aktualisiert: 23.04.2012 14:04
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Der große Banken-Beratungstest

Finanzberatung im Test: Der große Banken-Beratungstest | Nachricht | finanzen.net
Beratung bald nur für Betuchte?
Finanzberatung im Test
Was empfehlen Banker Anlegern, die nicht über üppige Geldmittel verfügen? Wo Berufseinsteiger und junge Familien und mit ihren Sparzielen gut aufgehoben sind.
€uro am Sonntag
von Markus Hinterberger, €uro am Sonntag

Andrea Nickel (Name von der Redaktion geändert) ist enttäuscht. Die Angestellte einer Kölner Buchhandlung wollte sich in Sachen Altersvorsorge und Vermögensaufbau beraten lassen. Das Ergebnis aber war mager. Der Berater der Sparkasse Köln-Bonn empfahl der jungen Frau eine Riester-geförderte Rentenversicherung, alternativ eine fondsgebundene Rentenversicherung.

Dabei wäre die 24-jährige Buchhändlerin geradezu perfekt, um von einem Bankberater über die ganze Welt der Geldanlage aufgeklärt zu werden. Sie ist jung und hat noch viel vor: Gemeinsam mit ihrem Freund lebt Andrea Nickel zur Miete in einer Dreizimmerwohnung am Rand der Kölner Innenstadt. Heiraten wollen die beiden zwar, aber nicht sofort. Und mit dem Nachwuchs wollen sie sich auch erst einmal Zeit lassen.

Für die noch sehr ferne Rente legt Andrea Nickel schon jetzt jeden Monat 200 Euro zur Seite, die zunächst auf ein Tagesgeldkonto bei einer Direktbank wandern. Das bringt zwar mit knapp zwei Prozent passable, aber keine üppigen Zinsen. Die umsichtige Sparerin will Vorsorge und Vermögensaufbau in geordnete Bahnen lenken, also jeden Monat eine bestimmte Summe anlegen.

Mit dem Vertrauen in die Finanzmärkte ist es bei Andrea Nickel nicht allzu weit her. Sie weiß aber, dass Aktien, Anleihen und Fonds höhere Renditen versprechen als ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto. Für Notfälle, wenn etwa eine Reparatur am Auto fällig wird oder die Waschmaschine den Geist aufgibt, will sie 3.000 bis 5.000 Euro sicher und schnell verfügbar auf einem Tagesgeldkonto liegen haben. „Diese Bargeldreserve ging im Gespräch vollkommen unter“, schreibt Andrea Nickel in ihrem Protokoll zum Beratungsgespräch. Und auch mit den beiden Rentenversicherungen war sie nicht ganz zufrieden. Vor allem deshalb, weil die beiden Produkte die einzigen waren, die ihr im Beratungsgespräch angeboten wurden. Direkt in einen Fonds anzulegen stand gar nicht erst zur Diskussion.

Was der Bankmitarbeiter, der sie beraten hat, nicht wusste: Mit derselben Geschichte wie Andrea Nickel zogen bundesweit sieben weitere Berufseinsteiger und junge Angestellte los. €uro am Sonntag wollte stichprobenartig herausfinden, wie gut Deutschlands Banken in Sachen Altersvorsorge und Vermögensaufbau beraten.

Um sich nicht nur auf Berufseinsteiger zu fokussieren, haben die Marktforscher von Vierpartner, mit denen die Redaktion die Tests entwickelt hat, auch acht junge Familien ins Feld geschickt. Die zwischen 30 und 35 Jahre alten Mütter und Väter hatten die gleiche Risikobereitschaft wie Andrea Nickel.

Insgesamt kamen zehn Banken auf den Prüfstand, darunter die großen Privatbanken und ausgewählte Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Kern der Untersuchung waren die Beratungsgespräche. Getestet wurde dabei die Qualität der Beratung: Analysiert der Bankmitarbeiter die Situation des Kunden? Geht er auf spezifische Wünsche ein? Und als Zusatz: Wie ist die Gesprächsatmosphäre? Dazu kamen im zweiten Schritt die Empfehlungen des Beraters. Bei der Bewertung wurde die Redaktion von Verbraucherschützern unterstützt.

Beim Auswerten der Beratungsgespräche wurde schnell klar, dass die Banken bei der Frage nach Vorsorge und Vermögensaufbau sofort beim Thema Riester sind. Immerhin bekommen Riester-Sparer, sofern sie vier Prozent ihres Jahresnettos, höchstens aber 2.100 Euro, auf die hohe Kante legen, 154 Euro Zuschuss. Für Kinder, die vor 2008 geboren sind, gibt es 185 Euro, für solche, die nach 2008 geboren wurden, 300 Euro Förderung. Eine vierköpfige Familie, die 2.100 Euro pro Jahr „verriestert“, muss unter Umständen nur 1.192 Euro aus eigener Tasche zahlen. Der restliche Betrag kommt vom Staat. Diese Fördertöpfe wollten die Banken unseren Testkunden auch nicht vorenthalten. Doch längst nicht alle zeigten das ganze Universum der geförderten Altersvorsorge auf.

