18.08.2013 03:00
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Die günstigsten Onlinebroker: Die Alleskönner

Die günstigsten Onlinebroker
Große Serie - Teil 1
Ganz gleich bei welchem Anbieter, Orders sind so günstig wie nie. Trotzdem lohnt es sich, auf den Preis zu schauen. Teil 1 des großen Kostenchecks
€uro am Sonntag

von Stephan Haberer, Euro am Sonntag

Die Heinzelmännchen zu Köln und die Börse haben mehr miteinander gemein, als man denkt: Während die Kölner andere für sich schuften ließen, arbeitet an der Börse das Geld für die Anleger. Verändert man den Anfang des Gedichts ein wenig, wird’s richtig aktuell: „Wie war an Börsen es vordem mit hohen Zinsen so bequem ... Und eh der Anleger noch erwacht, war seine Performance schon gemacht.“

Heute ist die risikolose Rendite längst dem renditelosen Risiko gewichen. Für Anleger heißt das, sie müssen mehr ins Risiko gehen, wollen sie annehmbare Renditen. Folge: Nie waren niedrige Gebühren so wichtig wie heute. Denn je weniger Depot und Wertpapierhandel kosten, desto weniger riskant muss man investieren, um eine ansehnliche Performance nach Kosten zu erzielen.

Daher hat „€uro am Sonntag“ die Gebühren von 19 in Deutschland aktiven Onlinebanken und -brokern auf Euro und Cent verglichen. Um herauszufinden, welche Anbieter wirklich günstig sind, wurden fünf Musterkunden mit ganz unterschiedlichem Tradingverhalten entwickelt. Das geht vom aktiven Trader, der zehnmal im Monat handelt, über den Direkthändler, der alle Trades außerbörslich abwickelt, bis hin zum vermögenden Investor mit Buy-and-hold-Strategie, der gerade mal acht Trades im Jahr macht (zu den Details siehe Kasten „Fünf Musterkunden ­— so agieren sie“).

Übrigens: Es wurde nicht untersucht, wer das umfangreichste Angebot hat. Im Mittelpunkt stand einzig und allein der Preis. Allerdings wurden die Anbieter nur bei den Musterkunden bewertet, deren Wünsche sie auch komplett erfüllen konnten. Um in die Gesamtwertung zu gelangen, durfte man nur bei einem Musterkunden patzen. Jedem Broker wurde das jeweils schlechteste Teilergebnis gestrichen.

Zudem wurden die Anbieter in zwei Gruppen eingeteilt: Große, die als Allrounder ein möglichst breites Angebot haben, und kleinere Anbieter, die sich auf bestimmte Börsensegmente spezialisiert haben. Hintergrund: je größer das Angebot, desto höher die Kosten. Doch nicht jeder der größeren Anbieter erfüllt alle Wünsche der Musterkunden: So bietet die DKB weder Optionsscheinhandel noch Sparpläne auf ETF/ETC oder auf Zertifikate an.

Auch die Targobank patzt: So bietet sie beim Onlinebrokerage weder US-Handel noch Sparpläne auf ETF/ETC und Zertifikate oder den Fondshandel via Börse an. Und die Postbank bietet keinen außerbörslichen Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen an. Aber: Sowohl Postbank als auch Targobank schaffen es bei jeweils einem Musterkunden auf Rang 3.

Insgesamt kamen sieben der zehn Anbieter mindestens einmal aufs Treppchen. Und vier schafften es mindestens einmal auf Platz 1. Das heißt: Jeder Anleger sollte sein Tradingverhalten genau analysieren und dann schauen, welcher Anbieter für ihn am günstigsten ist. Das fängt schon bei den Depotgebühren an. War es früher üblich, dass für Depotführung Gebühren anfielen, ist dies inzwischen bei sechs der zehn in dieser Ausgabe getesteten Anbietern komplett kostenlos. Bei der Postbank müssen „Sparplaner“ und „Direkthändler“ 18,84 Euro im Jahr zahlen, da ihr Depot nicht mindestens 50 000 Euro schwer ist.

Auch Guthabenzinsen senken die Kostenbelastung. Daher wurde bei den Musterkunden unterstellt, dass sie — zusätzlich zu den Papieren im Depot — Cash in Höhe von zehn Prozent des jeweiligen Depotwerts auf einem Verrechnungs- oder Tagesgeldkonto vorhalten. Die hier erzielten Zinsen wurden mit den Gebühren verrechnet. Allerdings bieten von den zehn Onlinebrokern nur vier ihren Bestandskunden direkt auf dem Verrechnungskonto Guthabenzinsen. Es gibt jedoch bei allen ein verzinstes Angebot für täglich verfügbares Geld.

Wer — wie etwa unser vermögender Investor — viel Cash hält und kaum handelt, der bekommt unterm Strich trotz der Niedrigzinsen bei einem Anbieter — der DKB — sogar noch etwas Geld zurück. Das geht aber nur, weil inzwischen die Ordergebühren so günstig sind, wie sich das noch vor 20 Jahren keiner vorstellen konnte.

So kostet die Xetra-Order eines DAX-Werts mit einem Volumen von 1000 Euro gerade mal zwischen 9,19 Euro bei der Postbank und 11,65 Euro bei der ING-DiBa. Und das inklusive aller Fremdkosten, die zusätzlich in Rechnung gestellt werden.

Noch günstiger wird das Traden beim Direkthandel. Außerbörslich kostet eine 2500-Euro-Order von DAX-Werten nur zwischen 6,25 Euro bei der DAB Bank und 11,20 Euro bei Cortal Consors, Sparkassen Broker und 1822direkt.

Für unseren aktiven Trader war das Angebot von S  Broker mit 357,93 Euro Gebühren je Quartal am günstigsten, gefolgt von ING-DiBa mit 361,22 Euro im Quartal und DAB Bank mit 379,29 Euro. Beim normalen Trader kam die DKB mit einer Gebührenbelastung von 54,21 Euro je Quartal auf Platz 1. Auf den Plätzen: Die DAB Bank mit 65,67 Euro sowie die ING-DiBa. Für den Sparplaner ist die ING-DiBa mit 21,05 Euro je Quartal am günstigsten, danach kommen DAB Bank mit 21,90 Euro und Cortal Consors mit 23,30 Euro.

Beim Direkthandel ist die DAB Bank am günstigsten (120,50 Euro/Quartal), Platz  2 ging an Maxblue (141,70 Euro/Quartal) vor der Targobank (156,70 Euro/Quartal). Der vermögende Investor ist am besten bei der DKB aufgehoben. Hier bekäme er im Jahr wegen der Guthabenverzinsung sogar 3,68 Euro zurück. Bei der ING-DiBa müsste er jährlich 114,08 Euro zahlen und beim Drittplatzierten, der Postbank, 142,82 Euro.

In der Gesamtwertung, die sich aus der Addition der vier besten Platzierungen ergibt, belegen DAB Bank und ING-DiBa den ersten Platz. Auf Platz 3 folgt im Gesamt­ranking der Sparkassen Broker. Diese günstigen Angebote könnten selbst Heinzelmännchen kaum noch toppen. Nächste Woche lesen Sie die Ergebnisse der neun kleinen Onlinebroker.

Im Überblick: Die günstigsten Onlinebroker (Teil 1: Große Anbieter als PDF)

Bildquellen: ollyy / Shutterstock.com
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