05.03.2013 15:00

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von Martin Reim, €uro am Sonntag

SAMMELN & VERDIENEN

Sondermünzen: Papst als Geldanlage



Münzen: Papst als Geldanlage
Benedikt XVI. trat ab und macht Sammler selig: Manche Ausgaben des Vatikans und anderer Euroländer sind äußerst rendite­trächtig. Auf was Anleger bei der Auswahl achten sollten.

von Martin Reim, Euro am Sonntag

Papst Benedikt XVI. tritt zurück — diese Nachricht bewegte Katholiken weltweit. Doch auch für eine ganz ­andere Gruppe ist das Ereignis wichtig, nämlich für Münzsammler. Seit Jahrhunderten ist es üblich, dass der Vatikan für die Zeit zwischen zwei Päpsten spezielles Geld prägen lässt. Und das steht nun wieder an.

Details der kommenden Ausgabe sind noch nicht veröffentlicht, aber eines scheint schon sicher: Sie wird begehrt sein. Zwei-Euro-Stücke, die nach dem Tod von Johannes Paul II. 2005 erschienen sind, kosten heute etwa 200 Euro. Erkennbar sind sie an der rückseitigen Aufschrift „Sede Vacante“ (italienisch für: leerer Stuhl), verbunden mit einem Wappen. Vorderseite und Größe sind gestaltet wie bei Euroausgaben anderer Staaten.

Nun mögen sich auch Nichtsammler fragen, ob es sich lohnt, die Geldbörse regelmäßig nach solchen Stücken zu durchforsten. Die Antwort: klares Nein. Zum einen wurden nur 60 000 Stück geprägt, was angesichts von Milliarden umlaufender Euromünzen die Wahrscheinlichkeit, ein solches Exemplar zu finden, gegen null gehen lässt. Zum anderen handelt es sich bei den Münzen zwar um normale Zahlungsmittel, doch wird sie wohl niemand so benutzt haben. Denn der Preis dieser besonderen Stücke lag schon bei Ausgabe wesentlich höher als der Nominalwert und sie gingen ausschließlich an Sammler und Händler.

Aus denselben Gründen ist es ­generell wenig aussichtsreich, auf ­Euroschätze im eigenen Portemonnaie zu hoffen. Was heute teuer ist, hatte eine niedrige Auflage, kostete schon bei Ausgabe erheblich mehr als den aufgeprägten Wert und kam deshalb nie in Umlauf.
Die Unterschiede zu billigen Ausgaben können in der Prägeart liegen: Viele seltene Exemplare sind in der Qualität „Polierte Platte“ erschienen. Hier reflektieren die Münzflächen stark. Andere Möglichkeiten: Die teuren Stücke sind nur in kompletten Jahrgangssets erhältlich, den sogenannten Kursmünzensätzen, oder es sind rare Ab­arten.

Für Sammler besonders relevant sind Zwei-Euro-Münzen, weil davon die meisten unterschiedlichen Versionen existieren. Eine Statistik des Standardkatalogs „Die 2-Euro-Münzen“ zeigt für ganz Euroland: Die zehn Ausgaben mit der niedrigsten Auflage sind allesamt Spezialstücke (siehe Tabelle unten).

Bestes Beispiel ist die Münze zum 25. Todestag der monegassischen Fürstin Gracia Patricia aus dem Jahr 2007. Von ihr gibt es lediglich 20.000 Stück und sie kostete ursprünglich mindestens 110 Euro. Gracia Patricia zeigt aber auch etwas anderes: Es ist durchaus möglich, als Sammler Geld zu verdienen. Die geprägte Fürstin ist heute die wertvollste Zwei-Euro-Münze und hat laut Katalog einen Marktpreis von 1.300 Euro — eine Steigerung um mehr als das Zehnfache binnen weniger Jahre. Ähnlich spektakulär ist der Preisauftrieb bei der Sedisvakanz-Ausgabe. Das Set aus acht Münzen von einem Cent bis zwei Euro (Nominalwert: 3,88 Euro) kostete ursprünglich 30 Euro und ist heute das Zehnfache wert.

Kleinstaaten sind beliebt
Interessanterweise liegt die Auflage bei einer Reihe von Exemplaren noch niedriger als bei Gracia Patricia und Sedisvakanz. So gibt es von der Abart eines Luxemburger Zwei-Euro-Stücks lediglich 2.500 Exem­plare, während vom Sedisvakanz-Motiv immerhin 60.000 Exemplare existieren. Dennoch werden die Luxemburger bei Weitem nicht so teuer gehandelt, sie liegen laut Katalog bei gerade mal 65 Euro. Warum das?

„Die Exemplare der Kleinstaaten Vatikan, Monaco und San Marino sind grundsätzlich beliebt“, sagt Frank Heilmann von der Internetseite www.muenzen.eu. Auch können spezielle Anlässe relevant sein, etwa die Nachricht vom Rücktritt Benedikts XVI. Sofort stiegen auf der Auktionsplattform Ebay die Preise für normale Kursmünzen des Vatikans, auf denen der jetzige Papst abgebildet ist. Andreas Runkel, Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei der Handelsfirma Bayerisches Münzkontor, bestätigt: „Die Bekanntheit des Themas und das Image des Landes spielen bei der Bildung des Sammlerwerts eine wichtige Rolle.“

Finanzkrise weist den Weg
Wie geht es mit den Preisen in Zukunft weiter? Nach Ansicht von Mario Kamp­hoff, der die Internetseite www.2euro-preise.de betreibt, wird sich der weitere Verlauf der Finanzkrise erheblich auf den Markt auswirken. „Schafft es der Euro, als Währung zu überleben, kommen weitere Länder und damit weitere Sammler dazu. Das könnte Nachkäufe und damit höheres Interesse und somit Wertsteigerungen mit sich bringen.“

Generell sei die Wertentwicklung von kursgültigen Euromünzen derzeit eher rückläufig. „Ich denke, viele Sammler sind zu Stücken aus Gold oder Silber übergegangen.“ Ausnahme: Zwei-Euro-Münzen, weil dieses Sammelgebiet noch einigermaßen übersichtlich sei. „Hier halten sich die Preise relativ stabil.“

Und was ist mit Zwei-Euro-Sondermünzen der Bundesrepublik? Sie erscheinen jährlich ein- bis zweimal, kosten den Nominalpreis und sind bei den Filialen der Bundesbank und manchen Banken und Sparkassen erhältlich. Hier sind die Stückzahlen immens hoch. So gibt es vom im Februar präsentierten Motiv „Kloster Maulbronn“ 30 Millionen Stück.

Nach Ansicht Kamphoffs könnte allenfalls die im Januar erschienene Ausgabe „50 Jahre Élysée-Vertrag“ gewisse Steigerungschancen bieten. Ihre Auflage ist immerhin die niedrigste seit Währungsstart — elf Millionen Stück.

Bildquellen: Roman Sigaev / Shutterstock.com

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Kommentare zu diesem Artikel

Moika schrieb:
05.03.2013 16:32:32

Der Ratzinger kommt mir nicht ins Haus - basta!

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