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aktualisiert: 06.08.2012 13:53

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€uro am Sonntag

STAATSSCHULDEN

Vermögensexperte Goltz: Nur die EZB kann Europa retten



Eckart Langen v. d. Goltz meint: Nur die EZB kann Europa retten
Die Eurozone ächzt unter der Schuldenlast. Doch weder mit Steuererhöhungen noch mit einer Nullzinspolitik lassen sich die Defizite in den Griff bekommen. Ein Schuldenerlass sei dringend erforderlich.

Diese Meinung vertritt Eckart Langen v. d. Goltz, Gastautor von Euro am Sonntag.

Sein Vorschlag: Die europäische Zentralbank übernimmt einen Teil der Tilgung für die Staaten, die Reformwillen beweisen.
Die Finanzsituation der EU-Staaten lässt sich mit einem Unternehmen vergleichen, das eine Milliarde Umsatz macht und vier Milliarden Schulden hat. Zum Abbau der Schulden braucht diese Firma dringend höhere Einnahmen. Diese können durch eine Steigerung der Gewinne oder durch eine Erhöhung der Preise erzielt werden. Gelingt dies nicht, geht dieses Unternehmen bankrott. Das gleiche Schicksal droht jetzt auch den überschuldeten europäischen Staaten. Die Situation in den USA, Japan und Großbritannien ist genauso schlimm.

Frau Merkel hat recht, dass Deutschland die Schulden schwacher EU-Staaten nicht ­bezahlen kann. Eine gesamtschuldnerische Haftung würde Deutschland ruinieren. Diese Haftung kann ausschließlich die Europäische Zentralbank übernehmen!

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e. V. (DIW Berlin) fordert Zwangsanleihen und Vermögensabgaben für reichere Mitbürger. Privatleute sollen also künftig Europas Schulden zahlen? Ein Irrtum, der zu keinerlei Schuldenabbau führen würde und im Gegenteil fatale Auswirkungen auf Investitionen und den Konsum hätte.

Schon der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt hat im Jahr 1937, wie jetzt der französische Präsident François Hollande, die Einkommensteuer für Wohlhabende und Besserverdiener auf 75 Prozent erhöht. Mit dem Ergebnis, dass sich die US-Wirtschaft weiter verschlechtert hat.

Was Europa unbedingt verhindern muss, ist eine Depression wie in den 30er-Jahren. Kurz vor dieser Depression hatten viele Wirtschaftsexperten, wie heute, einen Abbau der Staatsschulden gefordert. Auch alle Rettungsversuche mittels Währungsabwertung sind damals gescheitert. Die dramatischen Folgen: 30 Prozent Arbeitslosigkeit, Banken- und ­Firmenpleiten, Börsencrash sowie eine Verdreifachung der Staatsschulden.

Der Patient Europa liegt bereits auf der ­Intensivstation. Wenn er finanziell überleben will, bedarf es einer Soforthilfe. Die bis dato eingeleiteten und geplanten Rettungsmaßnahmen für Banken und Staaten führen letztendlich zu keinerlei Schuldenabbau. Auch die Absicht von EZB-Chef Mario Draghi, italienische und spanische Staatsanleihen zu kaufen, führt zu keiner Verminderung der Schulden. Im Gegenteil, sie werden weiter wachsen.

Eine Entschuldung durch Kaputtsparen und Steuererhöhungen, wie sie ansatzweise bereits in Griechenland und Spanien zu ­beobachten ist, führt letztendlich zu noch ­höherer Staatsverschuldung und irgendwann zu einem Staatsbankrott, sozialen Unruhen und einer Gefährdung der Demokratie.
Zur Verhinderung eines Staatsbankrotts hilft auch keine Nullzinspolitik. Zur Rettung des Euro bedarf es künftig einer deutlichen und vor allem raschen Rückführung der Staatsschulden mittels Schuldenerlass. Und das kann nur die EZB!

Die PSM Vermögensverwaltung schlägt zur Beendigung der europäischen Schuldenkrise folgende Lösungsmöglichkeiten vor:
1. Die europäischen Länder lagern sämtliche Staatsschulden, die über 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, in ­einen Pool aus. Das bedeutet: Sollte ein Eurostaat, der Haushaltsdisziplin und Reform­willen bewiesen hat, unfähig sein, die ausgelagerten Schulden zu bedienen, so muss die EZB deren Tilgung übernehmen. Nur so könnte die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Staaten aufrecht erhalten werden.
2. Die EZB bzw. der künftige Rettungsschirm ESM (mit einer Banklizenz) kaufen ­europäische Staatsanleihen von bis zu 3.000 Milliarden Euro auf. So wie das in den USA und Japan bereits geschehen ist. Dieser Aufkauf verringert allerdings nicht die Schulden der EU-Staaten. Irgendwann wird die EZB ­gezwungen sein, auf eine Rückzahlung von bis zu 50 Prozent dieser Forderung zu verzichten. So wie es bald im Fall Griechenlands passieren wird. Bei einem Verzicht von circa 3.000 Milliarden Euro würden die Staatsschulden in Europa von heute auf morgen auf fast 60 Prozent fallen. Mit diesem notwendigen Befreiungsschlag wären Europa und auch der Euro gerettet. Bei Anleihen mit EZB-Garantie
sinkt die Zinsbelastung
3. Die sinnvollste und gleichzeitig kostengünstigste Sofortlösung wäre eine befristete vollständige Rückzahlungsgarantie der EZB für sämtliche Staatsanleihen aller EU-Länder. Selbstverständlich mit den bereits erwähnten Kontrollen der EZB. Dann wären europäische Anleihen mit einer EZB-Garantie wieder eine ernst zu nehmende Alternative zu ­japanischen und amerikanischen Anleihen. Sofort würde die Zinsbelastung für neu emittierte Staatsanleihen bei den meisten Euro-Mitgliedsstaaten deutlich sinken.

