29.01.2017 03:00
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Finanzcoach Müller: Raus aus der Unzufriedenheit!

Euro am Sonntag-Service: Finanzcoach Müller: Raus aus der Unzufriedenheit! | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Service
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Diplom-Psychologin Monika Müller über den richtigen Umgang mit Geld, Tabus, Unterschiede zwischen Mann und Frau - und warum Pendeln glücklich machen kann.
€uro am Sonntag
von Martin Reim, Euro am Sonntag
Monika Müller ist Diplom-Psychologin und eine Pionierin auf ihrem Feld in Deutschland. Die Geschäftsleiterin der Wiesbadener FCM Finanz Coaching ist spezialisiert auf psychologische ­Aspekte bei Finanzentscheidungen und Finanzberatung. Die 54-Jährige arbeitet mit Einzelpersonen und Gruppen zu diesen Themen, organisiert Fortbildungen für Privatleute ebenso wie für Profis und schreibt Bücher.


€uro am Sonntag: Frau Müller, wie geht man am besten mit dem Thema Geld um?
Monika Müller:
Indem man sich zuerst bewusst macht, was man mit Geld verbindet - beispielsweise Freiheit, Sicherheit oder Macht. Und sich dann wieder ein Stück weit von diesen Vorstellungen distanziert.


Das müssen Sie genauer erklären.
Wenn beispielsweise ein Anleger Geld mit Freiheit gleichsetzt und er macht Verluste, dann löst das in ihm negative Gefühle aus, die mit dem Anlageprozess nichts mehr zu tun haben. Objektiv zu entscheiden wird schwieriger, und dadurch läuft man oft in eine Falle - nicht nur beim Anlegen.

Welche Falle?
Zu glauben, wir könnten mit mehr Geld glücklicher sein. Denn auch in puncto Geld gilt: Der Weg ist das Ziel. Wer das, was er tut, um das Geld zu bekommen, gern tut, bei dem ist alles okay. Gegenbeispiel ist jemand, der beim Arbeiten oder bei der Geldanlage nicht glücklich ist. Dann achtet er zu wenig auf den Weg und zu viel auf das imaginäre Ziel.


Wo liegt das Problem?
Wenn er bekommen hat, was er will, also das Ziel erreicht hat, ist das nur eine Momentaufnahme. Beispiel ist jemand, der beim Arbeiten hauptsächlich daran denkt, dass er dadurch seinen Urlaub ­ finanzieren kann. Dann ist er im schlimmsten Fall das ganze Jahr urlaubsreif und jammert über die Arbeitsbelastung.

Was ist die Alternative?
Raus aus der dauernden, latenten Un­zufriedenheit. Das ist eine Herausfor­derung, aber durchaus machbar. Beispielsweise jammern viele, die in der Großstadt leben und arbeiten, dass sie sich von ihrem Gehalt nur eine kleine Wohnung leisten können. Wenn es wirklich günstiger ist, sollte man sich bewusst entscheiden, weiter rauszuziehen und in eine größere Immobilie zu wechseln. Und dann nicht über das längere Pendeln zu klagen. Die Energie, die ins Jammern reinfließt, kann man woanders positiver nutzen.

Gibt es ein weiteres Beispiel?
Man entscheidet sich beispielsweise als Familie, angesichts knapper finanzieller Ressourcen nur noch alle zwei Jahre in Urlaub zu fahren - und stattdessen jede Woche bewusst eine Stunde gemeinsam zu verbringen. Reichtum ist immer nur ein Gefühl, und durch diese regelmäßigen Treffen kann man sich auch ohne Mehrausgaben bereichert fühlen. In vielen Fällen ist es besser, gerade jene gefühlsmäßigen Ziele, die man durch Geld erreichen will, besser ohne Geld anzustreben.

Wie soll man sich darüber klar werden?
Wenn ich etwas durch Geld erreichen will, steht dahinter ein konkretes Bedürfnis - das Gefühl, dass einem etwas fehlt. Eben Macht, Sicherheit, Unabhängigkeit, vielleicht auch erotische Anziehungskraft. Das führt manchmal zu einer sich selbst erfüllenden, negativen Prophezeiung.

Inwiefern?
Beispiel Macht: Wenn ich mich ohne Geld ohnmächtig fühle, dann traue ich mich möglicherweise nicht, um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Hingegen geht jemand, der auch ohne Geld selbstbewusst ist und seine Verhandlungsmacht kennt, eher zum Chef und hat am Ende wahrscheinlich mehr Geld. Oft ist das gewünschte Ziel auch trügerisch. Wer absolute Sicherheit will, steckt sich das Geld unters Kopfkissen. Aber dann frisst die Inflation das Geld langsam auf, von den Gefahren eines Einbruchs mal ganz abgesehen.

Was kann man gegen solche unguten Mechanismen tun?
Mal das Gegenteil von dem tun, was man bisher mit Geld gemacht hat. Beispielsweise haben viele ältere Leute ihr Leben lang gespart, um sich in der Rente sicher zu fühlen. Jetzt wären sie finanziell in der Lage, das Geld auszugeben. Aber sie tun es nicht, weil sie sich dann unsicher fühlen würden. Sie bekommen schlicht und einfach Angst, wenn sie Geld ausgeben sollen für etwas, was auf den ersten Blick sinnlos erscheint. Hier hilft: Bewusst mal was Neues tun - und dann üben, üben, üben.

