07.02.2013 17:30
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Wirtschafts-Prof. Venohr: Toptalente gehen in die Realwirtschaft

Wirtschafts-Prof. Venohr: Toptalente gehen in die Realwirtschaft
Interview Exklusiv
Der Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor Bernd Venohr über die Gründe für die Erfolge im deutschen Mittelstand.
€uro am Sonntag

€uro am Sonntag: Herr Professor Venohr, was macht Deutschland zu einem so ausgezeichneten Nährboden für Weltmarktführer?
Bernd Venohr:
Eine wichtige Stärke war und ist bis heute der Transfer von Spitzen-Know-how aus der Forschung in die Unternehmen. Wir haben nach wie vor eine sehr gute Ausbildung in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften. Und wir haben sehr viele gut eingespielte Netzwerke für den Technologietransfer in Deutschland. Das geht hin bis zu kleineren Mittelständlern, wo Sie viele ehemalige Mitarbeiter von Fraunhofer-Instituten oder führenden Universitätsinstituten als Geschäftsführer finden. Bei uns gehen die Toptalente in die Realwirtschaft, nicht in die Finanzindustrie.

Was sind für Sie die Gründe für die ­Exportstärke der Mittelständler?
Die deutschen Unternehmer haben keine Berührungsängste. Deutschland liegt mitten in Europa und hat daher viele Grenzen. Die Firmen haben deshalb früh gelernt, erfolgreich im Ausland zu arbeiten. Ein großer Wachstumsimpuls für die Industrie entstand dann durch die Öffnung der Weltmärkte in den vergangenen zwei Jahrzehnten. So unterhalten zum Beispiel 4000 Mittelständler Niederlassungen in China. Für die Eroberung dieser Märkte brauchen sie auch einen sehr langen Atem. Hier ist ganz entscheidend, dass die Mehrzahl der mittelständischen Weltmarktführer im Familien­besitz ist und sich nicht dem Diktat oft sehr kurzfristig getriebener Aktionäre unterwerfen muss.

Lange wurde das deutsche Wirtschaftsmodell ja belächelt ...
In den vergangenen zehn bis 15 Jahren gab es viele Abgesänge auf den Standort Deutschland und das deutsche Wirtschaftsmodell. Die deutsche Industrie hat davon unbeirrt, teilweise sehr gut unterstützt durch die Politik, ihre „Hausaufgaben“ gemacht. Heute sind viele, auch die ehedem skeptischen angelsächsischen Länder, höchst interessiert daran, von Deutschland zu lernen. Ähnliches gilt für asiatische Länder wie Korea und Singapur.

Doch das deutsche Modell ist nicht so einfach übertragbar, oder?
Das fällt in der Tat schwer, wenn man nicht diese starke mittelständische Struktur hat, die sich auch immer wieder erneuert. Wir haben zwar keine so ausgeprägte Start-up-Szene wie beispielsweise im Silicon Valley, wo innerhalb von drei Jahren eine neue, wachstumsstarke Firma entsteht. Aber wir haben eine ausgeprägte mittelständische Unternehmerschaft, die im Zeitablauf von zehn bis 20 Jahren immer neue Spitzenunternehmen hervorbringt.

Und das macht Deutschland so wettbewerbsfähig?
Ja. Ich denke, dieser Punkt wird von vielen immer noch unterschätzt. Ein Land, das nur auf Großkonzerne setzt und es dem Mittelstand schwer macht, wie zum Beispiel Frankreich, dem fehlt diese Dynamik.

Bildquellen: el lobo / Shutterstock.com
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