17.07.2017 01:00
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Berufsunfähigkeits-Policen im Test: Im Fall des Falles

Euro Magazin-Service: Berufsunfähigkeits-Policen im Test: Im Fall des Falles | Nachricht | finanzen.net
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Günstige und umfassende Absicherungen gegen Berufsunfähigkeit sind rar. €uro zeigt die besten Policen - und Alternativen, falls ein kompletter Schutz nicht möglich ist.
von Martin Reim, €uro Magazin

Hohe Anspannung, niedrige Reizschwelle, zu viele Gedanken zur selben Zeit und eine ständige Ungeduld mit anderen und sich selbst - so in etwa macht sich Stress bemerkbar. Fast drei Viertel aller Berufstätigen fühlen sich manchmal oder häufig gestresst, zeigt eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse. Und knapp zwei Drittel stimmen der Aussage zu: "Ich habe heute mehr Stress als noch vor drei Jahren."


So verwundert es kaum, dass Berufsunfähigkeit (BU) immer häufiger auf Leiden beruht, die mit erhöhten Anforderungen im Job zusammenhängen können. So machen Nervenkrankheiten und psychische Erkrankungen mittlerweile mehr als ein Drittel aller Versicherungsfälle aus, wie der Versicherer Swiss Life, einer der größten Anbieter von BU-Policen, für €uro errechnet hat. Andere Statistiken gehen in eine ähnliche Richtung.


Grund genug also gerade für Stress­anfällige, eine private BU-Police abzuschließen. Doch wer sich um einen solchen Vertrag bemüht, tut sich oft schwer. Denn jeder Anbieter kocht sein eigenes Süppchen. Hintergrund ist die Hoffnung, gerade jene Kunden zu bekommen, bei denen eine Berufsunfähigkeit besonders unwahrscheinlich ist. Konsequenz: Wer exakt ins Raster passt, bekommt einen extrem günstigen Vertrag. Wenn aber auch nur ein Detail abweicht, lehnt der Versicherer möglicherweise ab, schließt bestimmte BU-Risiken aus, etwa Rückenleiden oder psychische Erkrankungen. Oder die Prämie schnellt in die Höhe.

Wie groß diese Prämienunterschiede sein können, hat die unabhängige Rating­agentur Franke & Bornberg bei ­einem Versicherer exemplarisch herausgefunden. Wenn ein Einzelhandelskaufmann statt zu 76 Prozent nur zu 70 Prozent im Büro arbeitet, zahlt er ­womöglich mehr als das Doppelte der ursprünglichen Prämie. Hintergrund: Bürotätigkeit gilt bei Versicherern als eher gesundheitsschonend. In den Tabellen auf den Seiten 129 und 130 hat €uro anhand der Daten von Franke & Bornberg die besten Angebote für vier realistische Beispielfälle errechnet. Allerdings gilt auch hier: Selbst kleinste ­Abweichungen vom Beispielfall können zu großen Unterschieden führen.


Richtig anfragen. Generell empfiehlt es sich, Angebote bei mehreren Versicherern einzuholen. Das zeigt eine Studie des unabhängigen Versicherungsmaklers Helge Kühl. Für die Zeitschrift "Ökotest" wertete er vor einigen Jahren mehr als 5000 Anfragen für 1100 reale Personen aus. In der ersten Runde hatte er sich an jeweils drei Anbieter gewandt. Ergebnis: Nur vier Prozent der Anträge gingen bei allen Unternehmen durch. Im Schnitt waren fünf Anläufe nötig, bis mindestens eine Offerte mit akzeptablen Preisen und Bedingungen zurückkam.

Wichtig: Wer sich für eine BU-Police interessiert, sollte seine Anfragen nicht auf eigene Faust stellen, betont Bianca Boss, Sprecherin des Bundes der Versicherten (BdV). Wird der Antrag abgelehnt, riskiert man, dass seine Daten im Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherungswirtschaft gespeichert werden. Boss: "Eine Ablehnung verringert die Erfolgsaussichten von Anträgen bei anderen Anbietern."

