19.01.2013 06:01
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Pimco-Interview: Die Eurozone ist nicht mehr die, die sie mal war

Eurokrise: Pimco-Interview: Die Eurozone ist nicht mehr die, die sie mal war | Nachricht | finanzen.net
Die Eurozone ist nicht mehr die, die sie mal war
Eurokrise
Interview: Die Stimmung der Anleiheinvestoren gegenüber der Eurozone hat sich spürbar gebessert. Doch Douglas Hodge vom Vermögensverwalter Pimco fordert weitere Anstrengungen seitens der Politik.
von Peter Gewalt, Euro am Sonntag

Seit September 2012 feiern die Anleihen der euro­päischen Krisenstaaten ein fulminantes Comeback (siehe Grafik unten). Zeichnet sich damit schon das Ende der Eurokrise ab? Wir fragen nach bei Douglas Hodge von der Allianz-Tochter Pimco, dem größten Anleihemanager der Welt.

€uro am Sonntag: Herr Hodge, können wir die Eurokrise ad acta legen ?
Douglas Hodge:
Leider nein, wobei sich die ­aktuelle Lage im Vergleich zum Sommer 2012 natürlich klar zum Positiven verändert hat. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs der Eurozone hat seither deutlich abgenommen.

Wer hat am stärksten zu diesem Stimmungsumschwung beigetragen?
Da ist vor allem Mario Draghi zu nennen. Der Chef der Europäischen Zentralbank hat vergangenen Sommer mit seinen Aussagen und geldpolitischen Maßnahmen ein ganz klares Signal an den Markt gesandt, das die Entschlossenheit der EZB klarmachte, die Integrität der Eurozone sicherzustellen.

Sie erwähnen nicht die europäischen Politiker bei der Bekämpfung der Krise.
Die Europäische Zentralbank war und ist die einzige aktive politische Institution in der Eurozone. Aber für die Zukunft sind die politischen Akteure sehr wohl relevant. Denn sie sind in diesem Jahr gefragt, die strukturellen Probleme des Währungsraums zu lösen.

Aber es ist doch schon einiges passiert. In vielen Ländern wie Spanien oder Griechenland sind etliche Sparpakete aufgelegt worden.
Sparen allein genügt aber nicht, um die strukturellen Probleme der einzelnen Länder zu lösen. Weitere Reformanstrengungen sind nötig, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erreichen und den Arbeitsmarkt zu stärken. Und diese kann nicht die EZB anstoßen, das müssen schon die ­Politiker hinkriegen.

Ist das Ende der Krise denn schon abzusehen?
Das Risiko möglicher Extremereignisse wie eines Zerbrechens der Eurozone oder eines Staatsbankrotts ist deutlich gesunken. Allerdings müssen die Volkswirtschaften noch immer die drängendsten Probleme angehen: ungesund hohe Schuldenstände, mageres Wirtschaftswachstum und hohe Arbeitslosigkeit. Solange diese fortbestehen, kann die Situation erneut eskalieren. Das lässt sich auch an den Anleihemärkten ablesen. Zwar sind die Renditeaufschläge der Problemstaaten deutlich zurückgegangen, sie befinden sich aber noch deutlich über Vorkrisenniveau. Das zeigt, dass die Eurozone längst nicht mehr die ist, die sie mal war. Heute werden die Staaten von den Investoren einzeln beurteilt und nicht mehr wie bis 2008 weitgehend über einen Kamm geschert.

Sind Anleihen der europäischen Problemstaaten für Pimco interessant?
Auch hier muss man differenzieren. Die Marktbedingungen in Italien hatten sich deutlich verbessert, und auch in Spanien bessert sich die Lage. Doch die zugrunde liegende ökonomische Situation in Spanien bleibt weiterhin fragil.

Das Problem der hohen Schulden teilen die Europäer mit anderen Industrienationen wie Japan und den USA. Welche Lösungen sind im Hinblick auf den Abbau der Schuldenberge denkbar?
Historisch gesehen ist eine hohe Staatsverschuldung nichts Außergewöhnliches. Historisch einmalig ist aber das Ausmaß der Verschuldung, das die Industrienationen belastet. Daher wird es ­extrem schwer, dieses Problem zu lösen. Die Vergangenheit hat aber gelehrt, dass es drei Lösungswege gibt: erstens Staatspleiten, zweitens Inflation und drittens finanzielle Repression.

Welchen Ansatz favorisieren die Regierungen?
Die finanzielle Repression scheint der bevorzugte Ausweg zu sein. Denn durch extrem niedrige Leitzinsen, die unter der Teuerungsrate liegen, lassen sich Verbindlichkeiten ohne größeren ­Widerstand abbauen. Aber auch das wird nicht rasch geschehen, sondern mehrere Jahre dauern.

Wie groß ist die Gefahr, dass aufgrund der laxen Geldpolitik die Inflation kräftig zulegt ?
Die globale Wirtschaft wird weiter von einem Angebotsüberschuss gegenüber der relativ schwachen Nachfrage beeinträchtigt. Daher sehen wir kurzfristig keinen Preisdruck, der zu Inflation führen würde. Die sehr aggressive und unkonventionelle Politik der führenden Notenbanken schafft jedoch das Risiko künftig steigender Teuerungsraten. Anleger sollten daher inflationsgeschützte Anleihen im Portfolio berücksichtigen.

zur Person:

Douglas Hodge arbeitet seit 1989 für Pimco. Die Allianz-Tochter ist mit knapp zwei Billionen US-Dollar an Kundengeldern einer der größten Anleihemanager der Welt. Als Chief Operating Officer (COO) von Pimco ist Douglas Hodge eingebunden in die Investmentprozesse des in Newport Beach ansässigen Unternehmens.

Bildquellen: Daniel Schweinert / Shutterstock.com

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