30.03.2013 06:47
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Zypernkrise: Sturm entfällt, Risiko bleibt

Zypernkrise: Sturm entfällt, Risiko bleibt
Schuldendebakel 
Der Bankensturm in Zypern ist ausgeblieben, die Märkte haben sich beruhigt. Die Krise ist damit jedoch keineswegs vorbei und Sparer könnten schon bald europaweit zur Bankenrettung zur Kasse gebeten werden.
€uro am Sonntag

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Nachdem die Wiedereröffnung der Banken in Zypern am Donnerstag ohne größere Zwischenfälle abgelaufen ist, hat sich die Lage an den europäischen Börsen vor den Osterfeiertagen wieder entspannt. DAX und andere wichtige Indizes legten am Gründonnerstag zu.

Das mühsam von der EU und Zypern vereinbarte Hilfspaket kann zwar nun rasch weiterverhandelt werden, um es in der zweiten April-Hälfte endgültig abzuschließen. Viele Beobachter sind sich jedoch darin einig, dass die Krise damit keineswegs ausgestanden ist. „Das Thema ist trotz des relativ ruhigen Verlaufs in Zypern längst nicht durch. Die Investoren werden das weiter als großes politisches Risiko wahrnehmen“, sagt M. M.-Warburg-Volkswirt Matthias Thiel. „Und man sollte hier keineswegs die Fähigkeiten der europäischen Politiker zur Lösung der Krise überschätzen.“ Auch die zunächst positive Marktreaktion sei noch kein Entspannungssignal. „Die Märkte müssen sich erst mal in den nächsten Tagen eine klare Meinung darüber bilden. Die Kernfrage ist: Glauben die Investoren und auch die Sparer in anderen europäischen Krisenländern wie Italien oder Spanien daran, dass Zypern ein Einzelfall bleiben wird?

Die EU will außerdem schon bald Großanleger für die Bankenrettung zur Kasse bitten können. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll bis Sommer verabschiedet werden, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier dem „Handelsblatt“. Sparkonten bis 100 000 Euro seien dabei gesetzlich geschützt. Gläubiger und Einleger, die darüber lägen, müssten sich aber auf eine Kostenbeteiligung einstellen. Die Ratingagentur S & P kritisierte den Rückgriff auf Bankkunden bei der Sanierung des zyprischen Bankensystems.

Öffnung unter Auflagen
Knapp zwei Wochen waren die Banken in Zypern geschlossen. Vor den Bankfilialen bildeten sich nun zwar lange Schlangen, der befürchtete große Bankensturm („bank run“) blieb jedoch aus, und die Leute waren zwar frustriert, verhielten sich aber diszipliniert. In Agenturberichten war von einem „bank run light“ die Rede. Die zyprische Notenbank hatte allerdings strenge Auflagen erteilt, damit es nicht zu einer unkontrollierten Plünderung der Konten kommt.

So lag unter anderem die maximale Abgabe pro Person und Bank bei 300 Euro pro Tag. Außerdem gab es scharfe Kapitalverkehrskontrollen. Unklar bleibt, inwieweit die Bevölkerung nicht doch nach und nach ihre Guthaben bei den inländischen Banken abzieht und in andere Anlagen wie Immobilien umschichtet oder sie ins Ausland bringt.

Das in Zypern in den Bankfilialen bereitgestellte Bargeld — es soll sich um insgesamt fünf Milliarden Euro gehandelt haben — soll aus Beständen der Bundesbank mit einem Flugzeug der Lufthansa von Frankfurt nach Zypern geflogen worden sein. Zeitungsberichten zufolge war das bereitgestellte Bargeld nach der Landung in einem schwerbewachten Lkw-Konvoi vom Flughafen zur Zentralbank in Nikosia gefahren worden und wurde dann an die Filialen verteilt.
Von den beiden größten Geldinstituten des Landes hat nur die Bank of Cyprus überlebt. Das zweitgrößte Institut des Landes, Laiki, wird abgewickelt.

Bildquellen: iStock/goralikus, Paul Cowan / Shutterstock.com

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