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aktualisiert: 10.09.2012 16:34

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€uro am Sonntag

SCHULDENKRISE

Angela Merkel opfert den stabilen Euro


Seite 2 von 1:
von Thorsten Polleit, Gastautor von Euro am Sonntag

Wer aufmerksam verfolgt, was gesagt wird und was nicht gesagt wird, dem wird nicht entgehen, was gedacht und wohl auch gemacht wird. Ganz in diesem Sinn ist die Botschaft unmissverständlich, welche die deutsche Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel aussendet. Sie unterstützt ihren Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann allenfalls lauwarm und halbherzig in seinem Kampf gegen das Anwerfen der elektronischen Notenpresse durch den Rat der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Kanzlerin unterstützt die stabilitätsorientierte Geldpolitik à la Deutsche Bundesbank nicht mehr. Denn sie und ihr Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sind vermutlich zu folgender Auffassung gelangt: Soll der Euro überdauern, muss seine Kaufkraft entwertet werden. Die Liste der Pleiteländer und –banken wird länger und länger. Und sie alle sind — nüchtern betrachtet —weder in der Lage noch willens, ihre Schulden zurückzuzahlen. Vor die Wahl gestellt, den Euro scheitern zu lassen oder seine Kaufkraft zu opfern, ist vermutlich auch bei den deutschen Regierenden die Entscheidung gefallen: Selbst der Preis, dass der Euro zur Weichwährung verkommt, ist ihnen nicht zu hoch, um das Europrojekt in seiner jetzigen Form zu erhalten.

Die Notenpresse finanziert Europa
Der EZB-Rat will die Schuldenkrise in den Griff bekommen, indem er die Zinsen, die finanziell besonders angeschlagene Staaten zu bezahlen haben, künstlich nach unten manipuliert. Dafür wird die Zentralbank Staatsanleihen aufkaufen — und zwar, wenn es sein muss, in unbegrenzter Menge — und die Käufe mit neu gedrucktem Geld bezahlen. Das Aufkaufen von Staatsanleihen ist nichts anderes als das Ausweiten der Geldmenge. Das wird natürlich früher oder später zu Inflation führen — nicht zuletzt deshalb, weil das Inflationieren des Euro politisch angestrebt wird. Und die Inflation wird dabei umso höher ausfallen, je mehr neues Geld die Europäische Zentralbank in Umlauf bringt. Dass Staatsanleihekäufe durch den EZB-Rat nur gegen „Auflagen“ (oder in der Fachsprache der Notenbanker: „Konditionalität“) erfolgen sollen, streut der Öffentlichkeit Sand in die Augen: In der Praxis dürften sich Reformzusicherungen Hilfe suchender Pleitestaaten als leeres Versprechen erweisen. So war es bisher mit allen Besserungsgelöbnissen. Das Heruntermanipulieren der Zinsen wird sich vielmehr als Verschuldungsbeschleuniger erweisen: Schließlich hilft es ja, das Verschulden noch attraktiver zu machen. Ist der Druck hoher Zinsen erst mal genommen, sinkt auch der Anreiz für verschuldete Staaten, ihre Finanzlage zu verbessern.

Wenn nun aber Investoren fürchten (müssen), dass der EZB-Rat immer mehr Anleihen aus Krisenstaaten kauft und dadurch immer mehr Geld in Umlauf bringt, werden immer weniger Investoren diese Anleihen halten wollen. Sie werden sie verkaufen. Dadurch nimmt das Angebot auf dem Anleihemarkt weiter zu, die Zinsen steigen, und die EZB ist gezwungen, noch mehr Bonds aufzukaufen und noch mehr Geld in Umlauf zu bringen. Eine unheilvolle Dynamik kommt in Gang, die leicht in eine Hyperinflationspolitik abgleiten kann.

Die Manipulierung und Kontrolle der Marktzinsen wird weitere schwere volkswirtschaftliche Schäden nach sich ziehen. Zum einen ist absehbar, dass die Anlagerenditen nach Abzug der Inflation negativ werden: Sparer verlieren also, wenn sie sparen. Das Sparen nimmt ab und folglich auch die für neue Investitionen verfügbaren Mittel. Immer mehr Ausgaben müssen mit neu gedrucktem Geld finanziert werden. Der künstlich gesenkte Zins verzerrt die volkswirtschaftliche Produktions- und Beschäftigungsstruktur — und das beschwört die nächste, vermutlich noch größere Finanz- und Wirtschaftskrise herauf.

Der Albtraum ist programmiert
Es ist eine Politik der Geldentwertung, die der EZB-Rat auf den Weg bringt. Sie wird absehbar hohe soziale und politische Kosten nach sich ziehen. Doch selbst die Geldentwertungspolitik wird letztlich die herannahende fatale Mixtur aus Rezession und Depression nicht verhindern können. Denn sie ist die unentrinnbare Folge des vorausgegangenen Papiergeld- und Verschuldungsbooms. Nicht einmal die Hyperinflation in der Weimarer Republik konnte den Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft abwenden. Die absehbare ausufernde Vermehrung der Geldmenge ist vielmehr die Politik des größten Übels. Der monetäre Albtraum ist programmiert — die Lirarisierung des Euro —, wenn nicht einmal mehr die deutsche Regierung sich dem gefährlichen Treiben des EZB-Rats entgegensetzt.

zur Person:

Thorsten Polleit ist Experte auf dem Gebiet der Geldpolitik. Der 44-Jährige ist Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance und Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH. Er gehörte lange dem EZB-Schattenrat an, in dem führende Ökonomen und Banker EZB-Entscheide diskutieren.

Bildquellen: Mast/Fotolia

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Kommentare zu diesem Artikel

tanteroby schrieb:
10.09.2012 07:05:15

kann man nur noch mit Heinrich Heine sagen: Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht

gfb schrieb:
10.09.2012 06:34:55

Obama hat aus 10 Bill. Miesen 16 Bill. Miese gemacht. Da hat die Merkel doch noch etwas Luft. 99% der Deutschen haben doch keine Ahnung was läuft. Also schön weiter Kredite aufnehmen und damit Häuser und Autos kaufen. Ist doch Alles noch so günstig. Da werden Viele ihr blaues Wunder erleben.

schaedie1 schrieb:
Wertung: 1/5

09.09.2012 23:10:05

Sie sind nur ein Schwätzer und Angstmacher, bleiben Sie in dem Schatten, vondem Sie nie herauskamen.
Ihren Sonntagabend hätten Sie nützlicher verbringen können.

Floater schrieb:
09.09.2012 11:44:54

Leider ist die Schuldenunion für Schwarz/Rot/Grün inzwischen alternativlos. Ob der Eintritt Griechenlands in die Eurozone oder die Aufgabe der deutschen Finanzhoheit: Kein Problem! Was für Politiker haben wir! Und das Volk steht nicht auf und erzwingt eine Volksabstimmung!

Hamtaro schrieb:
08.09.2012 17:42:28

Wenns so weiter geht haben wir bald wieder Weimar 2.0. Irgendein Heilsbringer wartet bestimmt schon in Östereich auf seine Gelegenheit. Blöd nur, Autobahnen haben wir schon genug.

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