08.06.2013 09:00

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STEUERN OPTIMIEREN

Steuerfallen: Achtung Zugriff!



Achtung: Zugriff!
Fondssparen mit Mischfonds oder ETFs ist eigentlich ein Kinderspiel. Komplizierte Steuerregeln sorgen aber für Verdruss - und für lästigen Papierkram.

von Andrea Martens, Euro am Sonntag

Es ist schon ein handfestes Dilemma: Der letzte Kassensturz war erfreulich, größere Anschaffungen stehen in absehbarer Zukunft nicht an, endlich ist eine hübsche Summe übrig, die nur darauf wartet, gewinnbringend zu arbeiten. Doch dann stellt sich die Frage: Wo eigentlich? Aktien erscheinen gerade jüngeren Menschen viel zu riskant — schon aufgrund mangelnder Börsenerfahrung. Und Bundesanleihen, Fest- und Tagesgeldkonten versprechen zwar Sicherheit, bieten derzeit aber nur extrem niedrige Zinsen. Ein Grund zum Verzweifeln?

Nein. Denn es gibt Mischfonds, die sowohl auf Aktien setzen als auch auf Renten — so nennen Profis Zinspapiere wie Staats- und Unternehmensanleihen. „Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten und Phasen niedriger Zinsen kann diese Fondsvariante eine gute Geldanlage sein“, sagt der Münchner Vermögensberater German Reng. Der Charme solcher Fonds: Auch wer noch nichts gespart hat, kann damit ein Vermögen aufbauen. Und das geht schon mit Sparraten ab 25 Euro pro Monat.

Die beste Mischung aus Aktien, Anleihen und manchmal auch Rohstoffen zu finden überlassen Sparer dabei einem Profi. Läuft alles gut, so erwirtschaftet der Fondsmanager regelmäßig Zinsen und Dividenden. Da er den Mix von Vermögenswerten im Fonds je nach Börsen-Wetterlage verändern kann, ist das Abfedern von Verlusten am Aktienmarkt zumindest theoretisch möglich. Gut gelungen ist das bisher etwa beim Mischfonds FvS Multiple Opportunities R der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. Der Fonds von Manager Bert Flossbach kam in den Krisenjahren 2008/09 mit einem Minus von neun Prozent passabel davon und machte den Verlust im folgenden Börsenaufschwung mehr als wett. Allein zwischen April 2009 und April 2010 legte der Fonds um mehr als 45 Prozent zu.

Vorsicht bei Auslandsfonds. So weit, so gut, dann mal los mit dem Vermögensaufbau mit Mischfonds. Kann ja nicht so schwer sein. Wenn da nur nicht die Sache mit der Besteuerung wäre. Bei deutschen Mischfonds ist das noch einfach. Seit 2009 fällt auf ausgeschüttete und thesaurierte — also reinvestierte — Fondserträge sowie auf Kursgewinne die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent an. Dazu kommen 5,5 Prozent Soli und gegebenenfalls die Kirchensteuer. Die deutsche Depotbank, bei der der Fonds verwaltet wird, verrechnet alle erzielten Erträge mit eventuellen Verlusten, ermittelt darauf die zu zahlende Steuer und meldet diese dem zuständigen Finanzamt. „Wer einen deutschen Fonds gekauft hat, muss sich damit in steuerlicher Hinsicht um nichts mehr kümmern“, sagt Finanzberater Reng.

Bei ausländischen Fonds dagegen, die etwa bei Luxemburger Tochtergesellschaften deutscher Fondshäuser beheimat sind, ist es etwas schwieriger. Schüttet der Fonds Zinsen und Dividenden aus, so sieht die deutsche Depotbank die Summen auf dem Konto des Anlegers, errechnet die fällige Steuer und führt sie ab. Das ist dann keine große Sache und genauso unkompliziert wie bei einem deutschen Fonds.

Problematisch wird es aber, wenn ein Fonds die Erträge nicht ausschüttet, sondern wieder neu investiert. In der Fachsprache heißt das thesaurieren. Das klingt nicht nur kompliziert, es macht die Sache auch steuerlich nicht einfach. „Da ausländische Fondsgesellschaften die Höhe der thesaurierten Zinsen und Dividenden nicht an die deutsche Bank des Anlegers übermitteln, kann diese auch keine Steuern abführen“, erläutert Reng. Effekt: Der Anleger muss Unterlagen über reinvestierte Erträge bei der ausländischen Fondsgesellschaft anfordern und die entsprechende Summe in seiner Einkommensteuererklärung angeben.

