14.01.2017 21:52
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Experten überzeugt: "Dieses Jahr wird besser als 2016"

Euro am Sonntag-Titelstory: Experten überzeugt: "Dieses Jahr wird besser als 2016" | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Titelstory
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Laufen DAX und Wall Street weiter? Was wird aus Anleihen, Rohstoffen und Gold? Gottfried Heller, Klaus Kaldemorgen und Robert Halver beantworten die Leser-Fragen von Euro am Sonntag.
€uro am Sonntag
von Redaktion Euro am Sonntag

Börsenumfeld

Leserfrage: Was meinen Sie - wie wird das Börsenjahr 2017?
Gottfried Heller: Das Börsenjahr wird wahrscheinlich besser werden als 2016, auch weil die Unternehmensgewinne weltweit angesprungen sind, in den USA wie in Europa und in Deutschland. Auch das Zinsniveau wird relativ niedrig bleiben, Konkurrenz durch Anleihen gibt es nicht - im Gegenteil: Es wird Rotation geben, die Anleger werden also aus langfristigen Anleihen aussteigen. Es spricht also mehr für Aktien als 2016 und 2015.


Wie optimistisch sind Sie für Aktien im kommenden Jahr?
Klaus Kaldemorgen: Generell spricht wenig gegen weiter steigende Aktienkurse - etwa, weil die Konjunktur, wenn auch gemächlich, zulegt. Allerdings haben sich die Erwartungen an Aktien besonders im Dezember ordentlich nach oben geschaukelt. Man sollte im neuen Jahr vielleicht erst mal warten, bis die Kurse ein wenig korrigieren.


Ich habe einige Werte aus dem DAX, bei denen bereits Gewinne aufgelaufen sind. Soll ich dabeibleiben?
Robert Halver:
Die Börsen sind im vergangenen Quartal sehr gut gelaufen, Donald Trump hat große Vorschusslorbeeren bekommen, die muss er als US-Präsident erst noch einlösen - was er tatsächlich tut, wissen wir noch nicht. Dann reichen die Briten den Scheidungsantrag von der EU ein. Im Frühjahr 2017 stehen überdies Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich und womöglich in Italien an. Deshalb könnte es im ersten Jahresdrittel ähnlich laufen wie im gleichen Zeitraum 2016, als es an den Märkten sehr turbulent zuging. Insgesamt rechne ich aber mit einem recht guten Börsenjahr, auch weil ich keine große Gefahr von Zinsänderungen sehe. Deshalb sollten Sie weiter investiert bleiben. Wenn Sie wollen, sichern Sie sich am Jahresanfang über Discounter oder andere Teilschutzpapiere ab. Zum Jahresende sehe ich den DAX dann bei 12.200 Punkten.

Muss ich 2017 mit starken Kursschwankungen rechnen?
Kaldemorgen:
Das glaube ich schon. Gerade in Bezug auf die politische Lage in Europa ist der Markt sehr skeptisch. Es könnte aber auch positive Überraschungen geben. Sollte in Frankreich beispielsweise François Fillon Präsident werden, könnte das der europäischen Wirtschaft und der europäischen Idee durchaus wieder Rückenwind geben - aber all diese Unsicherheit erhöht die Volatilität.


Wo sehen Sie die größten Risiken 2017?
Heller:
Ein Hauptrisiko ist der künftige US-Präsident Trump, der ein unbeschriebenes Blatt ist. Welches Verhältnis wird er zum russischen Präsidenten Putin haben? Wird er sich feindselig gegenüber China verhalten? Dabei muss man bedenken, dass die Chinesen rund 1,2 Billionen Dollar US-Staatsanleihen halten. Auch der Nahe Osten mit Syrien wird ein gravierender Risikofaktor bleiben. Hinzu kommen politische Risiken in Europa. Dazu zählen eine erneute Eurokrise und auch die drei anstehenden Wahlen. Überall sind die Populisten auf dem Vormarsch. Die Risiken sind zahlreich - und gravierend.

