18.07.2013 15:10
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Bundesagentur verteidigt Spar-Broschüre für Hartz-IV-Empfänger

Umstrittene Sparvorschläge
Die Bundesagentur für Arbeit hat eine Broschüre mit Spartipps für Hartz-IV-Empfänger gegen Kritik verteidigt.
In dem rund 100 Seiten starken Heft des Jobcenters im Kreis Pinneberg wird unter anderem geraten, Leitungswasser statt Mineralwasser zu trinken, Möbel zu verkaufen oder Steine in Toiletten-Spülkästen zu legen, um Wasser zu sparen. "Das sind Tipps, die auch in vielen Zeitungen und Zeitschriften zu finden sind", sagte eine BA-Sprecherin am Donnerstag. Zudem sei das Heft zum größeren Teil hilfreicher Ratgeber für Behördengänge. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung über die Broschüre berichtet.

    In den sozialen Netzwerken wurde das Heft zum Teil heftig diskutiert und kritisiert. Es erzählt in Comics die Geschichte der fiktiven vierköpfigen Familie Fischer. Vater Knut muss Arbeitslosengeld II beantragen, zusammen mit Frau und Kindern beschließt er zum Beispiel, auf Fleisch zu verzichten. "Ich will sowieso Vegetarier werden", wird Tochter Lara zitiert - sie ist "bester Laune", wie es heißt. Wenig später verkauft die Familie elf Jahre alte Möbel im Internet. "Wahnsinn!" brüllt Vater Knut, als ein Schrank weggeht. Sohn Ben erklärt, dass Verkäufe aus dem Hausrat nicht angerechnet würden - anders als Gemälde oder Schmuck.

    "Solche Unterhaltungen finden in deutschen Haushalten statt", verteidigte die Agentur-Sprecherin den Stil. Zudem sei der Kreis Pinneberg nicht der erste mit der Idee. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt hatte die Broschüre am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter gelobt. Vorgestellt wurde das Heft bereits in der vergangenen Woche.

    Tipps und verständliche Sprache seien grundsätzlich gut, sagte der Sozialreferent der Caritas Schleswig-Holstein, Norbert Schmitz. "Nur sollte das Ganze dann auch so gestaltet sein, dass es der Lebensrealität entspricht und sich potentielle Leserinnen und Leser ernst genommen fühlen", kommentierte er die Broschüre. Das sei nicht der Fall. Auch Linken-Landessprecher Jens Schulz kritisierte die Publikation. "Es geht nicht, die schwierige Situation auf den Hartz-IV-Empfängern selbst abzuwälzen", sagte er.

    Nach Angaben des Jobcenters habe es Vorbilder aus anderen Städten gegeben. Unter anderem sei eine Veröffentlichung aus Dortmund bekannt. Das Interesse der Betroffenen sei in den vergangenen Tagen groß gewesen. Dennoch brachte die jüngste Diskussion die Nachfrage nach der Broschüre erst richtig in Schwung. Laut Jobcenter wurde sie bis Donnerstagmittag über 15 000 Mal heruntergeladen. Bis zum Mittwoch seien es weniger als 200 Downloads gewesen./idt/DP/jkr

PINNEBERG/NÜRNBERG (dpa-AFX)

Bildquellen: iStock
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