28.08.2012 17:26
Bewerten
(0)

Hunderttausende Senioren mit Minijob

Motiviert oder bedürftig?: Hunderttausende Senioren mit Minijob | Nachricht | finanzen.net
Motiviert oder bedürftig?
Immer mehr Deutsche im Rentenalter haben einen Minijob. Ende 2011 gingen bereits mehr als 760.000 Menschen über 64 Jahren einer geringfügigen Beschäftigung nach, fast 120.000 Minijobber waren sogar älter als 74.
Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor, die am Dienstag bekannt wurde und über die zuerst die "Süddeutsche Zeitung" (Dienstag) berichtet hatte.

   Seit den Arbeitsmarktreformen von 2003, mit denen die Zahl der Minijobs ohnehin deutlich anstieg, war die Zahl noch nie so hoch. So gab es etwa Ende 2004 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lediglich rund 650.000 Minijobber, die 65 Jahre oder älter waren. Bis Ende 2011 kletterte diese Zahl um 17,8 Prozent auf 761.736.

  Die Ursache für den Anstieg ist allerdings umstritten. Gewerkschaften und Sozialverbände sehen darin ein Indiz für zunehmende Altersarmut. Das Bundesarbeitsministerium verweist hingegen darauf, dass die Zahl der Senioren in den vergangenen Jahren ebenfalls gestiegen ist. Der Zuwachs bei den betagten Minijobbern bewege sich deshalb in "sehr überschaubaren Dimensionen".

  Tatsächlich gab es laut Statistischem Bundesamt 2004 erst rund 15,37 Millionen Deutsche über 64 Jahren und im Jahr 2011 bereits 16,88 Millionen. Dies entspricht einem Plus von 9,8 Prozent. Der Anteil der Minijobber in dieser Altersgruppe wuchs im gleichen Zeitraum von 4,2 auf 4,5 Prozent. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in dieser Entwicklung auch eine Chance. Man werde dazu kommen, dass ein 65-Jähriger, der arbeiten möchte, "auch die Möglichkeit bekommt, seine Kreativität einzubringen", sagte Merkel bei einem Expertendialog zur Zukunft Deutschlands.

   Kritik äußerten SPD, Grüne und Linke sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Sozialverband VdK. Viele Rentner könnten sich nur noch mit Minijobs finanziell über Wasser halten, klagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Der rentenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Matthias W. Birkwald, warnte: "Wir rennen sehenden Auges in die Massenaltersarmut." SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles forderte: "Dieser Trend muss gestoppt werden."

   Nach Ansicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist materielle Not hingegen nicht das Hauptmotiv, weil unter den arbeitenden Senioren auch viele Hochqualifizierte seien. "Viele wollen arbeiten, weil sie sich noch fit fühlen", sagte der IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer der "Süddeutschen Zeitung".

   Das Bundesarbeitsministerium wies zudem darauf hin, dass zu der Gruppe der Über-64-Jährigen nicht nur Rentner gehörten, sondern auch weiter aktive Selbstständige und Freiberufler. Von wachsender Altersarmut könne ebenfalls keine Rede sein, weil der Anteil der Senioren, die Grundsicherung beziehen, seit Jahren konstant bei 2,4 Prozent liege.

   Viele Menschen im Rentenalter arbeiten sogar noch mehr als nur auf 400-Euro-Basis: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hatten zuletzt gut 154.000 Senioren einen sozialversicherungspflichtigen Job - etwa doppelt so viele wie Ende 1999. Mehr als die Hälfte war sogar in einer Vollzeitstelle. Nach Ansicht des Arbeitsministeriums zeigen diese Zahlen: "Wir sind auf dem Weg in die Gesellschaft des längeren Lebens und Arbeitens."

   Die Zahlen heizen allerdings auch die Debatte um den für diesen Mittwoch geplanten Kabinettsbeschluss zur Rente an. Die Beiträge zur Rentenversicherung sollen nach den Regierungsplänen von derzeit 19,6 auf voraussichtlich 19,0 Prozent sinken. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warnte, damit werde "die Rentenkürzung von morgen" festgeschrieben. Wolfgang Strengmann-Kuhn von den Grünen ergänzte, man könne keine Beiträge senken, wenn bei vielen Menschen die Rente nicht mehr reiche.

   Der nordrhein-westfälische Sozialminister Guntram Schneider (SPD) sprach sich dafür aus, die Renten-Finanzreserven vorsorglich in einem Fonds anzulegen. Mit einem "Demografie-Fonds" könne der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern begegnet und Altersarmut verhindert werden, sagte Schneider der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf./ax/sam/beg/DP/hbr

BERLIN (dpa-AFX)
Bildquellen: Yuri Arcurs / Shutterstock.com
  • Tagesgeld
  • Festgeld
  • Depot
  • Giro
  • Autokredit
  • Privatkredit

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Heute im Fokus

DAX im Minus -- Japanische Firma begibt Bitcoin-Anleihe -- EVOTEC-Aktie auf Höhenflug -- Wirecard erwartet starkes 2. Halbjahr -- Air Berlin spricht mit drei Interessenten -- Vestas, Cisco im Fokus

Eurozone: Inflationsrate wie erwartet stabil. So viele Erwerbstätige wie noch nie - aber weniger Arbeit. Starkes Auslandsgeschäft treibt Sixt an. Apple will TV-Serien-Offensive starten. STADA-Übernahmefrist abgelaufen - Ergebnis bis Ende der Woche erwartet. Kingfisher-Umsätze bröckeln weiter ab. Goldman Sachs: Institutionelle Investoren können Bitcoin nicht länger ignorieren.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Aktien mit Sicherheit und Potenzial

Für die neue Ausgabe des Anlegermagazins haben unsere Redakteure Aktien identifiziert, die aus ihrer Sicht Sicherheit und Potenzial bieten. Einen besonderen Blick werfen sie dabei auf die Chemie- und Versicherungsbranche. Erfahren Sie im aktuellen Magazin, wie Sie "Richtig investieren" und lesen Sie, welche Aktien bei überschaubarem Risiko einiges an Potenzial bieten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Top-Rankings

Diese Aktien hat Warren Buffett im Depot (Juni 2017)
Die Top-Positionen von Warren Buffett
KW 32: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 32: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten

Umfrage

Die Deutsche Bank wird optimistischer für deutsche Aktien und sieht beim DAX bis Jahresende noch 3 Prozent Luft nach oben. Was glauben Sie, wie sich der DAX bis zum Ende des Jahres entwickeln wird?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln

Willkommen bei finanzen.net Brokerage

Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus finanzen.net!

Weitere Informationen finden Sie hier.

Jetzt informieren und Depot eröffnen


Sie haben bereits ein Depot? Dann verknüpfen Sie es jetzt mit Ihrem finanzen.net-Account!

Jetzt verknüpfen

Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Air Berlin plcAB1000
Daimler AG710000
Deutsche Bank AG514000
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Apple Inc.865985
EVOTEC AG566480
CommerzbankCBK100
E.ON SEENAG99
Bitcoin Group SEA1TNV9
Lufthansa AG823212
Allianz840400
Siemens AG723610
K+S AGKSAG88
TeslaA1CX3T
Amazon906866