20.01.2013 12:00
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Eurozone: Auferstanden aus Ruinen

Eurozone: Auferstanden aus Ruinen
Eurokrise
Anleger glauben wieder an die Zukunft Europas und treiben die Kurse nach oben. Doch die gute Stimmung verdeckt viele Probleme im Währungsraum, die in Zukunft für Rückschläge sorgen könnten.
€uro am Sonntag

von Peter Gewalt, Euro am Sonntag

Mario Draghi darf sich seit Kurzem mit dem glanzvollen Titel „Person des Jahres 2012“ schmücken, den ihm die ­angesehene britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“ für seine Verdienste um die Eurorettung verliehen hat. Draghis Hilfseinsatz Ende Juli hat ihm Meriten eingebracht und der Eurozone einen Stimmungsumschwung, der die Herzen der Anleger auch noch sechs Monate später höher schlagen lässt. So setzt der Euro derzeit selbst gegenüber Fluchtwährungen wie dem Schweizer Franken zum Höhenflug an, europäische Bankenwerte führen die Gewinnerrangliste an, und die Anleihe- sowie Aktienkurse aus den Problemstaaten haussieren, als ob sich die kriselnden Volkswirtschaften zwischen Madrid und Dublin in kurzer Zeit in blühende Landschaften verwandelt hätten.

Doch es sind weniger die immer noch eher trüben Wachstumsaussichten als vielmehr die niedrigen Bewertungen, die locken. So haben viele Investoren längst wieder Gefallen am Alten Kontinent gefunden, der noch vor wenigen Monaten scheinbar vor dem Aus stand. „European assets strike back“ heißt etwa eine Studie der französischen Bank Société Générale. „Nach den schweren Kursverlusten der vergangenen Jahre sind vor allem Aktien aus der Eurozone sehr attraktiv bewertet“, begründet Philippe Ferreira, Anlagestratege der Société Générale, seine These.

Viel Euphorie, wenig Taten
Da passt es gut ins Bild, dass selbst die Ratingagenturen, die noch vor wenigen Monaten von vielen Politikern als Verursacher der Krise verdammt wurden, nun als Kronzeugen des Wandels herhalten dürfen. So erklärte Fitch die Eurokrise vergangene Woche kurzerhand für beendet. In den Augen von Fitch-Analyst Doug­las Renwick haben sich die 17 Eurostaaten in den vergangenen drei Jahren erfolgreich durch die Krise gekämpft und einen Kollaps der Währungsunion damit „sehr unwahrscheinlich“ gemacht.

Die Euphorie ist derzeit so überbordend, dass selbst die Probleme in den Hintergrund gedrängt werden, die für herbe Rückschläge sorgen können. So findet das Schuldendrama um Zypern derzeit nur wenig Widerhall in den Medien und noch weniger an den Märkten. Über 17 Milliarden Euro benötigt Nikosia, um nicht in den finanziellen Abgrund zu stürzen. Zwar macht Zypern gerade einmal 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone aus, doch könnte ein Zusammenbruch des Inselstaats erneut Schockwellen Richtung europäisches Festland auslösen. Denn wie stark europäische Banken davon betroffen wären, bleibt im Dunkeln.

Ungelöst ist bisher, wie die Rettung vonstatten gehen soll. Ein Schuldenschnitt wie in Griechenland gilt nach den bisher gemachten desaströsen Erfahrungen als gefährliches Spiel mit dem Feuer. Einen Hilfskredit wollen die Europäer aber nicht leichtfertig vergeben, da die Not leidenden zypriotischen Banken als Helfershelfer für Geldwäschegeschäfte vor allem aus Russland verantwortlich gemacht werden.

Wie schon in der Vergangenheit setzen die europäischen Politiker der Eurozone daher lieber auf Zeit statt auf schnelle ­Problembewältigung. Auf die lange Bank geschoben ist etwa die Bankenunion, die den Finanzinstituten im Notfall einen schnellen Zugriff auf Rettungsgelder ermöglichen soll. Sie wird frühestens 2014 starten. Auch die viel beschworene Vertiefung der Fiskal- und Wirtschaftsunion, die die Eurozone krisensicherer machen soll, muss warten. Sollten Wahlen in den Mitgliedsländern eurokritische Parteien an die Macht bringen, ist auch dieses Projekt gefährdet. Und selbst bei Personalentscheidungen tun sich die Europäer weiter schwer. Beschlossen schien, dass der Niederländer Jeroen Dijsselbloem Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker beerben soll. Nun sperrt sich Frankreich im Interesse der Südländer gegen den sparwilligen Vertreter der Nordeuropäer.

Währenddessen wächst die Angst, dass die Euphorie an den Märkten den nötigen Druck vermindert, Reformen auf dem Arbeitsmarkt und an den Sozialsystemen zu forcieren. Wie nötig diese sind, zeigen Daten aus Spanien und Frankreich. Beide Länder brauchen mehr Zeit als geplant, um ihr Schuldenproblem in den Griff zu kriegen. „Die Risiken bestehen vor allem darin, dass Regierungen nicht handeln,“ mahnt daher einer, der es wissen muss. Es ist die „Person des Jahres 2012“.

Bildquellen: Mediagram / Shutterstock.com, gosphotodesign / Shutterstock.com

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