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aktualisiert: 27.06.2011 13:10

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VERMÖGENSVERWALTER

Michael Reuss: Künftig geht es um Kapitalerhalt

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Die Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen wird ab 250.000 Euro aktiv
In wirtschaftlich turbulenten Zeiten sind gute Vermögensverwalter wie Michael Reuss besonders wichtig. Eine neue Serie in €uro am Sonntag stellt die besten Köpfe vor.

von Jörg Billina, €uro am Sonntag

Dunkler Parkettboden, edle Holzstühle mit dunkelblauem Sitzleder, große Fenster, die den Blick auf die nur wenige Meter entfernt vorbeifließende Isar freigeben: Der Konferenzraum von Huber, Reuss & Kollegen ist gediegen eingerichtet. Zur elegant-angenehmen Atmosphäre tragen auch die bis zur Decke reichenden Bücherregale bei. Die breit angelegte Titelauswahl umfasst Werke des Ökonomen John Maynard Keynes und seines Widersachers Milton Friedman. Hinzu kommen Abhandlungen über den Immobilienmogul Donald Trump, die Quandts, die Mohns, die Krupps. Auch findet man die komplette Brockhaus-Enzyklopädie, diverse Länder- und Rohstoff­lexika, eine Biografie über Deutschlands Rechenmeister Adam Riese und „Aus der Tiefe des Raums“ von Günter Netzer.

Dazwischen stehen all die Preise, die die unabhängige Vermögensverwaltung seit ihrer Gründung vor fast elf Jahren errungen hat: Sie ist der erfolgreichste Teilnehmer des von der DAB Bank und des Nachrichtensenders n-tv ausgerufenen Depot-Contests. Bislang schafften es die Münchner jedes Jahr unter die ersten Zehn. 2004 und 2005 belegten sie sogar Platz 1. Zudem erhielten Huber, Reuss & Kollegen die begehrte Auszeichnung „magna cum laude“ des „Handelsblatt Elite Reports“. Von 360 getesteten Banken und Vermögensverwaltern wurde die Ehrung im vergangenen Jahr nur neun Gesellschaften zuteil. Allem Anschein nach steht der anhand all der Bücher dokumentierte Wissensdurst der Gesellschaft, die mittlerweile über 800 Millionen Euro an Anlagegeldern betreut, in engem Zusammenhang mit ihrem Börsenerfolg.

„Es macht heutzutage jedenfalls keinen Sinn mehr, sich nur auf Unternehmenskennzahlen zu konzen­trieren“, sagt der Gründer und geschäftsführende Gesellschafter Michael Reuss. Wer Geld mit Geld verdienen will, der müsse sich auch darüber informieren, was in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft passiert. „Aus diesen Bereichen können jederzeit maßgebliche Impulse für die Märkte kommen.“ Sie rechtzeitig zu erkennen und die sich daraus ergebenden Chancen und Risiken für die Vermögensanlage zu analysieren, bleibt für Reuss auch nach mehr als 20 Jahren professioneller Investment­erfahrung faszinierend. „Durch die intensive Beschäftigung mit der Börse werden die wesentlichen Entwicklungen in unserer Welt begreifbarer“, sagt Reuss.

Der sportliche 42-Jährige, druckreif formulierende und offenbar führungsstarke Experte verfolgt intensiv die Schuldenkrise südeuropäischer Staaten. Er sieht zu einer Umschuldung Griechenlands unter Beteiligung privater Gläubiger keine Alternative. Auch wenn dies Kolla­teral­schäden bei europäischen Banken und anderen Ländern verursache und die Aktienkurse zwischenzeitlich massiv belasten werde. Reuss bezweifelt die Stabilität des Euro und ist skeptisch, ob die Währungsunion in ihrer jetzigen Form auch noch in zehn Jahren existieren wird.

Langfristig negative Folgen drohten den Aktienmärkten vor allem durch das riesige Haushaltsdefizit der USA. „Die Schulden müssen abgebaut werden. Das aber führt zu Deflation und bremst das Wirtschaftswachstum – nicht nur in den Staaten, sondern weltweit.“ Um eine Rezession in ihren Ländern zu verhindern, dürften viele Regierungen jedoch ­erneut Konjunkturprogramme auflegen. Ebenso, meint Reuss, werden die Zentralbanken zu einer ultra­lockeren Geldpolitik zurückkehren – was wiede­rum die Inflation befeuern könnte. Da aber künftig eine ganze Reihe von Ländern in ihrer Bonität herabgestuft werden dürfte, werde die reichlich vorhandene Liquidität nicht in Staatsanleihen, sondern ­verstärkt in die Aktienmärkte fließen. „Diese Vermögenspreisinflation führt jedoch zur nächsten Blase, die über kurz oder lang platzen wird“, prognostiziert Reuss. „Künftig geht es daher nicht um hohe Renditen, sondern um Kapital- und Kaufkraft­erhalt“, so der Vermögensexperte.


