17.11.2012 11:34
Bewerten
 (0)

Neue 450-Euro-Jobs schaffen kaum zusätzliche Jobanreize

    NÜRNBERG (dpa-AFX) - Die neuen 450-Euro-Jobs werden voraussichtlich nicht die von der schwarz-gelben Bundesregierung erhofften Jobanreize schaffen. Schon jetzt nutzen nur wenige geringfügig Beschäftigte die bisherige 400-Euro-Regelung voll aus, geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen.

 

    Von den 7,5 Millionen Minijobbern hätten im vergangenen Jahr nur 52 Prozent im Schnitt zwischen 301 und 400 Euro verdient. Bei allen übrigen Minijobern seien es unter 300 Euro gewesen; zwölf Prozent verdienten mit ihrem Minijob sogar nur maximal 100 Euro, zeigen die BA-Zahlen. Die Zahl der Minijobber stagniert seit Jahren.

 

    Der Bundestag hatte Ende Oktober eine Heraufsetzung der bisherigen Minijobgrenze von 400 auf 450 Euro beschlossen. Bis zu dieser Höhe sind die Minijobs für die Beschäftigten weiterhin steuerfrei. Mit der Neuregelung verbunden ist erstmals eine Versicherungspflicht für die Gesetzliche Rentenversicherung. Minijobber können sich davon aber auf Antrag befreien lassen. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung war ein besonderes Anliegen der FDP. Die Obergrenze war seit 2003 nicht mehr angehoben worden.

 

    Die Zahlen bestätigen eine Umfrage der BA und des Statistischen Bundesamts vom Herbst 2010. Darin hatte jeder zweite 400-Euro-Jobber kein Interesse an Mehrarbeit und damit an einer höheren Entgeltgrenze. Rund ein Viertel gab an, zwar grundsätzlich mehr arbeiten zu wollen, was aber aufgrund der persönlichen Situation nicht möglich sei. Lediglich jeder Vierte der knapp 6400 Befragten erklärte, er interessiere sich für Mehrarbeit, habe aber bislang keinen passenden Job gefunden. Vor allem Rentner, Schüler und Studenten, die zusammen 44 Prozent aller 400-Euro-Jobber ausmachen, streben keinen höheren Verdienst an.

 

    Auch im Umfeld der Bundesagentur stößt die Anhebung der Entgeltgrenze bei 400-Euro-Jobs auf Skepsis. Die Bundesregierung strebe mit den künftigen 450-Euro-Jobs an, mehr Frauen einen Einstieg oder eine Rückkehr ins Berufsleben zu ermöglichen. Stattdessen führe die Neuregelung dazu, dass Frauen "im Niedriglohnbereich steckenbleiben", hieß es. Opposition und Gewerkschaften kritisieren die Anhebung der Verdienstgrenze, weil damit lediglich die Nische für unterbezahlte und sozial schlecht abgesicherte Arbeit ausgeweitet werde. Minijobber seien schon heute akut armutsgefährdet.

 

    Nach den jüngsten BA-Zahlen machen Frauen bei den Mini-Jobbern einen Anteil von 65,7 Prozent aus. Minijobber werden hauptsächlich als Einzelhandelsaushilfen, für Putztätigkeiten in Betrieben, für Schreib- und Buchhalterarbeiten, als Aushilfen in der Gastronomie und als Austräger für Post und Zeitschriften angeheuert./kts/vs/DP/stk

 

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Heute im Fokus

DAX vorbörslich erneut schwach -- Asiens Börsen auf Erholungskurs -- Machtkampf um Brexit-Zeitplan - London hält Brüssel hin -- Fresenius bekommt neuen Chef -- Erneut Patt bei Spanien-Wahl

Chinesische Investoren sollen Interesse an Wirecard-Beteiligung haben. KUKA-Vereinbarung wohl fast perfekt. EU-Gründerstaaten drücken bei Verhandlungen aufs Tempo. Wirtschaftsforscher: Alle verlieren, besonders die Briten. Vermutungen und Befürchtungen: Unsicherheit nach Brexit-Votum lähmt. Lufthansa Cargo verlangt von Mitarbeitern Gehaltsverzicht.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Der World Wealth Report 2016
Hier ist Leben preiswert!

Umfrage

Am Donnerstag, den 23. Juni blicken die Anleger mit Spannung auf das EU-Referendum der Briten. Welchen Ausgang erwarten Sie?