16.06.2013 03:00
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Familienunternehmen: Das Geheimnis der eigenen DNA

In Familienhand
Familiengeführte mittelständische Unternehmen sind oft überdurchschnittlich erfolgreich. Was macht sie zu Innovationstreibern der Wirtschaft? Die große Studie.
€uro am Sonntag

von Arnold Weissman, Gastautor von Euro am Sonntag

Das Durchschnittsalter der 101 teilnehmenden Unternehmen beträgt 76 Jahre, wobei das älteste Unternehmen auf das Jahr 1650 zurückgeht. Besonders im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel ­sehen drei Viertel der Befragten die Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter als Bereicherung an. Ohne diese hätten die meisten Unternehmen ein ernsthaftes Arbeitskräfteproblem, nicht nur im Produktionsbereich, sondern auch bis in die Führungsebenen.

Als immer noch relativ gering erwies sich dagegen der Beschäftigungsanteil von Frauen. Nur 58 Prozent haben eine Frauenquote von über 20 Prozent, aber: immerhin 14 Prozent der Unternehmen beschäftigen mehr Frauen als Männer in der obersten Führungsebene. Beim Wettbewerb um die Gunst der klügsten Köpfe setzen Mittelständler vor allem auf variable Lohn- und Gehaltsmodelle mit Erfolgsbeteiligungen, Bonus- und Prämiensystemen. Passend dazu stehen Aus- und Weiterbildungsangebote, teilweise in eigenen Akademien und internen Beratungsfirmen, ganz oben auf der Prioritätenliste.

„Nachhaltigkeit“ hat in Familienunternehmen eine klare inhaltliche Bedeutung. 91 Prozent nennen langfristig angelegte Strategien, vorausschauende Produktentwicklungen und nachhaltig solides Wirtschaften als Voraussetzung für langfristigen Erfolg. Zu den Stärken familiengeführter Unternehmen zählen die kurzen, schnellen Entscheidungswege. So reagieren sie meist mit einer gesunden Mischung aus Kompetenz, Erfahrung und Intuition rasch und flexibel auf sich abzeichnende Veränderungen im Markt.

Vor allem in der Schweiz ansässige Unternehmen haben erkannt, dass der direkte Kontakt zu Endverbrauchern über die Social-Media-Kanäle weiter rasant an Bedeutung gewinnt. So kommunizieren bereits heute 85  Prozent über Facebook, Twitter & Co mit ihren Kunden. Auch für die Erschließung neuer Vertriebskanäle, die Mitarbeitersuche, die Marken- und Imagepflege spielen diese Plattformen eine zunehmend wichtige Rolle — auch für deutsche, österreichische und südtirolerische Unternehmen.

Asien als Absatzmarkt steigt
in der Bedeutung stark an

72 Prozent der Befragten sprachen sich eindeutig für die Familie als Alleineigentümer ihres Unternehmens aus. Nur knapp elf Prozent bezweifeln, dass ihr Unternehmen in ­Familienhand auf Dauer überlebensfähig ist. Tendenziell sicherer fühlen sich vor allem die mittleren Unternehmen mit Jahresumsätzen von 150 Millionen Euro und mehr. Am pessimistischsten äußern sich zu dieser Frage kleinere Dienstleistungsunternehmen mit Umsatzgrößen bis zu 20 Millionen Euro.

Noch sind die Hauptmärkte der befragten Unternehmen das jeweils eigene Land, das deutschsprachige Ausland und Europa. Immerhin 32 Prozent erkennen in asiatischen Märkten eine klare strategische Bedeutung. 25 Prozent bewegen sich bereits außerhalb Europas, und vor allem deutsche Betriebe mit Umsätzen über 150 Millionen Euro sind bereits im asiatischen Raum präsent. Dieser wird vor allem als lohnender Absatzmarkt und nicht mehr, wie früher, als Billigproduktionsstandort gesehen.


Arnold Weissman, Professor für Unternehmensführung an der Hochschule Regensburg
Die große Mehrzahl (87 Prozent) der untersuchten Firmen spielt in ihrer jeweiligen Branche eine führende Rolle. Zwölf davon sind Weltmarktführer, hochspezialisiert und fast ausschließlich in Nischenmärkten zu Hause. Die Konzentration auf Kernkompetenzen ist dabei das wichtigste Erfolgsrezept. 81 Prozent sehen vor allem in einer gelebten, auf definierten Werten basierenden Unternehmenskultur klare Wettbewerbsvorteile, wobei diese Überzeugung tendenziell mit der Größe des Unternehmens wächst. Die Werteskala beinhaltet dabei überwiegend traditionelle, konservative Attribute von Verlässlichkeit über Engagement und Loyalität bis hin zur „Handschlagqualität“.

Größere mittelständische Unternehmen tun sich leichter, strategische Projekte und notwendige Investitionen aus dem eigenen Cashflow zu finanzieren. Die überwiegende Mehrheit von 63 Prozent entscheidet sich für eine Mischung aus Cashflow und Bankfinanzierung. Kleinere Unternehmen mit Jahresumsätzen unter 20 Millionen Euro tendieren mit 21 Prozent am ehesten zu Kapitalerhöhungen über private Mittel der Inhaber. Vertrauen in Finanzdienstleister und Banken besteht — wenn überhaupt — auf lokaler und regionaler Ebene. Gegenüber nationalen und internationalen Instituten wächst dagegen das Misstrauen signifikant.

Über den Autor

Arnold Weissman, Professor für
Unternehmensführung an der Hochschule Regensburg

Der Autor ist promo­vierter Betriebswirt und Professor für Unternehmensführung an der Hochschule Regensburg — University of Applied Sciences, Lehrbeauftragter an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen sowie Leiter des Kompetenz-Centers Strategie am St. Galler Managementprogramm. Die von ihm 1987 gegründete und geleitete Unternehmensberatung WeissmanGruppe hat sich auf strategische Kompetenz für Familienunternehmen spezialisiert und verfügt über Niederlassungen in Nürnberg, Innsbruck, ­Zürich und Lana (Südtirol).

Bildquellen: sergign / Shutterstock.com, A-TEC INDUSTRIES

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