Mit HIS machen die Versicherer Jagd auf Betrüger und sammeln Daten zur Risikoprüfung. Die Auskunftei stellt die Daten nur den Versicherern zur Verfügung, eine gesonderte Einwilligung der Betroffenen ist nicht nötig. Sachbearbeiter, die auf HIS-Einträge stoßen, prüfen Anträge besonders eingehend. Für einen HIS-Vermerk reicht bei einem Antrag für eine BU-Police schon eine Vorerkrankung wie ein Hörsturz, ein gefährlicher Beruf oder eine hohe Versicherungssumme.
Boss empfiehlt, vor dem konkreten Antrag mittels anonymer Anfrage zu ermitteln, ob es überhaupt Chancen auf ­einen Vertrag gibt. Diese Risiko-Voranfrage kann laut Boss über Versicherungsberater und -makler gestellt werden.

Was ist beim Antrag noch zu beachten? "Sich dagegen wappnen, dass der Versicherer im Schadensfall nicht zahlen will", rät Beatrix Hüller, Fachanwältin für Versicherungsrecht, die jahrelang BU-Fälle bei einem Versicherer reguliert hat.

Konkret bedeute das: "Erstens: die Antragsfragen zur Gesundheit möglichst exakt beantworten, sonst ist die Gefahr groß, dass der Versicherer mit einer Verweigerungstaktik durchkommt." Zweitens: Wenn ein Vermittler den Antrag ausfüllt, können Fehler passieren, die sich später rächen. "Deshalb sollte man von dem Termin ein Gedächtnisprotokoll anfertigen und einen Zeugen da­beihaben."

Drittens hält Hüller es für ratsam, vor einem Antrag die Auskunft der Krankenkasse einzuholen und die Krankenakte des Hausarztes beizufügen. Viertens: "Eine Rechtsschutzpolice bei einer anderen Gesellschaft abschließen oder einen bereits laufenden Vertrag überprüfen, ob dieser auch Versicherungsstreitigkeiten umfasst." Die Police muss vor dem BU-Abschluss mindestens ein Vierteljahr laufen und jene zehn Jahre abdecken, in denen der Versicherer wegen falscher Angaben im Antrag eine Zahlung verweigern kann.

In die Bewertung des Versicherungsangebots, die €uroNote, fließt auch das Verhalten der Versicherer bei einem ­Antrag auf BU-Rente ein. Hintergrund: Franke & Bornberg hat für viele Anbieter Unternehmensratings vergeben. Bei diesen wurde auch die Regulierungspraxis bewertet. Anbieter mit einem Rating bekommen in den Tabellen einen Punkteaufschlag in der Kategorie "Rating". Sollte man angesichts solcher Un­sicherheiten überhaupt versuchen, eine BU-Versicherung abzuschließen? Vo­raus­gesetzt, dass man einen bezahlbaren Vertrag bekommt, sagt BdV-Sprecherin Boss klipp und klar: "An dieser Police führt kein Weg vorbei."

Starker Prämienanstieg. Allerdings sind die Prämien für neue Verträge seit dem letzten Test vor Jahresfrist deutlich gestiegen. Franke & Bornberg hat ein durchschnittliches Plus von vier bis fünf Prozent errechnet. Dieser unüblich hohe Wert ist zum Teil auf die Senkung des gesetzlichen Garantiezinses von 1,25 auf 0,9 Prozent Anfang des Jahres 2017 zurückzuführen. Diese betraf vor allem Lebensversicherungen - aber auch BU-Policen. Denn die Versicherer bauen ein ­Finanzpolster in Höhe der voraussichtlichen Leistungen auf. Dieser Kapitalstock wird mit dem Garantiezins verzinst: je niedriger dieser Zins, desto höher der notwendige Kapitalstock.

