23.06.2012 03:00
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Sicheres Depot im Urlaub - Wie es geht

Während der Urlaubszeit sollte das Depot gegen Kursverluste geschützt werden
Geldanlegen
Mit welchen Orders und Strategien Anleger ihr Depot absichern können, um einen entspannten Urlaub ohne Verluste zu genießen.
€uro am Sonntag

von Markus Hinterberger, Euro am Sonntag

Ben Jacobsen ist ein echter Spielverderber, wenn es ums Verreisen geht. Der neuseeländische Finanzprofessor hat anhand von langen Zeitreihen herausgefunden, dass 36 der 37 von ihm ausgewerteten Aktienindizes in den Sommermonaten nicht nur kaum steigen, sondern sogar eher fallen.

Der DAX gehört auch dazu. Die pragmatischste Antwort auf dieses Ergebnis: „Alles verkaufen und sorgenfrei in den Urlaub fahren“, sagt Vera Moll von der Münchner Vermögensverwaltung Novethos. Doch sie weiß auch, dass wohl kaum ein Anleger wegen ein paar Wochen Urlaub komplett in Cash gehen wird. Zwar kann er so mögliche Kursverluste vermeiden, es können ihm aber auch mögliche Gewinne durch die Lappen gehen. Glücklicherweise gibt es ein paar Order- und Anlagetricks, die einen entspannten Urlaub garantieren.

Wer Sorgen hat, dass er nach seinem Urlaub ein fast wertlos gewordenes Depot vorfinden wird, sollte zu Stop-Loss-Orders greifen. Fällt der Kurs des Wertpapiers auf oder unter den sogenannten Stoppwert, stellt das System sofort eine unlimitierte Verkaufsorder. Sie wird zum nächsten möglichen Zeitpunkt ausgeführt. „Das heißt nicht, dass die Aktie dann automatisch genau zum Stoppwert verkauft wird“, sagt Stefan Wolf, Produktmanager Trading bei der der Comdirect Bank.

Ein Beispiel: Eine Aktie notiert bei einem Kurs von 50 Euro. Ihr Besitzer setzt einen Stoppkurs bei 40 Euro. Die Aktie fällt und reißt die 40-Euro-Schwelle. Nun wird das Papier zum nächsten an der jeweiligen Börse ausführbaren Kurs verkauft. Fällt der Kurs rapide, kann es allerdings passieren, dass sogenannte Kurslücken entstehen und die Aktie erst bei beispielsweise 35 Euro verkauft wird. Eine limitierte Stop-Loss-Order funktioniert wie eine herkömmliche Stop-Loss-Order, allerdings mit einem zusätzlich festgelegten Verkaufslimit. In unserem Beispiel mit der Aktie bei 50 Euro und dem Stoppkurs bei 40 Euro würde ein Limit etwa bei 39 Euro liegen. Durchbricht der Kurs die Stoppmarke und wird der nächste Kurs zwischen 39 und 40 Euro gestellt, wird das Papier verkauft. „Bei niedrigeren Kursen bleibt das Papier im Besitz des Anlegers und die Aktie kann theoretisch bis auf null fallen“, so Wolf.

Limits setzen wird schwieriger
Wo ein Limit gesetzt werden sollte, hängt natürlich in erster Linie von der persönlichen Risikobereitschaft ab. „Die Tatsache, dass heute sogar bei Bluechips im DAX die Kurse innerhalb weniger Tage Kapriolen schlagen können wie früher nur bei kleinen Werten, macht die Wahl der ,richtigen‘ Stoppmarken zu einem Blindekuh-Spiel“, sagt Vermögensverwalterin Moll. Wer sein Limit zu nahe am aktuellen Kurs platziert, riskiert, dass das Papier beim ersten Ausschlag nach unten sofort verkauft wird.

„Es kann auch sinnvoll sein, ein Limit nicht bei glatten Marken einzustellen, sondern bei einer Stop-Loss-Order leicht darüber. Denn glatte Preise sind beliebt und können bei Erreichen eine Verkaufswelle auslösen, die zu kurzzeitigen Kurseinbrüchen führen kann“, sagt Comdirect-Experte Wolf. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass der Verkaufsauftrag deutlich unter dem Limit ausgeführt wird. Bei unserem Beispiel der Aktie mit einem Kurs von 50 Euro und einem möglichen Stoppwert bei 40 Euro sollte die Grenze besser bei etwa 40,20 oder 40,30 Euro gewählt werden.

Doch es gibt nicht nur Orders für fallende Märkte: Eine Trailing-Stop-Order zieht den Stopp-Kurs bei Kursgewinnen mit nach oben. Der Abstand zwischen dem aktuellen Kurs des Wertpapiers und dem Stoppkurs bleibt immer gleich. In unserem Beispiel würde das bedeuten, dass der Stoppkurs, wenn die Aktie von 50 auf 60 Euro gestiegen ist, automatisch auf 50 Euro nachzieht.

Wer auch im Urlaub Gewinne mitnehmen will, kann dies mit einer One-cancels-other-Order (OCO) tun. Zu deutsch: eine Order löscht die andere. „Diese Doppelorder bietet neben der Absicherung einer Stop-Loss-Order auch ein Verkaufslimit nach oben“, sagt Wolf. Ein Beispiel: Ein Anleger besitzt eine Aktie zum Kurs von 50 Euro. Wenn ihr Kurs steigt, will er bei 70 Euro den Gewinn mitnehmen, fällt die Aktie, will er bei 40 Euro verkaufen. Also setzt er eine Stop-Loss-Order bei 40 Euro und gleichzeitig ein Verkaufslimit bei 70 Euro.

Mit einer limitierten Kauforder sind Anleger trotz Urlaub auch dabei, wenn Börsen runtergehen und sich geeignete Kaufzeitpunkte bieten. In diesem Fall gibt der Anleger eine Kauforder mit einem Limit ein, das unterhalb des aktuellen Kurses des Wertpapiers liegt.

Wie eine Versicherung
Abseits der Orderformen können Anleger ihr Depot auch mit Optionsscheinen vor Kursverlusten schützen: Ein Put bietet gegen eine Prämie das Recht, ein Wertpapier innerhalb einer bestimmten Frist zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Vielen wird dieses Prinzip aus der Welt der Versicherungen bekannt vorkommen. Leider haben Puts auch eine andere Eigenschaft von Versicherungen mitgenommen: Je höher das Risiko des Verkäufers der Put-Option, desto höher die Prämie. Wie teuer ein solcher Put ist, orientiert sich an der Schwankungsanfälligkeit des Wertes, auf dessen Entwicklung der Put spekuliert. Je höher die Volatilität und desto kürzer die Laufzeit, desto teurer ist der Put.

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