Ich habe schon schöne Aktiengewinne gemacht und neige dazu, jetzt zu verkaufen, auch weil die Politik im neuen Jahr große Unsicherheit bringen könnte. Wie groß sehen Sie die Gefahr eines Crashs?
Halver: Wir haben politische Risiken, etwa durch die Amtseinführung Trumps, der nach seinen Wahlkampfversprechen jetzt in der Bringschuld ist. Und wir haben vor allem Wahlen in Europa. Theoretisch könnte da politisch schon einiges schiefgehen. Aber die Notenbanken halten dagegen. Meiner Meinung nach kommt kein Crash, man wird (geld-)politisch alles tun, um einen Kurseinbruch zu verhindern, der auch zu schweren realwirtschaftlichen Verwerfungen führen würde. Ich rechne auch nicht mit drastischen Zinserhöhungen, die in der Tat Gift für die Kurse wären. Fed-Präsidentin Janet Yellen hat zwar drei Zinserhöhungen angekündigt, aber das ist eher als Warnung an Herrn Trump zu verstehen, es mit Konjunkturmaßnahmen nicht zu übertreiben. Auch für 2016 waren mehrere Erhöhungen angekündigt, gerade mal eine ist gekommen. Und in Europa bleiben die Zinsen da, wo sie sind, nämlich bei null. Herr Draghi kann sich im Superwahljahr 2017 gar nichts anderes leisten.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Euroschuldenkrise zurückkommt?
Heller:
Der Brexit hat bereits zu einer Investitionszurückhaltung bei den Unternehmen geführt. Mit Italien ist jetzt ein weiterer Wackelkandidat dazugekommen. Tendenziell gibt es also viel Spielraum für Schwankungen. Die Börsen laufen besser, aber auch die Volatilität wird zunehmen, befeuert durch Wahlen oder die Trump-Unsicherheit.

Wann kommt die Zinswende in Europa?
Heller:
Das hängt davon ab, wie schnell sie in den USA weitergeht. Wenn die US-Notenbank Fed die Zinsen kurzfristig weiter erhöht, wird die EZB auf Dauer nicht bei null stehen bleiben können. Irgendwann muss Herr Draghi darauf reagieren. Die Gretchenfrage dabei ist: Wird er bei den Anpassungen mehr Rücksicht nehmen auf Länder wie Italien und die anderen Schwächekandidaten oder auf Länder wie Deutschland? Meine Prognose ist: Er wird seinem Grundsatz "Whatever it takes" treu bleiben und versuchen, den heterogenen Euroclub weiter zusammenzuhalten. Das ist ihm wichtiger ist als das Inflationsziel.

Steigt die Inflation in Europa?
Heller:
Die Inflation wird über kurz oder lang stärker ansteigen als zwei Prozent. Dabei gibt es für die Inflationsrate derzeit drei Haupttreiber: die kräftigen Lohnerhöhungen, den steigenden Ölpreis und die importierte Inflation durch den schwachen Euro.

Märkte

Welche Anlageregionen finden Sie für 2017 attraktiv?
Kaldemorgen:
Ich würde eher in die entwickelten Märkte - Europa, Japan, die USA - investieren und bei den Schwellenländern außen vor bleiben. Die Emerging Markets sind von der Bewertung her nicht so günstig, dass dies die Risiken eines möglicherweise stagnierenden Welthandels ausgleicht. Die künftige US-Politik hat ja angekündigt, beim Thema Globalisierung einen Schritt zurückzugehen. Das könnte die Wirtschaftsentwicklung schwieriger gestalten und insbesondere die Schwellenländer treffen.

Soll ich Europa stärker als die USA gewichten?
Heller:
Ich würde international ausgewogen gewichten, dabei aber auch Schwellenländer und Asien einbeziehen. Die US-Börsen sind schon hoch bewertet, die europäischen derzeit gemessen am KGV rund 20 Prozent billiger. Die werden sicher jetzt allmählich aufholen.

