06.04.2012 03:00
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Gewinne machen mit Verlusten

Wer Verluste realisiert, kann einen Teil davon unter Umständen vom Finanzamt zurückverlangen
Spekulationsverluste
Fallende Kurse sind nicht immer schlecht. Manchmal helfen sie, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. €uro am Sonntag zeigt, wie das geht.
€uro am Sonntag

von M. Hinterberger, €uro am Sonntag

Griechenland hat den Schuldenschnitt gewagt. Für Privatanleger bedeutet das, dass sie ihre Anleihen in vier verschiedene neue Papiere umgetauscht bekommen. Hatte die alte Anleihe einen Nennwert von 1000 Euro, bekommen Anleger eine neue Griechenland-Anleihe im Wert von 315 Euro, eine Anleihe des Rettungsschirms EFSF für 150 Euro sowie für weitere 315 Euro eine Anleihe, deren Entwicklung ans Wachstum der griechischen Wirtschaft gekoppelt ist. Und für die übrigen 220 Euro erhalten Anleger eine Nullkuponanleihe des EFSF. So weit ist der Tausch noch einigermaßen nachvollziehbar.

Komplizierter wird es, wenn Anleger versuchen, die Verluste, die bei dem Tausch entstehen, in ihrer Steuererklärung zu nutzen. Um Verwirrungen zu vermeiden, hat das Bundesfinanzministerium ein Rundschreiben verfasst (IV C 1 – S 2252/0 :016, www.bundesfinanzministerium.de).

Kompliziert bleibt es dennoch
Das Schreiben erklärt, dass als Veräußerungserlös der alten Griechenland-Bonds die Summe der Börsenkurse der neuen Griechenland-Anleihe und der EFSF-Anleihe gilt. Der mutmaßliche Veräußerungsverlust der alten Anleihen ergibt sich, wenn man davon die ursprünglichen Anschaffungskosten der umgetauschten Griechenland-Anleihen abzieht.

Doch damit nicht genug: Die beiden weiteren Bestandteile der Umtauschaktion, die zweite Griechenland-Anleihe und die Nullkuponanleihe des EFSF, werden in das Depot mit Anschaffungskosten in Höhe von null Euro eingebucht. Das heißt, wer diese Anleihen verkauft, macht unter Umständen wieder einen steuerpflichtigen Gewinn.

Die Frage, wie Verluste mit griechischen Staatsanleihen steuerlich zu behandeln sind, ist nur eine von vielen, die unsere Redaktion in den vergangenen Wochen erreicht haben. Denn die Frage, wie man Verluste beim Steuernsparen nutzen kann, treibt viele um. Nicht zuletzt im Frühjahr, wenn Anleger beginnen, ihre Steuererklärung zu erstellen. Vor allem Altverluste, die aus den Jahren vor 2009 stammen, also aus der Zeit, bevor die Abgeltungsteuer eingeführt wurde, stehen im Mittelpunkt des Interesses.

Doch der Reihe nach: Seitdem der Bund 2009 die Abgeltungsteuer eingeführt hat, sind die Banken zu Helfern des Finanzamts geworden. Das heißt, sie führen von den Gewinnen direkt 25 Prozent sowie davon 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und — sofern der Anleger sie angegeben hat — die Kirchensteuer an den Fiskus ab. Macht der Anleger Verluste, richtet die Bank zwei „Verlusttöpfe“ ein: einen für die Verluste aus Aktienverkäufen und einen für die Verluste aus den übrigen Wertpapiergeschäften. „Das geschieht ganz automatisch, und der Depotinhaber muss dazu auch keinen Auftrag erteilen“, sagt Stefan Thiem, Steuerberater und Rechtsanwalt bei der Kanzlei Ebner Stolz Mönning Bachem im München. Hintergrund: Verluste aus Aktienverkäufen können nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden, Verluste aus den übrigen Wertpapiergeschäften, beispielsweise negative Stückzinsen, nur mit Gewinnen aus diesen.

Ein Beispiel: Wenn ein Anleger im Jahr 2010 Aktien verkauft und 1.000 Euro Verluste gemacht hat, verrechnet die Bank diese Verluste mit 1.000 Euro Gewinnen aus Aktienverkäufen aus dem Jahr 2011 — der Anleger zahlt dann hierauf keine Steuern.

Das ist die einfachste Variante. Komplizierter wird es, wenn ein Anleger zwei Depots führt und in dem einen Verluste und im anderen Gewinne anhäuft. In diesem Fall muss der Anleger prüfen, ob es sinnvoll ist, die Gewinne und Verluste in seiner Steuererklärung (Anlage KAP) zu verrechnen. „Wenn ja, dann kann er bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres bei der jeweiligen Bank eine Verlustbescheinigung beantragen“, sagt der Steuerberater.

Altverluste: Bis Ende 2013 gilt’s
Etwas komplizierter wird es bei Altverlusten aus Aktienverkäufen, die vor 2009 entstanden sind. Hier gilt der 31. Dezember 2013 als Stichtag. Bis zu diesem Tag können Altverluste mit sämtlichen „Spekulationsgewinnen“, die beispielsweise beim Verkauf von anderen Wertpapieren oder bei Termingeschäften entstanden, verrechnet werden. Danach können sie nur noch mit Gewinnen aus dem Verkauf von Immobilien, Kunstgegenständen, Devisen oder Edelmetallen verrechnet werden.

Erst die neuen, dann die alten Verluste
Was nach einer Menge Zeit und recht simpel klingt, erweist sich beim genaueren Hinsehen als vertrackte Angelegenheit, denn wenn Banken Verluste mit Gewinnen verrechnen, greifen sie dafür zunächst auf die Verluste nach neuem Recht zurück. Die Altverluste bleiben erst einmal außen vor.

Doch auch hier gibt es Lösungen. So bieten Banken ihren Kunden an, die Altverluste mithilfe von Zertifikaten in neue Verluste zu verwandeln. Dabei werden zwei Zertifikate gekauft. Sie sind so gestaltet, dass mit dem einen ein Gewinn, mit dem anderen Verluste erwirtschaftet werden. Die Altverluste werden mit dem Gewinn des einen Zertifikats verrechnet, und am Schluss bleiben die „neuen“ Verluste des zweiten Zertifikats stehen. Dieses Angebot gilt aber nicht für jedermann. „Banken bieten diesen Service vor allem an, wenn es um hohe Summen geht“, weiß Thiem. Er weist allerdings darauf hin, dass sich der Fiskus noch nicht geäußert hat, ob er solche Geschäfte mit speziell hierfür geschaffenen Derivaten anerkennt.

Der Trick mit den zwei Depots
Eine weitere Alternative wären zwei Depots. In einem werden Verluste gesammelt, im anderen die Gewinne. Damit ist alles sauber getrennt, und die Altverluste könnten direkt mit den Gewinnen in der Steuererklärung verrechnet werden. Ein weitere Möglichkeit seien nach Thiems Aussage Auslandsdepots. „Die haben immerhin den Vorteil, dass die ausländische Bank nicht die vorrangige Verlustverrechnung vornehmen muss und deshalb die Altverluste leichter genutzt werden können.“ Übrigens: Altverluste verfallen zwar nicht, sie können aber auch nicht vererbt werden. Wer mit den geerbten Verlusten seine Gewinne drücken will, hat leider Pech.

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