von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag
Ein möglicher Euroaustritt Griechenlands („Grexit“) würde einige französische Großbanken am stärksten treffen. So hat allein Crédit Agricole mit ihrer griechischen Tochter Emporiki nach einer Studie der Investmentbank Kepler Capital Markets Risiken von insgesamt rund 19 Milliarden Euro im Feuer — Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Privatkredite. Laut „Wall Street Journal“ hat die Bank für einen solchen Fall bereits die Pleite ihrer griechischen Tochter durchkalkuliert und geht dabei von Abschreibungen in Höhe von fünf Milliarden Euro aus.
Insgesamt bleiben nach Einschätzung von Experten zumindest die direkten Effekte eines Zahlungsausfalls Griechenlands für das europäische Bankensystem überschaubar, zumal viele Institute seit 2011 bereits einen Großteil ihrer Griechen-Risiken weiter reduziert haben. Dazu zählen auch Deutsche Bank und Commerzbank. Die indirekten Ansteckungseffekte eines solchen Worst-Case-Szenarios blieben jedoch unkalkulierbar.
Auch Portugal im Feuer
Ein differenzierteres Bild ergibt sich, wenn die möglichen Ausfälle von Griechenland-Forderungen in Relation zum harten Kernkapital (eigene Aktien, Stammkapital, Rücklagen) der betroffenen Institute gesetzt werden. Nach einer Analyse der DZ Bank wäre neben dem französischen das portugiesische Bankensystem stark betroffen. „Unterstellt man eine durchschnittliche bilanzielle Eigenkapitalquote von fünf Prozent, würde ein Totalausfall aller griechischen Forderungen das portugiesische Bankensystem rund ein Viertel des bestehenden Eigenkapitals kosten“, erläutert DZ-Analyst Oliver Piquardt. Den größten Kapitalverzehr mit rund 90 Prozent hätte demnach die Banco Comercial Português zu befürchten.
Die Betrachtung zeige aber auch, dass der reine „Griechenland-Effekt“ für die große Mehrheit der europäischen Institute verkraftbar wäre, so Piquardt. Ein signifikantes Griechenland-Exposure in Deutschland habe demnach noch die NordLB mit einem Anteil von 5,4 Prozent des Kernkapitals. Die Deutsche Bank liegt bei 1,5 Prozent, die Commerzbank bei 1,2 Prozent.
In absoluten Zahlen lagen der Studie von Kepler Capital Markets zufolge die Griechenland-Risiken der Deutschen Bank zuletzt noch bei 550 Millionen Euro, die der Commerzbank bei 300 Millionen Euro. Auf griechische Staatsanleihen entfallen bei der Deutschen Bank noch knapp 270 Millionen Euro, die Commerzbank hat ihre Bestände bereits auf null reduziert. Der Rest der Risiken entfällt im Wesentlichen auf griechische Unternehmensanleihen. Beide Institute haben diese Portfolios seit dem Ausbruch der Griechenland-Krise verringert.
Laut der DZ-Bank-Studie bestehen die Verlustrisiken darin, dass bestehende Forderungen entweder in eine neue, stark abgewertete griechische Währung konvertiert werden, oder dass die Ausfallraten wegen Zahlungsunfähigkeit der Schuldner ansteigen.
Vorkehrungen getroffen
Die indirekten Effekte sind laut DZ-Bank-Experte Piquardt jedoch kaum zu schätzen, da Marktreaktionen und offizielle Gegenmaßnahmen bekannt sein müssten. „Die Auswirkungen wären in jedem Fall signifikant negativ und wären ohne massive Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht beherrschbar.“ EZB-Chef Mario Draghi hatte am Freitag bereits angekündigt, das Bankensystem im Notfall zu stützen. „Das Eurosystem wird weiter Liquidität an kreditwürdige Banken bereitstellen, wenn das notwendig ist.“
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