10.11.2012 12:00

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von Andreas Höß, €uro am Sonntag

SORGE UM US-KONJUNKTUR

Schreckgespenst geht um: Angst vor der Klippe



USA nach der Wahl: Katerstimmung
Nach der Wiederwahl von Barack Obama zum US-Präsidenten bleibt die Lage an der Wall Street angespannt. Viele Investoren sorgen sich angesichts möglicher Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen um die US-Konjunktur im kommenden Jahr.

von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

New Yorks einflussreiche Finanzlobby muss sich nach Barack Obamas Wiederwahl als US-Präsident auf eine strenge Regulierung der Banken und Kapitalmärkte einstellen. Um das zu verhindern, hatte die Wall Street im US-Präsidentschaftswahlkampf Obamas republikanischem Herausforderer Mitt Romney mehr als dreimal so viel Geld gespendet wie Barack Obama. US-Finanztitel wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley gehörten in den Tagen nach der Wahl an der US-Börse zu den großen Verlierern. „Das wird mittelfristig aber auch für Papiere von Ölkonzernen, Versorgern und Minenkonzernen gelten“, sagt der renommierte US-Aktienstratege der Citigroup, Tobias Levkovich. US-Technologiewerte, Anbieter von regenerativen Energien und Krankenhausaktien werden nach seiner ­Einschätzung dagegen von Obamas Politik profitieren.

Schreckgespenst Fiskalklippe Wichtig für den Gesamtmarkt: Die von Expräsident George W. Bush eingeführten Steuervergünstigungen laufen Ende des Jahres aus. Die Demokraten sind gegen eine Verlängerung. Brisant ist die Lage deshalb, weil die Demokraten den Senat dominieren, während die Republikaner im Repräsentantenhaus, dem US-Parlament, über eine Mehrheit verfügen. Eine politische Pattsituation, die seit 2010 besteht und sich durch die Wahl am Dienstag nicht verändert hat.

Einigen sich die beiden US-Parteien nicht rechtzeitig, tritt die radikale Sanierung des US-Haushalts automatisch in Kraft. Der Schock kommt, wenn die beiden Großparteien Demokraten und Republikaner bis Jahresende keinen Kompromiss für den Abbau des über 16 Billionen Dollar schweren Staatsdefizits gefunden haben. In vollem Umfang macht die Sanierung, im Fachjargon „fiscal cliff“ genannt, vier bis fünf Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. Eine Vollbremsung in diesem Ausmaß würde Amerika in eine Rezession stürzen, mit deutlichen Folgen für die globale Wirtschaft.

Die Jahresendrally fällt wohl aus
Trotz dieser hohen Risiken erwarten Kapitalmarktexperten keinen schnellen politischen Kompromiss: „Demokraten und Republikaner werden die Debatten um den Kompromiss erbittert führen, aber sie werden uns nicht über die Klippe schicken“, hofft Manish Bangard, US-Aktienstratege der UBS-Bank. Die entscheidenden Politikertreffen finden schließlich erst im Januar statt. Die Jahresendrally fällt damit wohl aus. Investoren und Unternehmen sind extrem nervös und halten sich bei Investitionen zurück.

Während also mit der Stabilisierung am Häusermarkt die Ausgabebereitschaft der Konsumenten steigt und ein gutes Weihnachtsgeschäft wahrscheinlich ist, fahren die Konzerne mit Blick auf eine mögliche Rezession der US-Wirtschaft im kommenden Jahr ihre Ausgaben zurück.

Auch US-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank erwartet den Kompromiss in letzter Minute. Er geht davon aus, dass die Haushaltskürzung in Höhe von 665 Milliarden Dollar auf 200 Milliarden Dollar eingedampft wird. Das könne die Wirtschaft verkraften. „Das wäre kein Sturz von der Klippe, sondern ein Sprung vom Dreimeterbrett.“

Anleger sollten sich also nicht aus der Ruhe bringen lassen. Als US-Präsident Obama 2008 mit einem Sieg über John McCain ins Weiße Haus einzog, ging der Dow-Jones-Index am ersten Handelstag um fünf Prozent in die Knie. Dennoch bescherte Obamas erste Amtszeit den Investoren mit 67 Prozent Plus im Dow Jones und 27 Prozent Gesamtrendite mit US-Staatsanleihen gute Jahre.

Und obwohl sich die US-Wirtschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch nie so langsam von einer Rezession erholt hat wie zuletzt und weiter von hoher Arbeitslosigkeit geprägt ist, konnten die Konzerne im Standard-&-Poor’s-500-Index zehn Quartale in Folge ihre Gewinne kontinuierlich erhöhen. Die operative Marge der S & P-500-Unternehmen außerhalb der Finanzbranche liegt bei „über 14 Prozent“, sagt UBS-Experte Bangard. Er geht davon aus, dass die Konzerne ihr hohes Niveau bei der Profitabilität halten werden. Das schütze den US-Aktienmarkt gegen eine längere Serie von Gewinnmitnahmen.

Bildquellen: mistydawnphoto / Shutterstock.com

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Kommentare zu diesem Artikel

khaproperty schrieb:
10.11.2012 19:30:50

Fiscal cliff hin oder her. Vor dem Ignoranten und Nichtskönner Obama kapituliert jeder Unternehmer. Er entläßt, wandert aus oder schließt sich den Schmarotzern an. Das Volk wird das alles nicht mehr bezahlen wollen noch können. Amerika ist am Ende.

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