Soll ich jetzt in US-Nebenwerte investieren oder lieber warten, bis Trump mit seinen Plänen vorankommt?
Heller:
Auch die US-Nebenwerte sind schon gelaufen, aber wenn die Börsen weiter freundlich sind, können Sie immer noch zukaufen. Die mittelgroßen Unternehmen (Mid Caps) sind dabei immer etwas stabiler als die Small Caps, also die Kleinwerte. In Deutschland deckt übrigens der MDAX den Mid-Cap-Bereich sehr gut ab, der auch nicht ganz so stark schwankt wie der SDAX. Generell gilt: Europa hat gegenüber den USA größeres Aufholpotenzial. Denn die Börsen sind hier wegen Trump zurückgeblieben, der Wahlsieg hat sich im Gegensatz zu den USA belastend ausgewirkt.

Wie sehen Sie Japan?
Kaldemorgen:
Die Währung hat in den vergangenen Monaten stark abgewertet. Für viele japanische Exportunternehmen ist die Welt wieder in Ordnung. Deshalb bewerte ich Japan auch für das kommende Jahr positiv. Meine Anlageschwerpunkte für 2017 sind Europa, Japan und die USA. Vielleicht etwas mehr Europa und Japan, da dort die Geldpolitik auch weiter locker bleiben wird. In den USA kann es auch mal schneller nach oben gehen mit den Zinsen, da Politik und Notenbank nicht mehr an einem Strang ziehen.

Wie sieht es mit Investments in den Emerging Markets aus?
Halver:
Solange es um rohstoffreiche Emerging Markets im Industriemetallbereich geht, in Ordnung. Aber ein starker Dollar belastet viele Länder, erhöht die Schulden, die mehrheitlich in US-Währung aufgenommen wurden, und dämpft nicht zuletzt die Konjunktur über Kapitalflucht in die USA. Die große Ausnahme könnte Russland sein. Die "Männerfreundschaft" zwischen Trump und Putin könnte dazu führen, dass US-Sanktionen gelockert und abgebaut werden, womöglich werden die Europäer da nachziehen. Das würde der russischen Wirtschaft helfen. Ein Aufschwung in Russland käme übrigens auch vielen Unternehmen aus dem MDAX zugute. Viele leiden bislang unter den Russland-Sanktionen.

Würden Sie ETF-Investments auch in China empfehlen?
Heller:
Grundsätzlich ja. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die großen chinesischen Firmen meist staatliche (Mit-)Eigentümer haben und hoch verschuldet sind. Small Caps werden dagegen privatwirtschaftlich betrieben und deshalb haben sie meist eine bessere Performance.

Aktien

Welche Aktien soll ich 2017 kaufen, was würden Sie mir raten?
Halver:
Schauen Sie auf den DAX, er bietet etwa 2,7 Prozent Dividendenrendite. Wo bekommen Sie das alternativ im Zinsbereich? Hier dürfte es 2017 einen weiteren Dividendenrekord geben. Donald Trump wird seinen Wirtschaftsaufschwung wenn nötig mit großen Konjunkturanreizen herbeibeamen, dieses Wahlversprechen muss er einlösen. Davon profitieren auch die exportstarken deutschen Unternehmen. In den DAX können Sie beispielsweise über einen ETF investieren. Vor diesem Hintergrund sind 2017 deutsche Industrieaktien vor allem aus den zyklischen Aktienindizes MDAX und SDAX attraktiv.

Ich will in DAX-Werte investieren. Welche Branchen kämen derzeit am ehesten infrage?
Heller:
Die meisten Anleger hierzulande haben ihr Depot viel zu stark auf heimische Werte ausgerichtet. Sie setzen mit dem DAX jedoch nicht nur auf einen der schwankungsreichsten Börsenindizes, sondern verzichten auch auf Renditepotenzial in anderen Regionen und eine insgesamt ausgeglichenere Depotstruktur durch globale Aufstellung. Wenn Sie trotzdem in den DAX investieren wollen, sollten sie wegen der anziehenden Konjunktur vor allem auf konjunktursensible (zyklische) Aktien setzen: also etwa Chemiewerte wie BASF oder Bayer, bei den Autowerten Daimler oder BMW oder die Bereiche Stahl, Aluminium oder Rohstoffe ins Auge fassen.

