20.01.2013 16:00
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Niels Nauhauser: Provisionen gehören verboten

Niels Nauhauser: Provisionen gehören verboten
Interview
Der Finanzexperte der ­Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Niels Nauhauser, glaubt, dass Bank-Kunden zwangsläufig falsch beraten werden. Seine Argumente.
€uro am Sonntag

€uro am Sonntag: Viele Banken geloben Besserung und wollen ihre Kunden nach deren Interessen beraten. Tun sie das wirklich, oder ist das nur Werbetamtam?
Niels Nauhauser:
Nach meinem Eindruck ist noch keine Besserung in Sicht, selbst wenn einige im Finanzsektor die Pro­bleme inzwischen kennen und öffentlich darüber reden. Man kann jetzt Werbespots der Commerzbank sehen, die von einem „langen Weg“ sprechen. Und man hört wiederholt Ankündigungen eines Kulturwandels in der Deutschen Bank.

Können Sie Banken oder Bankengruppen erkennen, deren Beratung besonders schlecht oder vielleicht auch gut ist?
Nach unseren Maßstäben ist nahezu jede Beratung hierzulande eine Falschberatung. Die Unterschiede hängen aber nicht von Institutsgruppen ab. Das Geschäftsmodell für Finanzberatung ist doch, Produkte zu verkaufen gegen Provisionen oder Margen. Günstige und effiziente Produkte können da zwangsläufig nicht verkauft werden. Und Beratung zahlt sich nur aus, wenn am Ende was verkauft wurde. Bei einer Beratung durch Verkäufer ist Fehlberatung also programmiert.

Können Sie überhaupt irgendeine Bank empfehlen?
Leider nein.

Und was halten Sie davon, wenn man sich von einem ­bankenunabhängigen Finanzplaner beraten lässt und dann die Ratschläge mithilfe einer Onlinebank umsetzt?
Bankenunabhängig nennen sich viele, das ist aber nicht entscheidend. Zertifizierte Finanzplaner haben eine besonders anspruchsvolle Ausbildung absolviert. Nur, wer sieht ihnen an, ob sie vertrauenswürdig beraten? Sie sehen einem Arzt ja auch nicht an, ob er die richtige Diagnose gestellt hat.

Sie machen einem ja nicht gerade Hoffnung.
Ich nenne nur die Probleme beim Namen, die wir täglich aus unserer Beratung kennen. Aus der Misere führt nur ein Weg: Finanzberatung gegen Provisionen gehört verboten. Mit gutem Grund verdienen Ärzte ihr Geld auch nicht durch Tablettenverkauf. Stattdessen wird es Beratung im Einkauf von Produkten geben ohne jegliche Einflussnahme durch diejenigen, die die Produkte herstellen. Man muss wissen, welches Honorar eine Beratung kostet, und man muss das so regeln, dass die Menschen sich auf die Güte der Dienstleistung verlassen können.

Ist die Beratung gegen Honorar denn automatisch besser?
Nein. Das Honorar ist notwendig, damit die Bestechung mit Provisionen und Margen ein Ende hat. Zweitens muss die Qualifikation korrigiert werden. Zu viele Berater wissen nicht, was sie da für einen Schaden anrichten mit ihren Empfehlungen. Verbraucher können sich rechtlich dagegen nicht wehren, denn eine Klage vor Gericht ist ja selbst bei Totalverlust der Geld­anlage oft aussichtslos.

Bildquellen: FuzzBones / Shutterstock.com
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