aktualisiert: 17.09.2012 13:48
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So schließen Sie die Rentenlücke

Private Vorsorge
Die Debatte um Altersarmut schlägt Wellen. Aber wieviel Geld brauche ich wirklich im Alter, wieviel sollte ich sparen? €uro am Sonntag hilft beim Kalkulieren
€uro am Sonntag

von Martin Reim, Euro am Sonntag

Die „Bild“-Zeitung brachte es mit ihrer Schlagzeile auf den Punkt: „Renten-Schock“. Tatsächlich sind jene Zahlen beunruhigend, die das Bundesarbeitsministerium vor Kurzem veröffentlichte. Wer 2500 Euro brutto im Monat verdient und 35 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlt, bekommt im Jahr 2030 gerade mal eine gesetzliche Rente auf Hartz-IV-Niveau.

Bei höheren Summen und längeren Einzahlungszeiten sieht die Bilanz zwar ein wenig erfreulicher aus. Dennoch kommen auch Besserverdienende bei der Frage ins Grübeln, ob sie für den Ruhestand ausreichend vorgesorgt haben.

Dabei ist die Sache theoretisch ganz einfach: „Eine Einkommenslücke im Alter besteht insofern, als die regelmäßigen Einnahmen im Alter nicht die laufenden Ausgaben decken“, sagt Michael Huber von der Beratungsgesellschaft VZ VermögensZentrum. Nach seiner Meinung sind für eine Bestandsaufnahme drei Fragen entscheidend: Wie groß ist meine Einkommenslücke im Ruhestand? Wie viel Kapital benötige ich zum Zeitpunkt der Erwerbsaufgabe, um die Lücke zu schließen? Wie viel muss ich heute sparen, um das notwendige Kapital dann zur Verfügung zu haben? Welche Summen für Sie relevant sind, können Sie anhand der Tabellen rechts selbst kalkulieren.

Familie und Beruf wichtig
Allerdings steckt der Teufel im Detail, wenn es um konkrete Beträge geht. „Die Antworten hängen stark von der familiären Situation, dem Beruf und den allgemeinen Lebensumständen ab“, erklärt Barbara Sternberger-Frey in ihrem Buch „Altersvorsorge richtig planen“, das von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen herausgegeben wird.

Wer alleinstehend ist und das bleiben will, hat nur sich selbst zu versorgen. Wer eine Familie gründen will oder dies schon getan hat, sollte auch Lebenspartner und Kinder im Blick haben. Bei berufstätigen Paaren ist die entscheidende Frage, was jeder zur gemeinsamen Alterskasse beitragen kann. Auch die Art des Zusammenlebens spielt eine große Rolle: Nur Ehepaare können beim Tod des Partners Witwen- oder Witwerrente beziehen. Unverheiratete sind nach dem Verlust des Partners auch finanziell auf sich allein gestellt.

Das erreichbare Versorgungsniveau und der sich daraus ergebende Bedarf für eine zusätzliche private Altersvorsorge werden entscheidend vom Arbeitsverhältnis bestimmt. Das gibt in der Regel vor, ob und in welcher Form und Höhe später mit einer Grundversorgung gerechnet werden kann.

Wie viel aus der staatlichen Rentenkasse zu erwarten ist, verrät die Rentenauskunft, die alle Versicherten über 27 Jahre einmal im Jahr erhalten. Der Blick auf den aktuellen Anspruch dürfte, wie die aktuellen Hochrechnungen des Bundesarbeitsministeriums zeigen, für viele ernüchternd ausfallen.

Zur gesetzlichen Rente kommen staatlich geförderte und private Renten sowie Erträge aus allen sonstigen Vermögensbestandteilen hinzu. „Abzuziehen ist ein pauschaler Betrag für Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung“, mahnt Sternberger-Frey.

Wohneigentum im Blick
Die Ausgabenseite wird durch die Ansprüche an das Leben im Ruhestand bestimmt. Vor allem die eigenen Wohnbedürfnisse und die Frage, wann ein Arbeitnehmer seinen Job an den Nagel hängen will, beeinflussen die Ausgaben. Wer ein Eigenheim bauen oder kaufen will oder dieses Ziel bereits erreicht hat, sollte die dafür nötigen Kredite bei Rentenbeginn möglichst getilgt haben. Ist der Erwerb von Wohneigentum kein Thema, werden Miete plus Nebenkosten im Alter wahrscheinlich die größte laufende Ausgabenposition sein.

Doch hier ergibt sich ein weiteres Problem: Die konkrete Höhe der Miete lässt sich langfristig nicht verlässlich kalkulieren. Tendenziell dürfte die Mietbelastung jedoch wachsen, da die Inflation regelmäßig auch die Mieten in die Höhe treibt. Und auch die Mietnebenkosten dürften zulegen.

Um die Höhe der Ausgaben für den Ruhestand richtig herzuleiten, empfiehlt es sich, die heutigen Ausgaben zu analysieren und zu überlegen, inwieweit sich die einzelnen Posten im Ruhestand verändern. Doch was ist die richtige Maßgröße? „Eine Faustregel besagt, dass man im Ruhestand einen rund 30 Prozent niedrigeren Finanzbedarf hat als während der aktiven Berufszeit“, meint Sternberger-Frey. Ihr Argument: Manche Ausgaben reduzieren sich im Alter. Die Ausbildung der Kinder ist abgeschlossen, die wichtigsten Ausgaben sind getätigt. Und wer nicht mehr täglich ins Büro muss, spart an Kleidung. Auch das Auto kann kleiner ausfallen, zumindest muss nicht regelmäßig ein Neu- und Zweitwagen her.

Eine wichtige Größe sollte man bei seinen Kalkulationen ebenfalls nicht außer Acht lassen — die Inflation. Sie hatte in den letzten 50 Jahren in Deutschland immerhin knapp drei Prozent pro Jahr betragen. „Auf den ersten Blick erscheint ein solcher Preisanstieg vernachlässigbar, doch haben solche Raten bei längeren Zeitperioden große Auswirkungen“, sagt Huber, der mit seinem Kollegen Tom Friess zwei Bücher über Finanzplanung verfasst hat.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sparer Einnahmen und Ausgaben getrennt mit Preissteigerungsraten durchrechnen und für die Einnahmen eine niedrigere Rate annehmen als für die Ausgaben, rät Huber: „Versorgungslücken werden erfahrungsgemäß eher zu klein als zu groß eingeschätzt.“
Wissenswertes über Ihre eigene Versorgungslücke (pdf)

Bildquellen: altafulla / Shutterstock.com
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