Ich rechne in den kommenden Jahren verstärkt mit weltweiten Krisen. Soll ich nur noch in defensive Werte investieren?
Kaldemorgen:
Krisen wird es immer geben. Deshalb ist auch die Sache mit dem Markttiming schwierig. Ich würde vor allem Wert legen auf eine gesunde Streuung einzelner Sektoren. Das können Konsum-, Pharma- und Telekommunikationswerte sein. Das sollten auch Technologiewerte sein. Selbst Finanzwerte sollte man nicht völlig außen vor lassen. Denn diese bilden - das hat man in den vergangenen Wochen gesehen - eine Absicherung gegen steigende Zinsen. Finanzunternehmen sind die einzige Branche, die wirklich von steigenden Zinsen profitiert.

Sind Pharmawerte auf dem aktuellen Niveau ein Kauf?
Kaldemorgen:
Die Branche ist in diesem Jahr etwas unter die Räder gekommen. Denn man ging in den USA davon aus, dass Hillary Clinton im Fall eines Wahlsiegs die Arzneimittelpreise schärfer regulieren würde. Zunächst war man erleichtert, als Trump die Wahl gewann, weil er für weniger Regulierung steht. Allerdings sagte er in einem Interview, dass ihn die hohen Arzneimittelpreise auch ärgern. Daraufhin sind die Pharmawerte wieder deutlich unter Druck geraten. Normalerweise wird aber nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Der Vorteil für Anleger: Insgesamt sind Pharmawerte wieder auf ein attraktives Bewertungsniveau gefallen, sodass sie als Portfoliobeimischung durchaus interessant sind.

Kommen die Aktien der deutschen Versorger wieder oder soll ich auf Gewinnertitel wie BASF setzen?
Halver:
Positiv für die Branche ist sicher das Bundesverfassungsgerichtsurteil. Hier haben die Versorger zwar teils auf Schadenersatz verzichtet. Aber zum Ausgleich gab es mit Sicherheit politische Absprachen zugunsten zukünftig weniger starker Zahlungsverpflichtungen. Dennoch: Die Branche ist schwer einzuschätzen. Angesichts alter Kraftwerke, Kohle- und Atommeilern kann man schwer von einer klassischen Turnaround-Story sprechen. BASF ist ein Wert, der sich besser einschätzen lässt. Der Konzern ist grundsolide und zahlt eine gute Dividende.

Soll ich in Bankaktien investieren und, wenn ja, in welche?
Heller:
Die Banken profitieren zum einen von der erwarteten Zinswende. Zum anderen von der Erwartung, dass der neue US-Präsident Trump die strenge Bankenregulierung wieder lockert. Das hat vor allem bei den US-Geldhäusern eine Hausse ausgelöst. Und auch die Deutsche Bank, die sehr stark auf den US-Markt ausgerichtet ist, hat davon zuletzt profitiert. Ich bin aber skeptisch, ob das alles auf europäische Banken übertragbar ist, da würde ich ein großes Fragezeichen setzen. Wenn Sie wirklich in Banken investieren wollen, dann nehmen Sie nach Möglichkeit einen internationalen Bankenfonds. Einzeltitel, vor allem in den USA, sind bereits sehr stark gestiegen. Die erwarteten Deregulierungseffekte sind bereits im Kurs enthalten.

