Zahnzusatzversicherungen im Test
Dieter Krenze zahlt Höchstbeiträge an seine Krankenkasse, und nun präsentierte ihm sein Zahnarzt eine fette Rechnung. Mehr als 12.000 Euro werden fällig, damit er wieder zubeißen kann „Was die Kasse zahlt, ist ein Witz. Das meiste muss ich stemmen“, empört sich Krenze. Rechnungen vom Zahnarzt fürchten viele Kassenpatienten. Wer gesetzlich versichert ist, muss Zahnbehandlungen zum größten Teil oder komplett aus eigener Tasche zahlen. So verwundert es nicht, dass jeder Sechste der 70 Millionen gesetzlich Versicherten eine private Zahnzusatzpolice abgeschlossen hat.
Auf den ersten Blick ist eine solche Police eine gute Idee — denn Brackets, Inlays, Zahnersatz oder gar Implantate können mächtig ins Geld gehen: Hochwertige Inlays statt einfacher Plomben kosten einige Hunderter, ein neues Gebiss erreicht schnell den Gegenwert eines Mittelklassewagens.
Doch nicht alle Zusatzversicherungen halten ihr Versprechen und übernehmen den Teil der Behandlung, den die Kasse nicht zahlt. Trotzdem kann es sinnvoll sein, eine Zusatzpolice abzuschließen. Eine groß angelegte Untersuchung unseres Schwestermagazins €uro zeigt: Der Preis sagt wenig über die eingekaufte Leistung aus.
Kneifen, wenn’s drauf ankommt
Vor allem: Leistung ist nicht gleich Leistung. Im Test hat die Redaktion auch die Leistungsmerkmale gewichtet. Deshalb wurde beispielsweise die bürokratische Hürde, die Versicherer aufbauen, indem sie den Patienten nötigen, einen Heil- und Kostenplan vorzulegen, nur mit Faktor 0,2 gewichtet, Kostenerstattungen für Inlays dagegen mit Faktor 2,0.
Die Ergebnisse zeigen: Wenn es teuer wird, kneifen Versicherer gern. Bei der Erstattung von Inlays und Implantaten sowie dem oft teuren Zahnersatz konnten nur wenige Anbieter Topnoten erreichen. So zurückhaltend viele Versicherer leisten, bei den Preisen sind viele Anbieter recht offensiv. Das gilt nicht so sehr für die Einstiegsprämie, sondern vor allem für die Preisentwicklung.
Hintergrund: Die Prämien von Zahnzusatztarifen werden nach drei völlig unterschiedlichen Kalkulationsmodellen berechnet. Klassische oder Normaltarife arbeiten mit Altersrückstellungen — quasi ein Sparstrumpf gegen steigende Beiträge im Alter. Hier wird ein Teil des Beitrags auf die hohe Kante gelegt, was grundsätzlich auf den ersten Blick zu höheren Prämien führt. Die meisten neueren Tarifangebote bieten ein Kalkulationsmodell nach Art der Schadensversicherung, also ohne Altersrückstellung an.
Für den Versicherer haben solche Risikotarife doppelten Charme: Sie können — da ohne Sparstrumpf — mit billigen Einstiegsprämien locken. Zudem lassen sich höhere Leistungsausgaben leichter über spätere Prämiensteigerungen auf den Versicherten abwälzen. Bei den klassischen Tarifen gleicht die Altersrückstellung höhere Leistungsausgaben zunächst aus. Interessierte, die sich selbst auf die Suche begeben, sollten daher als Erstes nach der Kalkulationsgrundlage fragen.
Wer die Tabelle liest und den für seine Bedürfnisse besten Anbieter herausfiltert, kann eine gute Police finden. Für Dieter Krenze kommt der Check zu spät, denn das Risiko lässt sich nur versichern, bevor der Zahnarzt Bohrer oder Zange ansetzt. Wer schon Stammkunde beim Zahnarzt ist, hat es oft schwer.
Die besten Tarife für Ihre Zähne (pdf)
So lesen Sie die Tabelle (pdf)
Den vollständigen Test lesen Sie im aktuellen €uro Magazin, das bis 17. Juli am Kiosk liegt.
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