Allein das ist aufwendig genug. „Verkauft der Fondsanleger nun aber nach mehreren Jahren seine Anteile, so wird der Gewinn ebenfalls mit 25 Prozent Abgeltungsteuer belegt“, erklärt Reng. Ein Teil des Gewinns stammt aber aus den thesaurierten Erträgen, die bereits versteuert wurden. Und die doppelt gezahlten Steuern können sich Anleger erst im Nachhinein über die Einkommensteuererklärung zurückholen. Dafür wiederum müssen sämtliche Steuerbescheinigungen der ausländischen Fondsgesellschaft aufbewahrt werden. Will man das? „Steuerlich sind thesaurierende ausländische Mischfonds kompliziert und erfordern viel Arbeit“, warnt Reng. Ergo: Deutsche Mischfonds und ausländische Fonds, die Erträge ausschütten, sind aus Steuersicht einfacher.

Vorteil Fondsklassiker. Wer die Steuerfallen umgangen hat, kann sich dann auf das Wesentliche bei der Mischfondsauswahl konzentrieren: darauf, welcher Fonds zum eigenen Risikoprofil passt. Die Auswahl ist groß. Kaum eine andere Fondsgruppe bietet so viele unterschiedliche Anlagestrategien und Konzepte. „Verspricht sich ein Anleger beispielsweise von einer bestimmten Region oder Branche besonderes Wachstum, findet er mit Sicherheit auch einen Fonds, der entsprechend investiert“, sagt Reng. Grundregel: „Im Normalfall fahren Anleger besser, wenn sie auf ältere Fonds setzen“, so Rolf Drees vom Fondsdachverband BVI. Diese haben sich in der Regel über Jahre hinweg bewährt. Der UniRak (siehe Kasten unten) etwa ist ein Klassiker unter den Mischfonds. 1979 wurde er aufgelegt, und aktuell steckt ein Vermögen von 1,8 Milliarden Euro in dem Fonds. In den vergangenen fünf Jahren brachte er jeweils 4,1 Prozent. Krise hin oder her.

Generell sollte man auch die Fondskosten im Auge behalten. Bei Mischfonds können sich die Gesamtkosten, also Ausgabeaufschlag plus Verwaltungs- und Depotgebühren, leicht um die zwei Prozent pro Jahr bewegen. Bei einer Rendite von vier bis fünf Prozent ist das natürlich ärgerlich“, sagt Reng.

Alternative ETFs. Weitaus günstiger als Mischfonds, aber nicht weniger interessant sind passive, börsengehandelte Fonds, die Exchange Traded Funds (ETFs). Als „passiv“ werden sie bezeichnet, weil kein Fondsmanager das Auf und Ab an den Märkten ständig verfolgen und Anlageentscheidungen treffen muss. ETFs bilden stattdessen einen Index nach, beispielsweise DAX oder Dow Jones. Wer etwas erfahrener ist, kann sich mit einer Kombination aus ETFs auf Aktien- und Rentenindizes einen Mischfonds praktisch „selbst bauen“. Und je nachdem, wie hoch man den Anteil von Aktien- und Renten-ETFs gewichtet, lässt sich das Fondsdepot an die eigene Risikobereitschaft anpassen.

Zudem zeigt die Vergangenheit: In Sachen Rendite müssen sich ETFs nicht vor aktiv gemanagten Fonds verstecken. Schließlich schafft es bei Weitem nicht jeder Fondsmanager, einen bestimmten Vergleichsindex zu schlagen (im Fachjargon „Benchmark“ genannt).

Doch auch bei ETFs gilt wie bei Mischfonds: Vorsicht, Steuerfalle. Da ETFs die Dividenden in der Regel nicht ausschütten, sondern in den Kurs einarbeiten — thesaurieren —, sollte man auch hier ausländische Anbieter besser meiden. Wer ETFs wählt, deren ISIN mit dem Deutschland-Kürzel „DE“ beginnt, erspart sich viel Papierkram — und das eine oder andere Dilemma.

Bildquellen: filmfoto / Shutterstock.com

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