Welche Aktien sollte man jetzt verkaufen?
Halver:
Bei vielen Zyklikern haben wir eine schöne Rally gesehen, etwa bei Auto- oder Maschinenbauwerten. Im volatilen Frühjahr kann man zwischenzeitlich Gewinne mitnehmen. Bei Dividendenaktien kommt im Frühjahr wegen der Dividendensaison wieder Fantasie rein. Bei Banken ist wegen der weniger scharfen Regulierung unter Trump mehr Luft nach oben, auch bei den großen europäischen Häusern ist 2017 was drin. Vor drei Monaten gab es noch Gerüchte, dass es in Europa große Bankenpleiten geben könnte, die Aktien sind ausgebombt. Das ist mein spekulativer 2017er-Tipp.

Anleihen

Ich möchte mein Vermögen gegen die aufkommende Inflation schützen. Was halten Sie von einem Investment in inflationsindexierte Anleihen?
Kaldemorgen:
Das halte ich für sehr spekulativ. Denn zurzeit sind die durchschnittlichen Renditen dort sehr niedrig. Und wir wissen ja alle nicht, wann die Inflation anzieht. Selbst wenn die Teuerungsrate 2017 um eineinhalb Prozent steigt, wird man mit diesen Anleihen kaum Geld verdienen. Inflationsindexierte Anleihen sind eher etwas für professionelle Anleger. Die Möglichkeit, dass die Inflation steigt, ist bereits in den Kursen berücksichtigt. Deshalb sollten Sie sich nicht wundern, wenn die Inflation anzieht und Sie trotzdem kein Geld verdienen. Ich finde, man zahlt einen hohen Preis für diesen Inflationsschutz. Effektiver ist es aus meiner Sicht, sich durch eine Anlage in Aktien oder zumindest höher rentierliche US-Anleihen gegen einen Anstieg der Teuerungsrate zu wappnen.

Ein Drittel meines Depots habe ich in Hochzinsanleihen investiert. Die sind gut gelaufen. Können sie kippen?
Halver:
Auch wenn kein großes Zinsänderungsrisiko besteht, liegen die Zinstiefs hinter uns. Selbst bei kleinen Zinssteigerungen würden die Kurse also nachgeben. Ohnehin müssen Sie insgesamt schauen, dass Sie nicht zu viele Anleihen im Portfolio haben. Wenn man an laufenden Einnahmen interessiert ist, sollte man auch an Dividendenprodukte denken.

Was halten Sie denn im neuen Jahr von US-Anleihen?
Kaldemorgen:
Im US-Dollar-raum sind die Zinsen beispielsweise deutlich höher als in der Eurozone. Zehnjährige US-Anleihen bringen derzeit eine Rendite von gut 2,6 Prozent. Das sind mehr als zwei Prozentpunkte mehr als bei den deutschen Anleihen. Daneben gibt es US-Unternehmensanleihen, die eine doppelt so hohe Rendite liefern. Als Einzeltitel sind sie sicher nicht für jeden Privatanleger geeignet, aber über entsprechende Fonds lässt sich gut in diese Werte investieren.

Soll ich aufgelaufene Gewinne aus Aktienfonds zum Teil mitnehmen und in Anleihefonds investieren?
Kaldemorgen:
Da Aktien zuletzt stark gestiegen sind, kann es durchaus Sinn machen, Gewinne mitzunehmen und das Geld zu parken, bis die Kurse wieder zurückkommen. Ob Sie das Geld in Anleihen stecken, sollten Sie sich allerdings sorgfältig überlegen. Denn bei länger laufenden Bonds müssten Sie im kommenden Jahr wohl Verluste einkalkulieren, da die Zinsen - wenn auch moderat - steigen werden. Die Alternative zur Aktie ist aktuell nicht die Anleihe, sondern die Kasse.

Gold/Rohstoffe

Soll ich weiter mein Gold im Portfolio halten? Kaldemorgen: Wenn Sie Gold haben, würde ich das auf alle Fälle behalten. Ich sehe Gold als eine Art Katastrophenschutz im Portfolio. Im Augenblick tut sich das Edelmetall freilich etwas schwer. Das liegt an den steigenden US-Zinsen sowie dem festeren Dollar.