Was sollte jemand tun, der an untragbar hohen Prämien oder einer branchenweiten Ablehnung scheitert? Da gibt es einige Alternativen. Sie alle bieten - wenn man eine Parallele zum Auto zieht - quasi Teilkasko-Lösungen mit unterschiedlichen Umfängen, während BU-Policen der Vollkaskoschutz für die Arbeitskraft sind.

So lesen Sie die Tabelle

Im Mittelpunkt dieses Tests stehen ­sogenannte selbstständige Berufs­unfähigkeitspolicen (SBU), die nicht an andere Verträge gekoppelt sind. Wenn die Absicherung nur zusammen mit anderen Verträgen erhältlich ist, wurde die sogenannte Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) bewertet. Die Daten stammen von der Rating­agentur Franke & Bornberg, die Benotung von €uro.

Untersucht wurden Modellfälle zu vier Berufen. Bei "Jurastudent/-in" nahmen 39 Anbieter mit 47 Tarifen teil, bei "Bankkaufmann/-frau" und "Ver­triebs­leiter/-in" 41 Anbieter und Tarife, bei "Friseur/-in" 39 Anbieter und Tarife. Alle Verträge mussten mindestens bis zu einem Endalter von 64 Jahren laufen können. Übliches End­alter sind 67 Jahre. Bei "Jurastudent/-in" wurde gegenüber dem Vorjahrestest eine methodische Änderung vorgenommen. In dieser Kategorie steigen die Prämien in den meisten Fällen mit zunehmender Laufzeit zumindest zeitweise an. Bislang haben wir einen Durchschnitt der Werte des ersten, sechsten und elften Jahres als Basis genommen. Bei manchen Tarifen steigen die Prämien allerdings auch nach dem elften Jahr weiter. Um hier korrekt zu werten, haben wir nun mit den Durchschnittsprämien über die gesamte ­Laufzeit kalkuliert.

In den Tabellen auf den beiden folgenden Seiten sind aus Platzgründen nur die besten Tarife abgebildet. Die kompletten Ergebnisse finden Sie im ­Internet unter www.finanzen.net/­finanzenverlag/bu_test_2017. Punkte für die Leistungen wurden in zwei Kategorien vergeben: für Tarif beziehungsweise Anbieter ­sowie - abhängig vom Beispiel - für mindestens vier der folgenden sechs Zusatzkriterien:

Feststellungs- und Leistungs­phase. Es gab Punkte, wenn im Vertrag klar geregelt ist, unter welchen Bedingungen die Berufsunfähigkeit auch zeitlich befristet anerkannt werden kann, wenn verbindliche Bearbeitungsfristen genannt sind und der Versicherte im Leistungsfall beraten wird.

Rentensteigerung im Leistungsfall. Je mehr Rente es durch eine vorteilhafte Überschussbeteiligung geben kann, desto besser. Beruf und Lebensstellung. Die Lebens­stellung gibt Auskunft über Einkommen und soziale Wertschätzung des Berufs. Wird der Ver­sicherte auf einen anderen Job verwiesen, muss seine Lebensstellung erhalten bleiben. Exakt definiert sein muss auch die zumutbare Einkommensdifferenz zwischen aktuellem und möglichem Alternativjob. Und falls auf ein vorübergehendes Ausscheiden aus dem Beruf das endgültige Aus folgt, sollte die Lebensstellung weiterhin an den Zeitpunkt des Ausscheidens ­gekoppelt sein. Bei Studenten sollte der Tätigkeitsstatus eine besondere Berücksichtigung finden.

Nachversicherungsgarantie
(nur bei Student/-in und Bankkaufmann/-frau). Hier punkteten Versicherer, die auch ohne bestimmte Ereignisse, wie Heirat, Karrieresprung oder ­Elternschaft, und/oder ohne Fristen und Altersgrenzen nachversichern. Auch positiv ­bewertet: die Nachversicherungs­garantie bei Abschluss einer Berufsausbildung (einschließlich Studium).

