24.08.2013 03:00
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Onlinebroker: Sparen mit Spezialisten

Onlinebroker: Sparen mit Spezialisten
Große Serie - Teil 2
Anspruchsvolle Kunden finden in der Nische oft bessere Angebote als bei großen Anbietern. In Teil 2 des Tests dreht sich alles um die Kosten bei neun kleinen Brokern.
€uro am Sonntag

von Stephan Haberer, Euro am Sonntag

Johnny Hallyday, Mario Adorf und Sylvester Stallone — sie alle haben schon den Spezialisten gemimt. Mindestens sechs Filme führen dieses Wort im Titel. Die Spezialisten im Kino sind meist Experten für Mord und Totschlag. Laut Duden bezeichnet das Wort hingegen jemanden, „der auf einem bestimmten Fachgebiet über besondere Kenntnisse, Fähigkeiten verfügt“. So gesehen sind einige Online­broker wahre Spezialisten.

Haben sie sich doch, wie Sino oder Vitrade, auf Privatanleger spezialisiert, die extrem häufig handeln. Oder wie Lynx auf den weltweiten Handel von Aktien oder auf den Xetra-Handel oder, oder, oder. Um diese Spezialisten dreht sich der zweite Teil des Checks, was Onlinebro­kerage tatsächlich kostet. Wofür ­eigens fünf verschiedene Musterkunden mit exakt definiertem Tradingverhalten entwickelt wurden.

Und dabei zeigt sich: Spezialisierung hat zwei Seiten. Die gute: Auf ihrem jeweiligen Gebiet sind die spezialisierten Onlinebroker oft konkurrenzlos günstig. Die weniger gute Seite: Abseits ihres Spezialgebietes bieten die Spezialisten unter den Onlinebrokern entweder gar keine oder nur eingeschränkte Leistungen an.

So gab es unter den zehn großen Onlinebanken und -brokern insgesamt gerade mal zehn Aussetzer (vgl.„€uro am Sonntag“, Ausgabe 32/2013), sprich, ein Musterkunde konnte nicht so traden, wie er eigentlich wollte. Die neun kleineren Spezialisten hingegen haben insgesamt 36-mal gepatzt. Besonders häufig bei Wert­papiersparplänen und beim außerbörslichen Handel. Aber auch beim Handel direkt in den USA, beim Handel von Anleihen und beim Fondshandel via Börse.

150 Euro sparen
Andererseits gibt es für jeden Musterkunden mindestens einen Spe­zialisten, der günstiger ist als der preiswerteste der großen Allrounder. Beim „aktiven Kunden“ können gleich vier Spezialisten die Bestmarke der Allrounder in Sachen Gebührenbelastung von 357,93 Euro im Vierteljahr unterbieten: So werden bei der Onvista Bank im Gebührenmodell „Freebuy Cash“ nur 206,95 Euro je Quartal fällig, bei Flatex 245,16 Euro, bei Sino 332,64 Euro und bei Vitrade 333,18 Euro.

Ein Hinweis zu Sino und Vitrade: Diese Anbieter haben sich auf absolute Heavy-Trader spezialisiert, die ständig an der Börse handeln. Doch während bei Vitrade auch weniger aktive Anleger die Möglichkeit haben, ohne Zusatzkosten zu handeln, wird bei Sino für die Nutzung des Einstiegspakets Sino X-Go! eine Gebühr von 25 Euro im Monat fällig, wenn nicht mindestens zehn Trades pro Monat getätigt werden. Und das treibt die Kostenbelastung für vier unserer fünf Musterkunden, deren Tradingverhalten sich eher am durchschnittlichen Privatanleger orientiert, kräftig in die Höhe.

Doch zurück: Beim „normalen Trader“, unserem zweiten Musterkunden, wird die Bestmarke der großen Anbieter (54,21 Euro/Quartal) sowohl von der Onvista Bank mit 51,02 Euro als auch von Flatex mit 51,06 Euro unterboten. Beim Musterkunden, der auf Sparpläne setzt, kann hingegen nur Onvista den großen Allroundern Paroli bieten. Der Grund: Sparpläne sind bei Onvista generell kostenlos, und bei Fondssparplänen fällt kein Agio an. Daher muss der Sparplaner bei Onvista gerade mal 10,94 Euro im Quartal zahlen. Bei den Allroundern werden mindestens 21,05 Euro fällig.

Die anderen Spezialisten hingegen können hier mit den großen Allroundern nicht mithalten, da die Großen mit den Fondsgesellschaften oft höhere Ermäßigungen aushandeln können. Da der Sparplaner bei Fondssparplänen den jeweils maximal möglichen Rabatt nutzt (siehe Tabelle ganz unten), haben die Spezialisten hier das Nachsehen.