Neben Riester-Rentenpolicen, ob in klassischer oder fondsgebundener Form, spielten allenfalls RiesterFondssparpläne und geförderte Bausparverträge eine Rolle. „Die empfohlenen Produkte sind leider die teureren ihrer Art“, sagt Georg Plötz von der Verbraucherzentrale Bayern. Kunden, die die Riester-Förderung nicht verschenken wollen, empfiehlt er einen geförderten Banksparplan. „Der kostet weniger als die anderen Produkte.“
Gesamtergebnis des Beratungstests (pdf)

Mit angezogener Handbremse
Plötz’ zweite Wahl wären RiesterFondssparpläne. Doch diese haben den Nachteil, dass sie das Kapital am Ende der Laufzeit in jedem Fall garantieren müssen. Durch diese Verpflichtung entfällt die Chance auf überdurchschnittliche Renditen. „Sie investieren sozusagen mit angezogener Handbremse“, sagt der Verbraucherschützer. Abseits von Riester empfiehlt Plötz einen kostengünstigen Indexsparplan. „Damit können vor allem junge Menschen über die Jahre ein ansehnliches Kapital aufbauen.“ Leider sind solche Produkte unseren Testkunden gar nicht angeboten worden.

Die Berater der Hamburger Sparkasse (Haspa), die bei den Produktempfehlungen die meisten Punkte sammelten, hatten zumindest Dachfonds im Angebot. Diese können je nach Marktsituation umschichten und sind nicht gezwungen, das Vermögen zu garantieren. Dennoch sind auch Dachfonds nicht billig. Sie schlagen in der Regel mit Verwaltungskosten von gut 1,5 Prozent der Anlagesumme zu Buche.

Bei einigen Banken, so etwa der Commerzbank, kamen Produkte ins Gespräch, bei denen der Kunde Jahr für Jahr wählen kann, ob sein Geld in den Aktienmarkt fließt oder in festverzinsliche Wertpapiere angelegt wird. „Solche Produkte lohnen sich allenfalls für Sparer, die sich mit den Märkten beschäftigen“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Auch die Wechselmodelle haben einen entscheidenden Nachteil: den Cap. Ganz gleich, wie hoch der zugrunde liegende Börsenindex steigt, der Kunde profitiert nur bis zu einem bestimmten Punkt von der Wertentwicklung. Auffällig war auch, dass nur drei der zehn Banken im Test auf die 3.000 bis 5.000 Euro hohe Notfallreserve eingingen.

Unterm Strich siegte die Deutsche Bank. Bei Deutschlands größtem Finanzinstitut werden die Berater offenbar geschult, ihre Kunden zu allen Facetten der Vorsorge zu beraten. Einzig bei der Produktauswahl für Berufseinsteiger — hier gab es lediglich Versicherungsprodukte des Vertriebspartners Zurich — sollten die Frankfurter nachbessern.

Die unterschiedlichen Ergebnisse bei den Produktangeboten für Berufseinsteiger und junge Familien nennt Jörn Hüsgen, Leiter der Studie bei Vierpartner, auffällig. Sein Rückschluss: Die Banken sehen in Familien die attraktiveren Kunden, denen sie vielleicht auch eine Baufinanzierung und Produkte für die Kinder verkaufen können.
Beratung: Berufseinsteiger, junge Familien und insgesamt (pdf)

Beratung bald nur für Betuchte?
Warum beraten die Banken so mutlos? Für Oliver Mihm, Vorstandschef der auf den Finanzmarkt spezialisierten Managementberatung Investors Marketing, liegt das Problem insbesondere in der Regulierung. „Im breiten Privatkundengeschäft sind die Haftungsrisiken sehr hoch, daher beraten die meisten Banken nur noch zu einigen wenigen Produkten“, sagt Mihm. Wer mehr will, werde an spezialisierte Investmentcenter verwiesen. „Die strikten Vorschriften und der Imageverlust durch die Finanzkrise habe in vielen Banken dafür gesorgt, dass man Haftungsrisiken soweit irgend möglich ausschließen will“, so Mihm.
Regulatorische Entwicklungen wie diese führen dazu, dass zunehmend nur noch Bankkunden mit einem Vermögen im sechsstelligen Eurobereich eine umfassende Produktpalette angeboten bekommen.

Für Kunden heißt das ganz platt, entweder sie entscheiden sich für das Angebot, das die Bank vorhält, oder sie nehmen ihre Vorsorge und den Vermögensaufbau selbst in die Hand. Dabei gibt es durchaus auch Banken wie die Deutsche Bank oder, was den Produktbereich betrifft, die Haspa, deren Mitarbeiter engagiert beraten. Unser Test zeigt auch: Viele Banken bieten mehr, wenn man nur danach fragt. Wer trotz Nachfrage auf Granit beißt und nicht einmal einen Folgetermin in einem Beratungscenter angeboten bekommt, sollte die Bank wechseln.

So wurde getestet
Gemeinsam mit der Marktforschungsagentur Vierpartner hat €uro am Sonntag zwei Testkundentypen entwickelt. Dies sollten junge Menschen sein, die noch viel für Vorsorge und Vermögensaufbau tun können.

Typ 1: Berufseinsteiger, Mitte 20, mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.500 Euro. Er will fürs Alter vorsorgen und langfristig Vermögen aufbauen. Ein Teil des Geldes (3.000 bis 5000 Euro) soll für Notfälle stets schnell verfügbar sein. Die Person hat im Hinblick auf die Eurokrise kein sonderliches Vertrauen in die Finanzmärkte und erwartet vom Berater Anlagevorschläge mit Rechenbeispielen.
Typ 2: Junge Familie, die Eltern sind Mitte 30 und verdienen gemeinsam als Angestellte 2.500 Euro netto im Monat. Sie haben die gleichen Wünsche wie Typ 1. Zudem können sie sich ein Eigenheim vorstellen.
Neben den rund 60 Testberatungen wurden die Internetauftritte hinsichtlich der Angebote zu Vermögensaufbau und Vorsorge untersucht. In der Kategorie Kundenservice haben sich Testkunden per E-Mail und telefonisch bei den Banken beraten lassen.
Einzelergebnisse Produkte, Kunden- und Internet-Service (pdf)

Bildquellen: istock/Thomas Lehmann, iStock
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