

Auf Kontoführungsgebühren verzichten lediglich DKB (beim Konto für Freiberufler) und Deutsche Skatbank. Das Postbank-Konto ist nur in bestimmten Fällen kostenfrei, alle übrigen verlangen zwischen einem und 15 Euro monatliche Kontoführungsgebühr. Buchungen sind bis auf DKB und HypoVereinsbank ebenfalls nicht oder nur bis zu einer bestimmten Anzahl kostenfrei. Für die Maestro-/EC-Karte verlangen die Deutsche Skatbank 5,00 Euro und die Commerzbank 7,50 Euro Gebühren, die Kreditkarte kostet bei der Deutschen Skatbank 20,00 Euro, bei der Commerzbank 28,00 Euro und bei Postbank sowie bei Dresdner Bank 30,00 Euro.

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Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum
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