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08.01.2012 12:00

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STROMTARIFE

Strompreise: Private gucken in die Röhre



Für Normalverbraucher werden die Strompreise wieder teurer
Unerwartet rasch ist nach der Fukushima-Katastrophe der Strompreis an der Leipziger Energiebörse EEX wieder gesunken. Die Industrie profitiert. Für Normalverbraucher wird es trotzdem teurer.

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Nach dem unerwartet raschen Rückgang der Preise an der Leipziger Strombörse EEX im zweiten Halbjahr 2011 sind die Stromversorger erneut in die Kritik geraten. Denn von den niedrigeren Notierungen profitieren im wesentlichen Industriekunden, da diese Klientel direkt am Spotmarkt einkauft. Keine Senkungen dagegen bei Privatkunden, denen zum Jahreswechsel von den Versorgern vielfach noch höhere Strompreise aufgebrummt wurden.

Sondereffekte
Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, dämpft trotz des starken Preisrückgangs an der EEX nach Fukushima die Erwartungen auf sinkende Stromtarife für Privatkunden. „Das ist eine Normalisierung auf das Vorkrisen-niveau.“ Die Industrie profitiere davon, weil sie selbst direkt am Spotmarkt einkaufe, während die Haushaltskunden längerfristige Verträge hätten, die meist auf einjährigen Lieferkontrakten beruhten. „Deshalb können gerade Haushaltskunden wegen dieses Effekts kaum Preissenkungen erwarten, dafür war der Fukushima-Effekt insgesamt einfach zu kurz.“ Eine Interpretation, die Gunnar Harms vom Bund der Energieverbraucher mit Krawinkel teilt.

Die aktuellen Preissteigerungen führen Krawinkel und Harms auf regulatorische Sondereffekte zurück — wie erhöhte Netzgebühren. Mittelfristig würden diese Netzentgelte weiter steigen. Ebenso würde die Erneuerbare-Energien-Umlage von 2013 bis 2016 das Strompreisniveau weiter maßgeblich antreiben — für Privathaushalte. „Die Preissteigerungen bei den Privathaushalten werden weitergehen, während Industriekunden von Ausnahmeregeln profitieren“, sagt Harms. „Diese grundsätzliche Lastenverschiebung ist nicht hinnehmbar.“ Krawinkel sieht einen weiteren gravierenden Nachteil aus Verbrauchersicht darin, dass nach wie vor kein richtiger Wettbewerb auf dem Endkundenmarkt stattfindet. „Erst das würde das Preisniveau nachhaltig stabilisieren.“


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Milder Winter
Die Notierungen für einjährige Kontrakte an der Leipziger Strombörse EEX waren in der vergangenen Woche mit 52 Euro erstmals wieder auf das Niveau vor der Fukushima-Katastrophe gesunken. Angesichts der Energiewende in Deutschland und der Abschaltung von acht Altreaktoren waren die Strompreise im Zuge der Atomausstiegsdiskussion bis April/Mai auf über 60 Euro angezogen.

Beobachter befürchteten einen weiteren Anstieg, doch das Gegenteil trat ein. Das Stromangebot vor allem tschechischer und französischer Atomkraftwerke glich den Ausfall der deutschen Meiler aus. Hinzu kam ein bislang milder Winter und eine konjunkturbedingt eher mäßige Stromnachfrage.

Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum

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