Bei allen vorgeschlagenen Lösungen wird es in den nächsten Jahren zu keiner größeren Inflation kommen. Die Konsumenten haben einen Anteil von fast 70 Prozent am BIP. Doch sie sind weltweit ebenfalls oftmals überschuldet, die Reallöhne sind in den letzten zehn Jahren gesunken und die Banken geben kaum noch Kredite. Wie soll daraus eine stärkere Inflation entstehen?

Angesichts der anhaltenden Turbulenzen auf den Finanzmärkten sollten sich die Vermögensinhaber zunächst mit Vermögens­sicherung beschäftigen. Denn im letzten Akt der Krise kann ein bis dahin reformiertes ­Europa zu einer der interessantesten Anlageregionen werden.

Nicht das ganze Geld in
Immobilien investieren

Ein Vermögensverwalter hat vor einiger Zeit erklärt, wer sein Vermögen in Papiergeldwährungen investiere, begehe Selbstmord. Wir sind anderer Meinung. Wer alles Geld jetzt schon in Sachwerte investiert, versäumt später die besten Gewinnchancen an den ­Finanzmärkten.

Bei Festgeld und Bundesanleihen ist kaum noch eine vernünftige Rendite zu erzielen. Deswegen investieren aktuell viele Vermögensinhaber ihre gesamte Liquidität in Immobilien zu oft überhöhten Preisen. Falsche Inflationsängste haben diesen Boom angeheizt. Bei einer möglichen Wiedereinführung der Vermögensteuer im nächsten Jahr oder einer Besteuerung von Immobilien wie in Italien, kommt es schnell wieder zu einer Ernüchterung auf den Immobilienmärkten.

PSM ist kein Fondsmanager, der immer in Aktien investiert sein muss, egal, ob die Papiere überteuert sind oder nicht. Für einen Aktien- oder Mischfonds ist es ganz normal, dass er zeitweise mehr als 30 Prozent verlieren kann. Für die Kunden der PSM Vermögensverwaltung aber wäre ein solcher Verlust vollkommen inakzeptabel. An der Börse gibt es eine Zeit des Säens und des Erntens. Dazwischen liegt eine längere und manchmal frustrierende Zeit des Wartens. Wir investieren nur dann in Aktien, wenn sich gute Chancen bei akzeptablen Risiken bieten.

Erst wenn sich klare Lösungsansätze zur Bewältigung der Schuldenkrise herauskristallisieren, sollte man wieder verstärkt in Aktien, Rohstoffen und Sachwerte investieren.
Aus dem Ruder gelaufen (pdf)

zur Person:

Eckart Langen von der Goltz, Gründer und
Gesellschafter der PSM Vermögensverwaltung
Geboren in Berlin und aufgewachsen in München studierte Eckart Langen von der Goltz Volkswirtschaft. 1965 gründete er die PSM Vermögensverwaltung in Grünwald bei München. Die PSM ist eine der ältesten bankenunabhängigen Vermögensverwaltungen Deutschlands. Aktuell verwaltet sie rund 800 Millionen Euro Kundengelder. Bis auf 2011 mit ­einem Minus von 0,35 Prozent, erzielte das PSM-Privatdepot seit dem Start im Jahr 1999 eine stete Wertsteigerung ohne ein Verlustjahr.


Weitere Links:

Kommentare zu diesem Artikel

Bubblebobble9.11 schrieb:
Wertung: 1/5

10.08.2012 13:37:17

Interessant. PSM investiert nicht nur in Aktien...
Man wird doch nicht Bufu shorten oder?

Bubblebobble9.11 schrieb:
Wertung: 1/5

10.08.2012 13:33:55

Der Spinner hat ja null Ahnung:
Die EZB soll die Schulden tilgen? lolololol. Wie vielleicht durch ELA?
lolololol.

Bubblebobble9.11 schrieb:
Wertung: 1/5

10.08.2012 13:31:39

Warum lässt man immer diese Lobby zu Worte kommen, den man sowieso alles zu verdanken hat...
Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren...deren Prinzip.
Jedes Kindergartenkind hat bessere Vorschläge: Die Reichen, die Profiteure sollen zahlen!

belfegore schrieb:
10.08.2012 12:35:44

die Frage ist doch, wieviele zB. amerikanische Banken halten EU-Anleihen - und wie stark ist Goltz mit denen verbandelt?

belfegore schrieb:
10.08.2012 12:32:13

na jedenfalls war dieser Artikel informativ! - ich weiss jetzt, dass ich PSM mein Geld nicht anvertrauen kann.

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