Sparpläne sind Mangelware
So zahlen Sparplaner bei Brokerjet.at mit 52,75 Euro im Quartal und bei der Volkswagenbank mit 54,61 Euro mehr als bei den Allroundern. Hinzu kommt, dass mit Lynx, NIBC Direct und Sino gleich drei Anbieter überhaupt keine Fondssparpläne offerieren. Und bei ETF-, ETC- sowie Zertifikatesparplänen passen neben den drei genannten zudem auch noch Flatex, Netbank und Vitrade.

Auch beim außerbörslichen Handel gibt es mehrere Ausfälle: Während man bei NIBC Direct wenigstens Aktien außerbörslich handeln kann, ist das bei Lynx und Netbank nicht möglich — weder mit Aktien noch mit Zertifikaten und Optionsscheinen.

Übrigens: Lynx ist der einzige Anbieter, der bei jedem Musterkunden patzt. Was jedoch daran liegt, dass sich Lynx sehr stark auf den Handel mit Aktien spezialisiert hat — und dort dann auch extrem günstig ist. Zum Beispiel kostet eine Order von 100 US-Aktien im Wert vom 5.000 US-Dollar direkt in den USA bei Lynx einschließlich aller Fremdkosten gerade mal fünf US-Dollar. Macht bei einem Kurs von 1,30 umgerechnet 3,85 Euro. Da kommt kein anderer Anbieter mit. Selbst beim zweitgünstigsten im US-Handel, der Onvista Bank, kostet die gleiche Order bereits 14,39 Euro. Diese extrem günstigen Preise beim weltweiten Aktienhandel werden aber damit erkauft, dass bei Lynx weder Anleihe- noch Fondshandel via Börse noch Wertpapiersparpläne oder außerbörslicher Handel möglich sind.

Apropos Preis: Bei der Ermittlung der Kostenbelastung der fünf Musterkunden wurden sowohl die Gebühren der Onlinebanken und -broker als auch fremde Gebühren, die an die Kunden weitergegeben werden, in Rechnung gestellt. Bis auf die Netbank haben erstmals alle teilnehmenden Broker die durchschnittlichen Fremdkosten für die jeweilige Order mitgeteilt. Was dazu führt, dass die Netbank in ­Sachen Kostenbelastung jetzt womöglich schlechter dasteht, als sie ist. Denn An­bietern, die keine Fremdkosten mitteilten, wurden bei jeder Order die jeweils höchsten Fremdkosten der Konkurrenz unterstellt. Nur so kann sich kein Anbieter durch Verweigerung schönrechnen.

1,5 Prozent aufs Tagesgeld
Zudem wurden erzielte Zinserträge auf Verrechnungs- oder Tagesgeldkonto mit den Gebühren verrechnet. Sechs der kleineren Anbieter bieten Bestandskunden jedoch überhaupt keine Guthabenverzinsung. Lediglich bei der Netbank (0,4 Prozent), der VW Bank (0,7 Prozent) und der NIBC Direct werden Guthabenzinsen gezahlt. Wobei Letztere mit 1,5 Prozent so viel Zinsen bietet wie kein anderer der ­ insgesamt 19 getesteten Onlinebroker.

Letztlich ergibt sich bei den Spezialisten folgendes Endklassement: Auf Platz 1 der Gesamtwertung kommt die Onvista Bank mit vier ersten Plätzen. Auf Platz 2: der Onlinebroker Flatex mit vier zweiten Plätzen. Bronze geht mit drei dritten Plätzen und einem vierten Platz an Vitrade (siehe auch nachfolgend aufgeführte Tabelle).

Die günstigsten Online-Broker Teil 2 (pdf)

Fünf MusterKunden —
So agieren sie an der Börse

Generelle Vorgaben: Anhand von fünf Modellkunden wird untersucht, wie hoch die Kosten für Privatkunden beim Onlinebrokerage sind. Dabei werden sowohl die Kosten berücksichtigt, die das Institut erhebt, als auch anfallende fremde Gebühren (etwa Maklercourtage, Börsen- und Clearinggebühren), die zusätzlich anfallen. Teilen Anbieter Fremdgebühren nicht mit, wird jeweils die höchste von anderen Anbietern mitgeteilte Gebühr unterstellt. In der Zeile „Gesamt­gebühren je Quartal“ beziehungsweise „... je Jahr“ ­werden alle Einzelposten der Musterkunden für den entsprechenden Zeitraum aufsummiert. Nutzbare Vergünstigungen aufgrund von Tradingverhalten, Cash­bestand, Order- oder Depotvolumen etc. sind berücksichtigt. Ebenso die beim jeweils unterstellten Gut­haben auf dem Verrechnungskonto oder angeschlossenen Tagesgeldkonto erzielbare reguläre Zinsgutschrift.
Neukundenrabatte und zeitlich befristete ­Rabattaktionen und Sonderzinsen etwa für „frisches Geld“, Neukunden oder aus besonderem Anlass bleiben unberücksichtigt. Bei allen Modellkunden wird unterstellt, dass sie keine Namensaktien handeln und ihre Aktivitäten je zur Hälfte Käufe und Verkäufe sind.