Was heißt das konkret?
Wer bisher alles spart, soll sich selbst und anderen etwas gönnen. Der, der immer nimmt, könnte Bettlern etwas geben. Einen Kaffee im tollsten Café am Platz trinken. Etwas kaufen, einfach weil es einem gefällt, und nicht nach einem objektiven Nutzen suchen. Wer das tut und dann noch mit anderen darüber redet, gewinnt Freiraum. Ansonsten bleibt Geld ein Tabu - was es nicht unbedingt sein muss.

Ist Geld tatsächlich noch ein Tabu­thema? Die Nachrichten sind voll von Finanzthemen - hohe ­Managergehälter, niedrige Zinsen, ­steigende ­Aktienkurse …
Ich rede vom privaten Bereich. Oder sprechen Sie etwa mit Fremden darüber, wie viel Sie verdienen?

Normalerweise nicht.
So geht es uns allen. Wir erzählen, dass wir fünf Euro fürs Kino ausgegeben haben, aber nur wenige würden Ihnen erzählen, was ihr Auto genau gekostet hat. Oder ein Beispiel, das wir alle kennen: Wenn jemand mit viel Geld einen ärmeren Freund hat. Der Wohlhabendere fragt sich: Was denkt der andere, wenn er erfährt, wie viel ich verdiene? Oder der andere schämt sich, weil er weniger Geld verdient. Deshalb stellen wir bestimmte Fragen nicht, etwa die nach dem Gehalt.

Wenn Geld weniger tabuisiert würde, könnten wir dann souveräner damit umgehen?
Absolut. Jeder von uns muss regelmäßig seine Finanzen planen. Aber ich sehe bei vielen Unlust und Unkenntnis. Wir vermitteln Kindern, dass Finanzen keinen Spaß machen, und sprechen mit ihnen kaum über Geld. Deshalb fehlt ihnen als Erwachsenen die Kompetenz im Umgang mit Geld und Finanzprodukten. Das hat sogar berufliche Konsequenzen.

Was für Konsequenzen?
Schauen wir uns mal Männer und Frauen an. Frauen fühlen sich oft weniger kompetent, über große Summen zu verhandeln. Deshalb verdienen sie in der Regel weniger als Männer in der gleichen Position. Männer hingegen glauben oft, Geld mache frei. Deshalb tun sie oft nicht, was sie wirklich wollen. Viele arbeiten in Jobs, die zwar viel Geld versprechen, sie aber unglücklich machen.

In den USA wird offener über Geld ­geredet als bei uns. Woher kommt ­dieser Unterschied?
Amerikaner werden schon als Kinder in Liedern und Büchern dafür begeistert, stolz auf sich selbst und erfolgreich zu sein. Und Erfolg wird in den USA fast ­immer mit viel Geld verbunden. Wer also über sein hohes Gehalt, die schöne teure Wohnung und das neue Auto spricht, der zeigt anderen, wie erfolgreich er ist.

Wie können wir das Tabu rund ums Geld auflösen?
Ich denke, dass wir bereits dabei sind, wenn wir das Tabu öffentlich diskutieren. Umfragen zeigen, dass Paare schon offener über Geld sprechen als vor einigen Jahren. Bis wir auch in der Öffentlichkeit über unser Geld sprechen, wird es aber sicher noch Jahrzehnte dauern.

Und bis dahin?
Die finanzielle Allgemeinbildung stärken und dabei die Persönlichkeitsbildung einbeziehen. Denn Geld spiegelt unsere Persönlichkeit und unsere unbewussten Vorstellungen. Wir projizieren alles, was uns wichtig ist, auf Geld. Deshalb fallen unsere Reaktionen oft so heftig aus. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Viele Menschen werden von ihren Eltern erhebliche Vermögen erben. Um damit richtig umgehen zu können, reicht es nicht zu wissen, was ein Ak­tienfonds ist.

Sondern?
Da geht es auch um Gefühle den Ver­storbenen und den Miterben gegenüber, die unsere Entscheidungen beeinflussen. Diese Empfindungen zu haben ist in Ordnung. Aber wir müssen den Menschen beibringen, mit den Gefühlen, die Geld und Vermögen auslösen, bewusster umzugehen.

Finanzcoach Monika Müller rät:

1. Machen Sie sich bewusst, was Sie mit Geld verbinden, und distanzieren Sie sich ein Stück weit davon. Dann entscheiden Sie objektiver.
2. Tun Sie mit Ihrem Geld etwas, was Sie noch nie getan haben, und reden Sie mit Ihren Freunden da­rüber. Das schafft Freiraum im Umgang mit Geld.
3. Behandeln Sie Ihre Töchter und Söhne gleich: Geben Sie ihnen gleich viel Taschengeld und reden Sie mit ihnen über Geld. So ent­wickeln Ihre Kinder Freude und Kom­petenz im Umgang mit Geld.
4. Stärken Sie Ihre finanzielle Allgemeinbildung. Damit ­stärken Sie Ihre Persönlichkeit.
5. Tun Sie das, was Sie gern tun, um das Geld zu bekommen. Der Weg ist das Ziel!
Bildquellen: Monika Müller, andrey popov / Shutterstock.com, Andrey_Popov / Shutterstock.com

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