21.02.2013 16:55
Bewerten
(10)

Bargeld wird knapp

Roland Klaus-Kolumne: Bargeld wird knapp | Nachricht | finanzen.net
Roland Klaus-Kolumne
Roland Klaus
Eines der Mittel, das ein Staat anwenden kann, um seine Bürger besser zu kontrollieren, ist die Einschränkung des Bargeldverkehrs.
Was man nicht als Schein oder Münze in der Tasche hat, kann man viel schlechter vor den Augen des Staates verbergen.

Von Roland Klaus, www.wirtschaftliche-selbstverteidigung.de

Zwar werden die meisten Änderungen in diesem Bereich als technischer Fortschritt verkauft, etwa als Steigerung der Bequemlichkeit oder als Kampf gegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Im Kern sind sie jedoch vor allem eines: Ausdruck des steigenden Misstrauens eines Staates gegenüber seinen Bürgern. In Deutschland sieht die Sache bisher noch vergleichsweise entspannt aus. Hier gibt es bislang national kaum Einschränkungen, wenn man einmal davon absieht, dass man sich bei einer Bank bei Bareinzahlungen ab einer Größenordnung von 15.000 Euro ausweisen muss.

Anders sieht es jedoch in unseren europäischen Nachbarstaaten aus. In Italien beispielsweise sind Käufe mit Bargeld seit Anfang vergangenen Jahres nur noch bis zu einem Betrag von 1000 Euro erlaubt. Zwischenzeitlich gab es zwar auch Berichte, dass die Italiener Bargeldtransaktionen über 50 Euro verbieten wollen, was nahezu eine komplette Auslöschung des Bargeld bedeutet hätte – diese Berichte haben sich aber bislang nicht bewahrheitet.

Nun will Frankreich nachziehen. Für das nächste Jahr plant die Regierung eine Begrenzung von Cashtransaktionen auf 1000 Euro. Zudem soll der Umlauf von 500-Euro-Scheinen begrenzt werden. Offizielle Begründung auch hier: Der höchst ehrenhafte Kampf gegen Steuerbetrug und Geldwäsche. Die neuen Bargeldregelungen sind nur ein Teil der Restriktionen, die die Regierung als „Kampf gegen den Betrug an den öffentlichen Finanzen“ verkauft. Wer will da schon dagegen sein?

Je klammer die Finanzen eines Staates werden, desto eher greift die Regierung zu Mitteln wie der Beschränkung der Bargeldverwendung. Auch Spanien hat im vergangenen Jahr eine Obergrenze von 2500 Euro eingeführt. So gesehen, haben wir im Bereich der Eurozone in diesem Bereich noch einiges zu erwarten. Möglicherweise könnte es auch zu einheitlichen Regelungen für den gesamten Währungsraum kommen, natürlich unter dem Deckmantel einer Harmonisierung des Kampfes gegen das Böse.

Aber auch in vermeintlich stabilen Ländern gibt es entsprechende Strömungen. Am krassesten vielleicht in Schweden, wo es Forderungen einer breiten Allianz aus Behörden, Unternehmen und Gewerkschaften gibt, Bargeld komplett abzuschaffen.

Was heute das Bargeld ist, könnten morgen die Edelmetalle sein. Rationierungen sind denkbar - bei einer Verschärfung der Lage auch ein komplettes Verbot. Anders als beim Bargeld könnte Deutschland hier sogar eine Vorreiterrolle spielen – und zwar zunächst, wenn es um die Besteuerungen von Gewinnen aus dem Besitz von Edelmetallen geht. Denn für den physischen Besitz von Edelmetallen gilt noch die Spekulationsfrist. Nach einer Haltedauer von zwölf Monaten sind Gewinne komplett steuerfrei. Besitzer von Aktien, Anleihen oder Sparbüchern, die brav ihre Abgeltungsteuer zahlen, können da nur neidisch zuschauen. Ich finde es bemerkenswert, dass ausgerechnet die subversivste aller Geldanlagen – der Besitz von physischen Edelmetallen – steuerlich besser gestellt wird. Es würde mich nicht wundern, wenn dieses Thema nach der Bundestagswahl ins Visier der Politik rücken würde.

Über den Autor:

Roland Klaus arbeitet als freier Journalist in Frankfurt am Main und ist aktiver Investor. Für n-tv, N24 und den amerikanischen Finanzsender CNBC berichtete er von der Frankfurter Börse. In seinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“ analysiert er die Schuldenkrise und liefert konkrete Ratschläge, wie man sich vor den entstehenden Risiken schützen kann. Sie erreichen Ihn unter www.wirtschaftliche-selbstverteidigung.de

Roland Klaus arbeitet als freier Autor in Frankfurt/Main und ist aktiver Investor. Für den amerikanischen Finanzsender CNBC und den deutschen Nachrichtenkanal N24 berichtete er von 2004 bis 2009 von der Frankfurter Börse. Bekannt wurde er durch seine fast zehnjährige Tätigkeit als Moderator und Börsenreporter für die Telebörse auf n-tv. In seinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“ entwirft er eine Analyse der Schuldenkrise und liefert Ratschläge, wie man sich auf die entstehenden Risiken einstellen kann. Sie erreichen Ihn unter www.wirtschaftliche-selbstverteidigung.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Heute im Fokus

DAX schließt fester -- Dow Jones am Ende im Plus -- ifo-Index auf Allzeithoch -- Hausdurchsuchungen bei Daimler -- Lufthansa-Chef kritisiert Fraport -- KION, KWS Saat, VW, Grammer im Fokus

Glencore an US-Agrarhändler Bunge interessiert. USA verklagen Fiat Chrysler wegen angeblicher Abgasmanipulation. Bitcoin mit neuem Rekord: Was steckt wirklich hinter der Rally?. Zalando-Aktie überwinden erstmals 42-Euro-Marke. MorphoSys-Aktie auf Hoch seit Oktober 2015. Vivendi schließt Teilverkauf von Universal Music nicht aus. Intesa Sanpaolo spürt Belebung in krisengeschüttelter Branche.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Jungheinrich - Professioneller Hochstapler!

Intralogistik-Lösungen sind gefragt wie nie. Denn mit moderner Logistik-Infrastruktur lassen sich nicht nur erhebliche Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen realisieren, sondern sie bildet die perfekte Ergänzung für "Industrie 4.0". Warum Jungheinrich eine der interessantesten Storys in diesem Segment bietet lesen Sie im aktuellen Anlagermagazin des Börse Stuttgart Anlegerclubs.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Top-Rankings

KW 20: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Berufe die auch eine Rezession überstehen
Welche bieten am meisten Sicherheit?
KW 20: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten

Umfrage

Der Bitcoin bleibt auf Rekordkurs und stieg erstmals über 2.000 US-Dollar. Haben Sie auch schon mal Geschäfte mit der Digitalwährung gemacht?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Daimler AG710000
Deutsche Bank AG514000
CommerzbankCBK100
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Deutsche Telekom AG555750
E.ON SEENAG99
Apple Inc.865985
EVOTEC AG566480
BMW AG519000
AlibabaA117ME
Allianz840400
Amazon.com Inc.906866
Nokia Oyj (Nokia Corp.)870737
BASFBASF11
Nordex AGA0D655