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aktualisiert: 11.02.2012 11:01

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STEUERN

Steuern sparen durch digitale Berater



Steuer-Software im Test
Was sechs ausgewählte Software-Programme für die Steuererklärung leisten. Euro am Sonntag hat sie getestet. Die Ergebnisse.

von Sophie Brand, €uro am Sonntag

Was nutzt einem eine Steuersoftware, die angeblich selbst komplizierte Ansätze mit einfachen Kniffen lösen kann, wenn der Benutzer die Menüführung nicht kapiert? Wer vor lauter Fenstern und Reitern am Bildschirm die Orientierung verliert, kann sogar einen Bumerangeffekt erleben: Denn Fehler in der Steuersoftware gehen zulasten des Steuerpflichtigen. Das stellte das Finanzgericht Rheinland-Pfalz klar (Az. 3 K 2674/10).

Fazit: Zum guten Preis-Leistungs-Verhältnis einer Steuersoftware gehört auch, dass sie nutzerfreundlich ist. Das Programm sollte nicht nur alle Steuer-Updates intus haben, es muss genauso einfach zu benutzen sein wie die TV-Fernbedienung. Prima, wenn Anbieter wie Buhl Data und der Akademische Arbeitsgemeinschaft Verlag endlich mit einer Version für Apple-Rechner kommen.

Grund genug für die Redaktion, die Programme fürs Steuerjahr 2011 zu testen. Die Apple-Software blieb außen vor, mehrere Varianten kamen auf den Prüfstand: die Standardversion für einfache Steuererklärungen von Arbeitnehmern oder Rentnern sowie die komplexeren Produkte für Freiberufler oder Gewerbetreibende, die je nach Anbieter als Deluxe-, Professional- oder Plus-Version bezeichnet werden. Gibt es von einem Anbieter mehrere Versionen, wurde die aufwendigste unter die Lupe genommen. So ist sichergestellt, dass auch komplizierte Vorgänge richtig erfasst werden.

Akademische ganz vorn

Zum Testergebnis:

Auf dem ersten Platz landete die „Steuer-Spar-Erklärung 2012 plus“ des Verlags Akademische Arbeitsgemeinschaft. Im Preis von 39,90 Euro inbegriffen ist das 830 Seiten starke Buch „Steuer-Kompass“. Es bietet Tipps und Infos und wird auf Wunsch zugesandt. Die Eingabe ist sehr komfortabel: Der Anwender kann vor- und zurückblättern, um Eingaben nachzuholen oder zu ändern. Etwas irritierend: Freiberufliche Einkünfte verstecken sich jetzt unter der Rubrik „Zinsen, Renten, Vermietung“. Dafür wird nach der Rürup-Rente gefragt und das Programm besticht dadurch, dass der Steuerbescheid am besten nachzuvollziehen ist. „Das Kundenfeedback fließt bei der ‚Steuer-Spar-Erklärung‘ direkt in die Programmverbesserung ein“, sagt Anja Sattig, Programmleiterin Software & Anwendungen. An dieser Stelle sei auch auf ein Preis-Leistungs-Schnäppchen hingewiesen: die Software „Steuer easy“, ebenfalls vom Verlag Akademische Arbeitsgemeinschaft. Dieses Programm hat gleichfalls den Musterfall korrekt gelöst — und das für 14,99 Euro!

Platz 2 erzielte das „Steuer-Sparbuch“ von Wiso, das sich in völlig neuer Optik präsentiert. Allerdings sind die Eingabefelder recht klein geraten. Das Programm ist gut strukturiert, mit dem übersichtlichen dreigeteilten Eingabebereich zur Navigation, der Datenerfassung sowie den Tipps und Hinweisen behält der Nutzer stets den Überblick. Zum Softwarepaket gehört zudem ein 320-seitiges Handbuch.

Auf Platz 3 rangiert die Software „Taxman 2012“ der Firma Lexware. Ein Plus: das 620 Seiten starke und sehr schön aufgebaute Handbuch. Der Datenimport aus dem Vorjahr ist möglich; EÜR-Rechner (kurz für die Einnahme-Überschuss-Rechnung), Reisekostenrechner und Fahrtenbuch sind integriert. Hilfreich ist die Vorabauswahl der Einkunftsarten, regelmäßig öffnen sich Fenster mit aktuellen Tipps. Auch diese Software fragt explizit nach einer Rürup-Rente. Wer noch Hilfe braucht, erhält diese über einen kostenlosen Onlinesupport.

Steuererstattung wird angezeigt
„Quicksteuer Deluxe“, ebenfalls aus dem Haus Lexware, landete in diesem Jahr nur auf einem der hinteren Ränge. Eine Vollinstallation ist nicht nötig. So müssen nur diejenigen den Reisekostenrechner installieren, die ihn auch benötigen. Das verkürzt die Installationszeit. Viele Voreinstellungen — beispielsweise zu den Angaben über Kinder — erleichtern die Eingabe. Auch für die Rürup-Rente gibt’s ein Eingabefeld. Rechts oben am Bildschirm wird immer die aktuelle Steuernachzahlung oder –erstattung angezeigt. Nachteil: Die Software enthält fast zu viele Tipps und Hinweise, die teilweise bestätigt oder weggeklickt werden müssen. Auf gedruckte Informationen wird leider verzichtet. Zwar war es für unseren Musterfall nicht maßgeblich, aber leider ist es mit der Software noch nicht möglich, Fälle mit ausländischen Kapitalerträgen zu berechnen.

