
Libanon: traditionell stark
Politisch wie wirtschaftlich ist Stabilität eingekehrt – und auch die Finanzkrise konnte dem Libanon wenig anhaben. Ein lohnendes Investitionsziel also.
In den Medien wurde der Libanon immer wieder die „Schweiz des Nahen Ostens“ genannt. Bürgerkrieg und Nachbarschaftskonflikte haben diesen Status beschädigt, aber nicht ruiniert. Denn durch alle Wirren haben vor allem die libanesischen Banken eine enorme Stärke bewiesen – und auch die weltweite Finanzkrise konnte dem Land nur wenig anhaben.
Im Gegenteil: Die libanesische Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes Wachstum gezeigt. So wuchs die Wirtschaftsleistung in den Jahren 2007 und 2008 jeweils um mehr als sieben Prozent. Für 2009 rechnet der Internationale Währungsfonds mit einem Plus von neun Prozent, für 2010 erwartet die Institution weitere sechs Prozent Wachstum.
Robuste Wirtschaft
Warum zeigt sich die libanesische Wirtschaft so robust? Natürlich ist die Finanzkrise auch an den libanesischen Unternehmen nicht spurlos vorbeigegangen. Sie traf allerdings vor allem die exportorientierten Branchen – und damit nur einen geringen Teil der Wirtschaft. Die wesentlich verbesserte Sicherheitslage dagegen sorgte dafür, dass vor allem Tourismus, Bauwirtschaft und auch Banken sehr gut verdienten. Das positive Umfeld für die Wirtschaftsentwicklung wurde zudem durch die friedlichen Wahlen 2009 und einer anschließenden unproblematischen Regierungsbildung unterstützt. Skeptiker, die hier mit Turbulenzen gerechnet hatten, wurden eines Besseren belehrt.
Als Risiko für die Stabilität des Landes wird immer wieder die hohe Verschuldung genannt. Diese liegt nach Zahlen des Weltwährungsfonds bei rund 153 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Das ist viel auch im Vergleich etwa mit Griechenland, dessen Krise bei einem Schuldenstand von 113 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sichtbar wurde. Andererseits sinkt im Gegensatz zu anderen Staaten der Verschuldungsgrad des Libanon. Ende 2008 lag er noch bei 160 Prozent des BIP.
Banken profitieren
Ein gutes Umfeld also für die Banken. Ihre Stabilität während der Finanzkrise ist dabei auch auf eine relativ strenge Regulierung zurückzuführen. So besteht die Aufsicht im Libanon auf einem hohen Maß an Liquidität, die bei der Zentralbank gehalten werden muss. Dazu kommt, dass ungeachtet der gesetzlichen Anforderungen libanesische Banken traditionell über ein hohes Maß an Liquidität verfügen. Zudem dienen europäische Ableger den Banken als Puffer gegen mögliche Instabilität zu Hause.
Diese Ableger sorgen dafür, dass bei politischen Turbulenzen der freie Fluss des Kapitals gewährleistet bleibt. Denn auch in anderer Hinsicht sind Auslandsüberweisungen entscheidend für den Libanon: Rund 400.000 libanesische Bürger arbeiten im Ausland, vor allem in den Golfstaaten. Ihre Überweisungen sorgen für ein sattes Devisenpolster des gerade einmal 4,8 Millionen Einwohner zählenden Mittelmeerstaates. Rund 26 Milliarden US-Dollar flossen auf diesem Weg in den Libanon. Für hohes Deviseneinkommen sorgten auch die Touristen: Nach Zahlen der UNO wuchs der Touristiksektor von 2008 auf 2009 um 38,9 Prozent – das ist der Spitzenplatz weltweit beim Zuwachs.
Nummernkonten erlaubt
Das hat auch Auswirkungen auf den Immobiliensektor. Durch Investitionen in Tourismusprojekte sowie die große Nachfrage nach Wohnraum durch aus den Golfstaaten zurückkehrende Arbeiter stiegen im Libanon die Immobilienpreise bereits kräftig.
Der Libanon wird also als Anlageziel attraktiv – und das auch aus einem weiteren Grund: Im Libanon gilt noch immer, dass Kunden bei den Banken Nummernkonten eröffnen können, die Identität des Kontoinhabers also unbekannt bleiben kann.
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