11.11.2012 12:00
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Allianz-Chefvolkswirt: Wachstum zieht 2013 wieder an

Allianz-Chefvolkswirt: Wachstum zieht 2013 wieder an
Eurokrise
Michael Heise, der Chefvolkswirt des Versicherungskonzerns Allianz, geht davon aus, dass Deutschlands Wirtschaft ihre Sonderrolle in Europa auch im kommenden Jahr behalten wird.
€uro am Sonntag

€uro am Sonntag: Herr Professor Heise, wegen einer schwächeren ­Europa-Nachfrage verzeichneten die Aufträge der deutschen In­dustrie im September den stärksten Rückgang seit einem Jahr. Wird sich dieser Trend fortsetzen ?
Michael Heise:
Kurzfristig könnte sich diese Tendenz noch fortsetzen. Mit Blick auf das kommende Jahr spricht aber einiges dafür, dass sich der Auftragseingang in der deutschen Industrie wieder belebt. Die Geschäftserwartungen der Indus­trie haben sich zuletzt bereits leicht erholt.

In welchem Ausmaß wird das schwächere Europa-Geschäft mit Aufträgen aus den USA und den Schwellenländern kompensiert?
Die deutsche Wirtschaft hat den Einbruch des Nettoexports mit dem Euroraum sehr erfolgreich durch Überschüsse mit anderen Handelspartnern mehr als ausgeglichen. Die Nachfrage aus Ländern außerhalb des Euroraums stabilisiert auch jetzt den deutschen Export. Angesichts einer nur mäßigen Weltkonjunktur ist dies derzeit aber nicht ausreichend, um dem deutschen Export insgesamt Schwung zu verleihen.

Erwarten Sie für 2013 eine spürbare Zunahme der Kurzarbeit? Wenn ja, in welchen Sektoren?
Im Winterhalbjahr dürfte die Kurzarbeit in Anbetracht einer sinkenden Auslastung insbesondere in der Industrie moderat ansteigen. Angesichts der erwarteten Konjunkturbelebung wird sie aber bereits im Verlauf von 2013 wieder rückläufig sein.

Wird Deutschland seine konjunkturelle Sonderrolle behaupten? Welche Wachstumsraten erwarten Sie?
Deutschlands Wirtschaft wird sich auch 2013 trotz ihrer Abhängigkeit vom Euroraum positiv entwickeln. Von der Weltkonjunktur, aber auch von der Binnennachfrage kommen weiterhin Impulse. Unter der Annahme einer allmählichen Entspannung in der Schuldenkrise rechne ich für 2012 mit einem Wachstum von 0,8 Prozent und von 1,5 Prozent für 2013.

Bisher stützt auch der Inlands­konsum die Konjunktur. Wie stark werden höhere Garantien und Verpflichtungen aus der Eurokrise die Ausgabefreudigkeit einschränken?
Umfragen zeigen, dass die deutschen Konsumenten nach wie vor relativ zuversichtlich sind. Ihre Realeinkommen steigen — wenn auch nur moderat. Die Risiken für den deutschen Staat infolge der Schuldenkrise sind den Bürgern sicher im Bewusstsein, wahrgenommen wird aber gewiss auch, dass die Abgabenbelastung durch den Staat derzeit insgesamt eher sinkt.

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