Soll ich wegen der zunehmenden Risiken jetzt verstärkt in Gold investieren?
Heller:
Gold ist in der Tat ein Krisenmetall. Aber ich traue dem Gold keine großen Sprünge zu, und es liefert weder Zins noch Dividende. Zudem steht der Goldpreis auch unter einem politischen Einfluss. Auch Goldminenaktien halte ich derzeit nicht für attraktiv. Wenn ich Gold im Depot hätte, würde ich bei besseren Kursen den Goldanteil eher zurückfahren als zukaufen.

Der US-Dollar wird immer stärker, spricht das für oder gegen Rohstoffe?
Halver:
Da Rohstoffe wie Gold in Dollar notieren, drückt eine starke US-Währung die Kurse tendenziell. Der Dollar wird eher stark bleiben, auch wenn wir keine dramatische Dollar-Rally sehen dürften, weil die politischen Risiken in Europa umschifft werden. Speziell der Goldpreis wird meines Erachtens aber von den Notenbanken künstlich unten gehalten, um eine Goldhausse zu vermeiden, die die Krisenängste der Bürger schüren könnte. Gold mag ich aber nach wie vor. Es zählt der langfristige Besitz, nicht die kurzfristige Rendite. Übrigens, neben Schwellenländern kaufen auch die Notenbanken Gold physisch auf. Da sie einen noch tieferen Einblick in die real existierenden Probleme unserer Finanzwelt haben, ist ihr Kaufverhalten verräterisch. Die Zeit der Goldanleger wird noch kommen. Ich würde daneben zu Industriemetallen wie Kupfer oder Aluminium raten, die mit einer anziehenden Konjunktur zulegen werden.

Was sind Ihre Aussichten für Rohstoffe? Dieses Jahr sind die Preise ja stark gestiegen.
Kaldemorgen:
In der Tat. Öl hat um mehr als 40 Prozent zugelegt, auch der Kupferpreis hat sich stark verteuert. Ausgehend von diesem Niveau glaube ich, dass man dort im kommenden Jahr nicht mehr so viel Geld verdienen kann.

Mit dem Ölpreis sind Energiewerte zuletzt stark gestiegen. Laufen sie weiter oder sollte man hier auch mal Gewinne mitnehmen?
Halver: Beim Ölpreis gibt es zwei Haken: Die OPEC hat sich jetzt zwar auf dem Papier auf Förderungsbegrenzungen geeinigt. Mit der Disziplin der Förderländer ist es aber notgedrungen nicht weit her. Russland braucht jeden Cent, der Iran auch, Saudi-Arabien, das sonst immer Überschüsse erwirtschaftete, hat mittlerweile Staatsdefizite. Sie alle wollen fördern. Das zweite Argument ist das Fracking. Ab etwa 60 Dollar pro Barrel sind fast alle Förderanlagen in den USA profitabel. Das heißt, sie legen spätestens dann wieder los. Damit ist hier quasi eine Preisobergrenze beim Öl eingebaut. Insofern zweifle ich daran, dass die Aktienkurse der Energiekonzerne weiter stark steigen. Hier könnte man Gewinne mitnehmen.

Portfolio

Wie soll ich mein Depot in Zeiten der Nullzinspolitik zusammenstellen?
Kaldemorgen:
Für einen Anleiheinvestor ist die Nullzinspolitik natürlich ärgerlich. Für einen aktienaffinen Anleger bringt sie dagegen durchaus Vorteile. Denn die Aktienkurse sind auch abhängig von den jeweiligen Zinsen. Je höher die Zinsen, desto attraktiver die Anleihen und umgekehrt. Niedrige Zinsen treiben also im Gegenzug die Aktienkurse. Dennoch sollte man keinem Anleger - vor allem den älteren Jahrgängen - raten, zu 100 Prozent in Aktien zu investieren. Vielmehr empfiehlt sich eine Mischung aus Aktien, Anleihen und Immobilien.