Knapper Fünfter im Test wurde „T@x 2012 professional“ von Buhl. Auch diese Software präsentiert sich in neuer Optik, worunter jedoch die Größe der Eingabefelder leidet. Ein Handbuch ist nicht vorhanden, lediglich eine 240-seitige Bedienungsanleitung. Einen Steuerratgeber kann man sich jedoch als Pdf-Dokument anzeigen lassen.

Das Schlusslicht bildet Konz. Die Firma hat in diesem Jahr kein Softwarepaket auf den Markt gebracht. Nutzer werden jedoch online unter www.smartsteuer.de fündig. Hier lässt sich der Steuerfall übersichtlich eingeben. Die Gebühr für das Programm von 12,99 Euro wird erst dann fällig, wenn der Nutzer seine Erklärung ans Finanzamt absendet.

Der Musterfall
Ehepaar mit Kind

Um die Steuerprogramme in der Praxis einem Stresstest zu unterziehen, wurde die jeweilige Software anhand eines Musterfalls geprüft. Dieser ist nicht repräsentativ für den durchschnittlichen Steuerfall. Um auch komplexere Fälle zu berücksichtigen, wurden verschiedene Einkunftsarten herangezogen. Der Ehemann ist Angestellter bei einer Versicherung und verdient jährlich 65.000 Euro brutto. Davon bekommt das Finanzamt 12.000 Euro Lohnsteuer und 660 Euro Solidaritätszuschlag.

Werbungskosten des Paares Insgesamt macht der Ehemann Werbungskosten für Büromaterial in Höhe von 800 Euro geltend. Seit August arbeitet die Ehefrau freiberuflich als Übersetzerin. Ihre Einnahmen betrugen in diesem Jahr 8.200 Euro. Sie nutzt ein Arbeitszimmer im eigenen Haus. Hierfür fallen jährlich Kosten von 2.000 Euro an. Als Werbungskosten macht sie 900 Euro geltend. Das im September 2004 geborene Kind geht nach der Schule in einen Hort. Die Betreuungskosten hierfür betragen 1.000 Euro im Jahr. Beide Partner sind steuerlich zusammen veranlagt und konfessionslos.

Sonderausgaben des Mannes Je 6.000 Euro zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer für die gesetzliche Rentenversicherung, für die Arbeitslosenversicherung 2.500 Euro, die Basisbeiträge für die private Krankenversicherung betragen 4.500 Euro.

Die Ehefrau zahlte in diesem
Jahr 3.000 Euro für ihren privaten Krankenversicherungsschutz, außerdem 4.000 Euro für eine steuerlich geförderte Rürup-Rente. Das Paar gab zudem 600 Euro für die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung und eine Unfallversicherung aus. Zudem machen beide 2.800 Euro für einen Umzug geltend. Außerdem erhielt ein Maler 5.000 Euro für die Renovierung der neuen Wohnung.

Einkünfte aus Kapitalvermögen und privaten Veräusserungsgeschäften Der Ehemann verkaufte am 4. März 2011 ein Aktienpaket für 4.000 Euro. Er hatte es am 2. Februar 2011 für 2.500 Euro erworben. Die Bank behält 375 Euro Abgeltungsteuer ein, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag werden nicht einbehalten. Außerdem verkauft der Ehemann am 5. Mai 2011 Aktien für 8.000 Euro, die er am 10. April für 10.000 Euro erworben hat. Diese Transaktion fand bei einer anderen Bank statt. Steuern werden nicht einbehalten.

200 Euro Depotgebühren sind angefallen, die im Rahmen des Sparerpauschbetrags berücksichtigt werden. Außerdem erhält der Mann eine Dividende in Höhe von 3.000 Euro. Hier behält die Bank 750 Euro Abgeltungsteuer ein. Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag sind nicht fällig.

Note 1
Keep it simple: Mit der einfachsten Eingabemaske und der besten Nachvollziehbarkeit schafft es die Steuer-spar-erklärung Plus aufs Siegertreppchen. Preis: 39,95 Euro

Note 1-
Erstmals mit Mac-Version: Das Wiso Steuer-Sparbuch eignet sich für Laien und Profis. Das gut strukturierte Programm erleichtert die Bedienung und schafft es deshalb auf Platz 2. Preis: 34,95 Euro

Note 2+
Punkten mit Zugabe: Das 620 Seiten starke und gut strukturierte Handbuch überzeugt bei Taxman 2012 genauso wie die gute Bedienbarkeit des Programms. Preis: 14,95 Euro

Note 2
Guter Pfadfinder: Vor allem die übersichtliche Navigation zeichnet Quicksteuer DeLuxe aus. Dazu kommen zahlreiche Steuertipps, die manchmal fast schon zu viel des Guten sind. Preis: 29,99 Euro

Note 2-
Mangel gehört zum System: Kein Handbuch, aber dafür einen Steuerratgeber zum Herunterladen gibt’s bei T@x 2012 professional. Die Schrumpfkur mindert die Nutzerfreundlichkeit. Preis: 39,95 Euro

Note 3
Gespart: Von Konz gibt’s kein neues Softwarepaket. Für einfache Steuererklärungen lässt sich die Lösung auf www.smartsteuer.de nutzen. Manko: Freiberufler gehen leer aus. Gebühr: 12,99 Euro


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