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Die zwölf Portfoliomanager bei Huber, Reuss & Kollegen achten daher bei der Mittelverteilung ihrer Kunden stets auf eine breite Streuung. Unter anderem investieren sie in hochwertige Corporate Bonds, in Gold und andere Edelmetalle sowie in Länderanleihen, deren Währung eine Absicherung gegen Eurorisiken verspricht. Bei Aktien setzt die Vermögensverwaltung verstärkt auf Unternehmen, die ihren Markt beherrschen und deren Produkte auch in wirtschaftlich schweren Zeiten nachgefragt werden, wie den Nahrungsmittelkonzern Nestlé oder den russische Erdgasförderer Gaz­prom. Beide sind auch Teil eines von Huber, Reuss & Kollegen zusammengestellten, aus 25 Werten bestehenden Aktienportfolios. „In dieses Portfolio würden wir investieren, wenn wir das Gefühl haben, das Finanzsystem bricht zusammen, und wir die Mittel unserer Kunden schützen müssen“, sagt Reuss.

In der Regel entscheiden sich die Münchner Vermögensverwalter erst für ein Investment, nachdem sie umfangreiches Research betrieben haben. Dass es manchmal auch anders geht, beweist Reuss’ Tochter. Nachdem sie sich im Urlaub intensiv beim Vater über seine Arbeit und die Börse im Allgemeinen erkundigt hatte, bat sie ihn, einen Teil ihrer Ersparnisse in das amerikanische Modeunternehmen Abercrombie & Fitch zu investieren – eine Marke, die der Tochter seinerzeit gefiel. Reuss erfüllte den Wunsch, ohne sich den Titel genauer anzusehen. Die Aktie stieg seit August 2010 jedoch um 88 Prozent. Gut möglich, dass sich in der Bibliothek von Huber, Reuss & Kollegen demnächst auch Literatur über die stärksten Modehäuser dieser Welt findet. Reuss bleibt dabei: erst informieren, dann ordern. „Wir wollen schließlich kein Geld verlieren.“

Kommende Woche lesen Sie in dieser Serie über den Vermögensverwalter Dr. Jens Ehrhardt

Investor-Info

Huber, Reuss & Kollegen
Individuelle Finanzlösungen

Friedrich Huber und Michael Reuss gründeten 2000 die unabhängige Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen. Heute verwaltet das Unternehmen rund 800 Millionen Euro an Kundengeldern. Für die Betreuung eines individuellen Mandats ist ein Mindestkapital von 250.000 Euro notwendig, das Depotmanagement ist konservativ ausgerichtet. In einem ausführlichen Gespräch versuchen die Vermögensverwalter die speziellen Bedürfnisse des Kunden zu ermitteln und die dazu passenden Finanzlösungen zu finden. Huber, Reuss & Kollegen beschäftigen 18 Mitarbeiter, davon arbeiten zwölf als Portfoliomanager. Zusammen bringen es die Anlageprofis auf über 250 Jahre Investmenterfahrung. Das ­Fachwissen zahlt sich aus. Das Depot-Contest-Portfolio der Gesellschaft erzielte seit 2003 eine jährliche Rendite von 14,2 Prozent. Der Vergleichsindex bringt es nur auf sieben Prozent. Bislang gut geschlagen haben sich auch die beiden hauseigenen Publikumfonds (siehe unten).

Titelauswahl
Mensch und Computer als Team

Ob Aktien oder Renten – jedem Engagement geht eine intensive Analyse voraus. Zunächst generieren Huber, Reuss & Kollegen schlüssige Ideen. Dabei helfen internes und externes Research-Material und das hauseigene Handelssystem TIS. Es signalisiert anhand verschiedener Indikatoren Trends. Die Portfoliomanager suchen dann die dazu passenden Investments aus. Bei Aktien werden Unternehmen mit niedriger Verschuldung und hohen Eigenkapitalquoten favorisiert. Im Rentenbereich sind Bonds mit guter Bonität gesucht.

Arbor Inv. Vermögensverwaltung
Von allem etwas

Renten, Rohstoffe, Aktien, Immobilien, Währungen – im Vermögensverwaltungsfonds sind die Mittel auf die unter­schiedlichsten Investmentvehikel verteilt. Ingesamt besteht das Portfolio aus über 130 Einzeltiteln. Zu den Top-Picks gehören unter anderem Aktien des Medizintechnikers Medtronic und des Pharmaunternehmens Merck. Bei Anleihen setzt das Management unter ­anderem auf Freenet. Im Währungsbereich gilt die Türkische Lira als guter Schutz gegen Eurorisiken.

Arbor Invest Systematik
Hohe Flexibilität

Der Dachfonds investiert überwiegend in internationale Aktienfonds. Unter den Top Ten finden sich derzeit der Metzler Aktien Deutschland, der Starcap Priamos und der Fonds Templeton Emerging Markets. Insgesamt finden sich im Portfolio rund 30 Zielfonds. Die Auswahl der ­jeweiligen Produkte trifft der Dachfondsmanager. Kauf- und Verkaufstermine werden dagegen durch technische Analysesysteme bestimmt, die auf dem TIS-Handels­system beruhen. In un­sicheren Marktphasen kann der Dachfonds­manager bis zu 100 Prozent der Mittel in ­Geldmarktinstrumente investieren.


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