Ist der Aktienanteil im Portfolio altersabhängig?
Kaldemorgen:
Zum einen ist er abhängig vom Alter, zum anderen von der persönlichen Risikoneigung. Sehen Sie, wenn Sie nur deutsche Aktien haben, müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Portfolio im Jahr bis zu 20 Prozent schwankt. Das ist sicherlich zu viel. Für die meisten Anleger ist eine Aktienquote von 30 bis 50 Prozent sinnvoll. Bei entsprechender Streuung ist auch etwas mehr möglich. Vorausgesetzt, die Rente steht nicht morgen vor der Tür.

Ich bin 53 und halte 30 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen, 30 Prozent Offene Immobilienfonds. Ich sorge mich um die EZB-Nullzinspolitik. Soll ich umdisponieren?
Heller: Bei Ihrem Depot müssen Sie berücksichtigen, dass Sie mit Anleihen derzeit bestenfalls Schwankungen rausnehmen, aber kaum Performance erzielen können. Unternehmensanleihen sind dabei noch etwas günstiger wegen der etwas höheren Rendite. Ich würde an Ihrer Stelle tendenziell den Aktienanteil ausweiten und dabei in Aktienfonds, aber vor allem stärker in ETFs investieren.

Ich gehe in zwei Jahren in Rente und möchte eine Anlage, die zuverlässig ausschüttet. Was halten Sie von Dividendenfonds? Halver: Ich glaube, dass wir auf Jahre hinaus weiter niedrige Zinsen haben werden, auch weil sich die südeuropäischen Länder höhere Zinsen einfach nicht leisten können. Deshalb kann ich Sie nur ermuntern, auf Dividendenwerte zu setzen. Neben dem Ausland gewinnt das Thema auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Die DAX-Unternehmen zahlen mehr, um sich für große Vermögensverwalter und Pensionskassen, die Erträge ausschütten wollen, attraktiv zu machen. Das macht auch entsprechende Fonds oder ETFs auf diese Dividendenperlen interessant.

Wir sind beide in Rente und haben ein Drittel Aktien im Depot, möchten aber stärker in ETFs gehen. Ist das sinnvoll?
Halver:
Ich kann Sie nur unterstützen, stärker in ETFs anzulegen, auch weil sich gerade Nebenwerte damit besser abbilden lassen. Derzeit glaube ich, dass vor allem mittelgroße und kleine Unternehmen, sogenannte Mid und Small Caps, noch weiter zulegen können. Das sind im Vergleich zu den großen Standardwerten eher die Schnellboote, die schnellen Stürmer. Da gibt es selbst in den USA noch Potenzial, aber auch in den Emerging Markets, die Sie beispielsweise mit einem Small-Cap-ETF abdecken können.

Ich bin 70, habe eine Million Euro, davon 70 Prozent in Aktien. Ist das in meinem Alter zu viel? Wann wäre es optimal, die Aktienquote zu senken?
Heller:
Wenn Ihnen Ihre Aktien den Schlaf rauben, sollten sie die Aktienquote unabhängig vom Alter reduzieren. Das Timing für einen Rückzug ist grundsätzlich schwierig, ich glaube auch nicht, dass sich das optimal steuern lässt. Saisonal sind wir aber in einer günstigen Phase. Die Vorzeichen für steigende Börsen sind eigentlich günstig. Sie könnten beispielsweise bei weiter steigenden Kursen nach und nach etwas von Ihrer Aktienquote abbauen.

Anmerkung der Redaktion: Im Teil 2 der Expertenrunde beantwortet Rechtsanwalt und Steuerberater Stefan Thiem die Fragen der Leser zur Steuerproblematik. Diesen Artikel finden Sie in der Euro am Sonntag 01/2017 ab Seite 22.
Bildquellen: Julian Mezger für €uro am Sonntag, Zeynep Demir / Shutterstock.com, Tom Wang / Shutterstock.com
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