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29.10.2012 08:45

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KONJUNKTUR IM BLICK

Ende einer Ära am deutschen Arbeitsmarkt?


Am deutschen Arbeitsmarkt könnte im Oktober eine Ära zu Ende gegangen sein: Ökonomen erwarten, dass die Arbeitslosenquote erstmals seit über drei Jahren wieder gestiegen ist.

Obwohl die Lage am Arbeitsmarkt - vor allem wenn man sie mit der in anderen europäischen Volkswirtschaften vergleicht - sehr robust ist, würde das einen Wendepunkt markieren.

   Der Höhepunkt des Wirtschaftswachstums nach dem Ende der Großen Rezession liegt nun auch in Deutschland schon anderthalb Jahre zurück. Trotzdem hat die Beschäftigung in Deutschland bis zuletzt zugenommen. Die Arbeitslosenquote verharrte auf einem Rekordtief und die Unterbeschäftigung sank. Das war unter anderem Ausdruck der Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft noch wuchs, während Europa schon in der Rezession versank. Außerdem profitierte Deutschland von einer Reihe von Arbeitsmarktreformen aus früherer Zeit.

   Nun, da es erste Hoffnungszeichen für ein Ende der europäischen Rezession Anfang des kommenden Jahres gibt, macht sich die Abschwächung des deutschen Wirtschaftswachstums auch am Arbeitsmarkt bemerkbar. Nachdem die Arbeitslosenzahlen bereits seit einigen Monaten leicht steigen, wird nun auch ein Anstieg der Arbeitslosenquote von 6,8 auf 6,9 Prozent erwartet. Die Arbeitslosenquote bliebe damit aber immer noch in der Nähe des niedrigsten Standes seit Beginn der gesamtdeutschen Datenreihe 1991.

   Gleichwohl wäre diese Entwicklung ein Meilenstein. Zuletzt war die deutsche Arbeitslosenquote im Juni 2009 gestiegen - damals auf 8,3 von 8,2 Prozent. Seitdem sinkt sie ununterbrochen. Es ist viel über die günstigeren Produktionsbedingungen als die so genannten angebotsseitigen Ursachen für dieses deutschen Arbeitsmarktwunders geschrieben worden, und diese Ursachen verschwinden auch nicht über Nacht. Aber die Nachfrageseite schwächt sich ab.

   So hinterlassen die weltweite Wachstumsdelle und die Sparzwänge in nahezu allen großen Eurozone-Volkswirtschaft ihre Spuren in den Auftragsbüchern deutscher Unternehmen. Die im Boom erhaltenen Aufträge sind abgearbeitet, neue kommen nicht mehr mit früherem Tempo, in einigen Industrien wird schon wieder über Überkapazitäten geredet, die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen sinkt, wenn auch auf noch hohem Niveau. Das ist der Stoff, aus dem Arbeitsmarktabschwünge auch in Deutschland gemacht sind.

   Wie tief es am Arbeitsmarkt tatsächlich gehen wird, das wird nur davon abhängen, wie schnell sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen wieder verbessern. Die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Eindämmung der Euro-Krise könnten mit Blick auf Europa der entscheidende Schritt zum besseren gewesen sein. Auch auf einigen Exportmärkten, wie China und den USA, dürfte das Wachstum demnächst wieder anziehen.

   Falls es so kommt, könnte deutschen Arbeitnehmern das Ende der goldenen Zeiten am Arbeitsmarkt erspart bleiben. Vielleicht erleben wir derzeit lediglich ein Zwischentief. Ob Wendepunkt oder Zwischentief, die Antwort auf diese Frage dürfte erst im kommenden Jahr beantwortet werden können.

   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

   DJG/hab/jhe Dow Jones Newswires   October 29, 2012 03:15 ET (07:15 GMT) Von Hans Bentzien


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