Der aktive Trader handelt je Quartal 30-mal. Sein ­Depotvolumen beträgt im Schnitt 50.000 €, weitere 5.000 € Cash auf Verrechnungs-/Tagesgeldkonto. Zehnmal im Quartal handelt er DAX-Aktien (je ­ 1.000 €), sechsmal DAX-Aktien (Volumen je 2.500 €), zweimal DAX-Aktien (je 5.000 €). Viermal handelt er Optionsscheine (je 1.000 €), viermal Zertifikate (je 1.500 €). Zweimal handelt er Anleihen (je 4.000 €) und zweimal US-Aktien (100 Stück) im Wert von je 5.000 $ direkt in den USA. Zudem setzt er zur Absicherung je Quartal fünf neue Limits, fünf Limits passt er an — davon zwei in den USA — , fünf werden ausgeführt, fünf weitere laufen aus.

Der normale Trader: Sein Depotvolumen beträgt im Schnitt 50.000 € zuzüglich 5.000 € Cash auf Verrechnungs-/Tagesgeldkonto. Er hat neun Handelsaktivitäten je Quartal. Darunter: drei Ausführungen eines Fondssparplans (internationaler Aktienfonds mit regulär fünf Prozent Agio) über je 100 € (dabei wird der vom Anbieter generell gewährte Mindestrabatt aufs Agio unterstellt), dreimal handelt er DAX-Aktien im Wert von je 1.500 € auf Xetra. Zweimal handelt er einen deutschen Nebenwert im Volumen von je 2000 €. Zudem handelt er einmal im Quartal Fondsanteile im Wert von 2.500 € via Börse. Daneben setzt er je Quartal zwei neue Limits, eines passt er an, zwei werden ausgeführt, zwei löscht er aktiv, eines läuft aus.

Der Sparplaner setzt auf automatisierte Sparpläne. Sein durchschnittliches Depotvolumen: 30.000 € und 3.000 € Cash auf Verrechnungs-/Tagesgeldkonto. Er hat einen Fondssparplan (Aktienfonds mit regulär fünf Prozent Agio) über 100 € monatlich eingerichtet (dabei nutzt er den Maximalrabatt aufs reguläre Agio). Einen ETF/ETC (oder ein Zertifikat) bespart er monatlich mit 100 €, hier nutzt er den maximal möglichen Rabatt seines Anbieters. Einen weiteren Sparplan auf ETF/ETC (oder ein Zertifikat) bespart er monatlich ebenfalls mit 100 €, hier jedoch zu den regulären Konditionen (teuerste Variante). Zudem handelt er zweimal im Quartal mit Aktien (je 1.500 €) via Xetra. Daneben setzt der Sparplaner je Quartal ein neues Limit, eines passt er an, ein weiteres läuft aus.

Der Direkthändler handelt ausschließlich außerbörslich oder via Tradegate Exchange. Durchschnittliches Depotvolumen: 40.000 € zuzüglich 4.000 € Cash auf Verrechnungs-/Tagesgeldkonto. Sechsmal im Quartal handelt er DAX-Aktien im Wert von je 1.000 €, viermal im Wert von je 2.500 €. Viermal handelt er Nebenwerte aus dem MDAX mit einem Ordervolumen von jeweils 2.000 €. Zweimal im Quartal handelt er Zertifikate im Wert von je 1.500 €. Zweimal im Quartal handelt er Optionsscheine im Wert von je 1.000 €. Auf das Setzen von Limits verzichtet er.

Der Investor: Depotvolumen: 250.000 € und 25.000 € Cash auf dem Verrechnungs-/Tagesgeldkonto. Er handelt achtmal im Jahr (!). Ordervolumen: jeweils 15.000 €. Je zweimal handelt er DAX-Werte auf Xetra, Nebenwerte, Zertifikate und Fonds via Börse. Zudem setzt er ein Limit neu, zwei ändert er, eines wird ausgeführt, eines löscht er selbst, eines läuft aus.

Anmerkungen: Sortierung alphabetisch; Angaben ohne Gewähr; k. A. = kein Angebot; n. m. = Berechnung nicht möglich; k. W. = keine Wertung; US-Dollar-Kurs: 1 € = 1,30 US-$, Rundungsfehler möglich; 1 bei ausgewählten Emittenten günstiger; 2 Gebühr entfällt für Modellkunden; 3 kein US-Handel; 4 zugrunde liegendes Gebührenmodell „Free Trade Cash“; 5 Sparpläne grundsätzlich kostenlos; 6 Depotgebühr + monatl. Versandkosten + 0,05 € je Buchungsposten; 7 siehe Anm. 6, zzgl. Gebühr für Sino X-Go! (75 €/Quartal); 8 Nutzung Web­trader unterstellt; Quellen: Schriftliche Umfrage bei Anbietern, Preisverzeichnisse;
Berechnung: €uro am Sonntag; Stand: 9.8.2013

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