14.05.2012 09:28
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Altersvorsorge steht vor gewaltigen Umbrüchen

Mit der aktuellen Form der Altersvorsorge droht Millionen von Bundesbürgern in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Altersarmut – obwohl sie fleißig sparen.
Von Markus Steinbeis, Leiter Fondsmanagement der Huber, Reuss und Kollegen Vermögensverwaltung

Die Altersvorsorge in Deutschland steht vor gewaltigen Umbrüchen. Verantwortlich dafür sind die Rettungsmaßnahmen der Notenbanken: Sie drücken den Zins für als sicher geltende Anlagen klar unter die Inflationsrate und enteignen so sukzessive alle, die (nur) auf Sparbuch, private Rentenversicherung oder Staatsanleihen setzen. Anleger, die nicht in der Altersarmut landen wollen, müssen daher zwangsläufig „ins Risiko“ und temporäre Schwankungen ihrer Vermögenswerte hinnehmen.

Bis heute fußt die private Altersvorsorge in Deutschland auf folgendem Gedanken: „Investiere überwiegend in sichere Sparformen und Staatsanleihen erstklassiger Emittenten und baue dir damit einen Kapitalstock auf, mit dem du den Lebensstandard in späteren Jahren aufrechterhalten kannst.“ Bestätigt wurde dies jüngst von der Postbank-Studie “Altersvorsorge in Deutschland 2011/2012“. Demnach gehören neben der eigenen Immobilie Renten- und Lebensversicherungen sowie Bausparverträge und andere Sparverträge zu den beliebtesten Anlageformen. An letzter Stelle stehen Aktien(fonds).

Zeit der risikolosen Realrendite ist vorbei

Insbesondere seit Beginn der 1980er Jahre hat dieses Anlegerverhalten seinen Zweck meist erfüllt. Die Ausfallrisiken bei Staatsanleihen mit guter Bonität waren zu vernachlässigen, und die Zinszahlungen lagen meist über den Preissteigerungsraten. Damit wurde nicht nur langfristig ein Kapitalstock aufgebaut, auch dessen Kaufkraft nahm über die Jahre zu - und das risikolos.

Doch damit ist es nun vorbei. Die extrem expansive Notenbankpolitik hat die nominalen Renditen von Zinsanlagen hoher Bonität in weiten Teilen der Welt unter die Inflationsraten gedrückt. Man spricht von negativen Realzinsen. Wer sein Vermögen weiterhin in Anlageformen wie Sparbuch oder Bundesanleihen investiert, hat kaum eine Chance, die Kaufkraft seines Vermögens zu erhalten oder gar dessen realen Wert zu steigern. Das Gleiche gilt für Renten- sowie Lebensversicherungen.

Kaufkraft schmilzt jedes Jahr um 1,8 Prozent

Aktuell wird die fünfjährige Bundesanleihe mit ca. 0,8 Prozent pro Jahr verzinst, während die Inflationsrate in Euroland bei 2,6 Prozent liegt. Der Anleger verliert damit vor Steuern jährlich real rund 1,8 Prozent seines Vermögens - und das fünf Jahre lang! Was sich über diesen Zeitraum vielleicht noch verkraften lässt, wird langfristig zum echten Kaufkraftvernichter: Schon ein jährlicher negativer Realzins von 2,5 Prozent reduziert die Kaufkraft des Vermögens in 30 Jahren auf nur noch 47 Prozent. Auch die Lebensversicherer wissen, was die Stunde geschlagen hat: „Wir sind die Leidtragenden der Stützungspolitik der Notenbanken, die die Zinsen tief halten“, sagte vor Kurzem Nikolaus von Bomhard, Vorstandschef der Münchner Rück, zu der die Lebensversicherer Ergo und Victoria gehören.

Kein Ende der Überschuldung in Sicht

Es ist davon auszugehen ist, dass die globale Verschuldungskrise uns noch viele Jahre beschäftigen wird und die Notenbanken weiterhin alles tun werden, um die Zahlungsfähigkeit der Staaten zu garantieren. Das geht jedoch nur über künstlich niedrige Renditen bei Staatsanleihen. Diese Politik birgt langfristig zudem die Gefahr einer sich verschärfenden Geldentwertung, sodass die Differenz zwischen nominaler Verzinsung und Inflationsrate noch größer werden könnte. Das Ergebnis wären noch höhere negative Realzinsen.

Nur Sachwerte sichern Kaufkraft und Vermögen

Fazit: Risikolose Anlageklassen, die höhere Erträge als die Inflationsrate abwerfen, gibt es nicht mehr. Doch eben das ist angesichts der langfristigen Zeiträume bei der privaten Altersvorsorge absolut notwendig, um nicht an Kaufkraft einzubüßen. Dieser Sachverhalt spricht für Anlageklassen, die im Wert zwar schwanken können, aber deutlich bessere Chancen haben, langfristig die Kaufkraft zu erhalten. Dazu gehören breit gestreute Anlagen in Sachwerte wie Aktien, Edelmetalle, Immobilien und Rohstoffe. Das größte Risiko für die Altersvorsorge sind nicht kurzfristige Schwankungen im Vermögenswert, sondern die fortschreitende Enteignung über negative Realzinsen. Wer das nicht zügig in seiner Geldanlage umsetzt, wird zu den Verlierern der Notenbankpolitik gehören.

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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