01.08.2012 18:00
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Immobilienmarkt: In der Stadt ist alles erreichbar

Interview: Immobilienmarkt: In der Stadt ist alles erreichbar | Nachricht | finanzen.net
Alain Thierstein erklärt, was Städte ­attraktiv und wettbewerbsfähig macht
Interview
Landflucht: Der Raumforscher Alain Thierstein von der Technischen Universität München erklärt, was Städte ­attraktiv und wettbewerbsfähig macht.
€uro am Sonntag
von Andreas Höß, €uro am Sonntag

€uro am Sonntag: Professor Thierstein, die Urba­nisierung gilt als einer der großen Megatrends. Liegt unsere Zukunft in der Stadt?
Alain Thierstein:
Absolut, überall auf der Erde zieht es Menschen vom Land in die Stadt. Schon heute lebt weltweit die Hälfte aller Menschen in Städten. Städte sind also nicht nur unsere Zukunft, sondern auch unsere Gegenwart.

Vielen gelten Städte noch immer als eng, laut und schmutzig. Was halten Sie denen entgegen?
Urbane Räume sind deutlich lebenswerter geworden. Man hat beispielsweise die Infrastruktur stark ver­bessert. Es gibt Indizes, die die Lebensqualität von ­Städten messen. Dort sind München, Düsseldorf und Frankfurt unter den besten zehn Städten weltweit.
Ganz vorn sind auch Städte in der Schweiz und ­Österreich.

Was macht diese Städte denn so anziehend?
Menschen wollen dort leben, wo sie ein passendes Umfeld finden. Und das ist meist dort, wo es gute und he­rausfordernde Jobs gibt. Die Stadt hat eine kritische Masse, sie ist ein Zentrum für Innovationen. Hier gibt es Vielfalt und Qualität, Universitäten und Unternehmen — und das alles auf engem Raum. Das Magische an einer Stadt ist, dass alles erreichbar ist: zu Fuß, mit dem Rad, mit Bus und Bahn oder mit dem Flugzeug. Diese Mischung aus lokaler Konzentration und inter­nationaler Vernetzung zieht Menschen an.

Also schafft die räumliche Nähe wirtschaftliche ­Vorteile.
Natürlich, wir leben ja nicht nur in einer Wissensökonomie, sondern haben auch Arbeitsteilung. Bei so gut wie keinem Unternehmen findet die gesamte Wertschöpfung im eigenen Haus statt. Es ist deshalb wichtig, dass man an einem Knotenpunkt sitzt, der einen Austausch ermöglicht.

Können Sie ein Beispiel geben?
Nehmen Sie die Region um den Münchner Flughafen. Hier ist ein komplett neuer urbaner Raum entstanden. Ein internationales Drehkreuz bietet die Möglichkeit, sich weltweit zu vernetzen. Das startet eine Ketten­reaktion: Es siedeln sich Unternehmen an, was wie­derum ­Menschen anzieht. Das ist der Hauptgrund, weshalb es in der Region zwischen dem Flug­hafen in Erding und der Münchner Innenstadt in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich viele Zuzüge ge­geben hat.

Ein großer Flughafen ist ein wichtiges Kriterium für Erfolg und Wachstum?
Ja, das sollte man sich auch bei der Diskussion in München um eine dritte Startbahn vor Augen halten. Auch Hochgeschwindigkeitszüge sind ein Wettbewerbskriterium. Sie könnten in 20 Jahren die Kontinentalflüge ersetzen. Ein Aspekt, den auch Gegner des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart  21 bedenken sollten.

Der Schriftsteller Bert Brecht soll einmal gesagt ­haben: Das Beste an Augsburg sei der Zug nach München. Stehen die kleinen Städte im Schatten der Metropolen?
Die Stärke in Deutschland ist, dass wir über die Jahr­hunderte eine Vielzahl großer und mittelgroßer Städte entwickelt haben. Städte sind immer nur so stark, wie sie sich im wirtschaftlichen Austausch mit anderen ­darstellen. Deshalb vernetzen sie sich auch lokal immer stärker untereinander, etwa über den öffentlichen Nahverkehr. Die wettbewerbsfähigsten Räume sind im Moment die sogenannten polyzentrischen Kompetenzregionen.

Das klingt kompliziert.
Das sind Räume, in denen Metropolen wirtschaftlich extrem eng mit den Städten in ihrem Umfeld verflochten sind. München, Augsburg, Ulm und Regensburg bilden zum Beispiel so eine Region. Interessant ist, dass diese Städte von ihrem kulturellen Selbstverständnis her nicht unbedingt zusammen­passen, die wirtschafflichen Verbindungen unter­einander aber zum Teil enger sind als mit geografisch näheren Räumen.

Also können kleinere Städte auch im Schatten großer Nachbarn eine große Zukunft haben?
Die Städte in der zweiten Reihe sind nicht uninteressant. Sie sind oft eine billigere und äußerst lebenswerte Alternative zur Metropole.

Deutschlands Bevölkerung schrumpft. Gleichzeitig steigt aber der Bedarf an Wohnraum, weil immer mehr Menschen allein leben. Wird sich unsere Wohnkultur verändern?
Trotz Individualisierungstendenzen bleibt der Mensch ein soziales Wesen. In Zukunft muss es mehr flexible bauliche Modelle geben, die das einzelne Wohnen in einer Gruppe ermöglichen. Bisher hat die Bauwirtschaft zu wenig Lösungsansätze für dieses Problem.

Ist die Urbanisierung denn ein zementierter Trend, der unumkehrbar ist?
Ich glaube nicht, dass sich dieser Trend umkehren wird. Unsere Bevölkerung altert, deshalb brauchen wir Standorte, wo es viele Dienstleistungen auf einem Fleck gibt. Denn wer weniger flexibel ist, muss alles vor Ort haben. Außerdem sprechen ökologische Aspekte für die Stadt. Dichte Räume sind effizienter, der Energieverbrauch ist dort geringer.

Mieten in Deutschland - In welcher Stadt stiegen die Mietpreise am stärksten?

 

Platz 30: Heilbronn

Eröffnet wird das Ranking von Heilbronn: Hier stiegen die Mieten zwischen 2005 und 2012 von 5,87 €/m² auf knapp unter 7 Euro pro Quadratmeter und verzeichnen somit einen Anstieg von 18,74%.

Quelle: Immonet.de
Bildquellen: isrock/Dušan Zidar

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