Umorganisation (nur bei Selbstständigen). Hier gab es Punkte, wenn die Voraussetzungen für die Umorganisation von Selbstständigen genannt werden und auch die zumutbare Einkommensminderung, die bei einer Umorganisation hingenommen werden muss, exakt definiert wird. Der Versicherer sollte sich zudem an den Kosten beteiligen und Erfahrungen aus ähnlichen Fällen einbringen.

Wiedereingliederungshilfe (nicht bei Selbstständigen). Wer während seiner Berufsunfähigkeit neue Kenntnisse erwirbt und in einem anderen Beruf arbeitet, erhält weniger oder gar keine Rente mehr. Um dennoch den Anreiz für einen solchen Wechsel zu erhalten, bieten leistungsstarke Tarife eine ­Ersatzzahlung an - dafür gab es Zusatzpunkte.

Punktzahl Zusatzkriterien
Zu jedem Leistungspunkt wurden Punkte von null (keine Leistung) bis 100 (volle Leistung) vergeben. Diese Punkte wurden addiert und dann durch die Anzahl der Leistungspunkte dividiert.

Punktzahl Prämie

Parallel dazu wurden auf die Prämien Punkte vergeben. Die Bruttoprämie beziffert, bis zu welchem Wert die Prämie im Vertragsverlauf steigen kann. Sie ging mit zwei Dritteln in die Wertung ein. Der Rest entfiel auf die Nettoprämie, die den aktuellen Wert der Prämie zeigte. Die günstigste Gesamtprämie bekam dabei jeweils 100, die teuerste jeweils null Punkte. Die Tarife dazwischen bekamen Punkte je nach Platzierung. So bekam ein Tarif, dessen Prämie exakt dem Mittelwert entsprach, 50 Punkte.

Punktzahl Rating
100 Punkte gab es, wenn Franke & Bornberg den Tarif in der Kategorie "Komfort" oder "Komfort plus" mit "hervorragend" bewertet und ein Unternehmensrating vorlag. Schlechteste Wertung war ein "gut" in der Kategorie "Basis" ohne Unternehmensrating; dafür wurden 20 Punkte vergeben (Infos, wie Franke & Bornberg wertet, unter www.franke-bornberg.de/ratings).

Gesamtpunktzahl
Die Punkte für die Bereiche "Rating", "Zusatzkriterien" und "Prämie" werden zusammengezählt und dann durch drei geteilt.

Note 100 bis 80,01 Punkte = sehr gut,
80 bis 70,01 Punkte = gut,
70 bis 60,01 Punkte = befriedigend,
60 bis 50,01 Punkte = ausreichend,
50 bis 40,01 Punkte = mangelhaft,
40 Punkte und weniger = ungenügend.

Die Ergebnisse des BU-Tests

Die besten Versicherungen für Studenten (PDF)

Die besten Versicherungen für Angestellte ab 30 Jahren (PDF)

Die besten Versicherungen für Angestellte ab 45 Jahren (PDF)

Die besten Versicherungen für Selbstständige (PDF)

Alternativen zur Berufsunfähigkeits-Police

Billiger und leichter zu bekommen - aber geringerer Schutz

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die konkret ausgeübte Tätigkeit des Versicherten entscheidend. Es ­besteht also ein direkter Bezug zu dem ­Beruf, der vor der Beeinträchtigung ­ausgeübt wurde. Geld gibt es normalerweise, wenn die Tätigkeit wegen Krankheit, Verletzung oder einem Kräfteverfall, der stärker ist als dem Lebensalter angemessen, zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausgeübt werden kann. Doch was tun, wenn diese Policen nicht zu bekommen sind - egal ob aus gesundheitlichen, beruflichen oder finanziellen Gründen? Zu den jeweiligen Alternativen hat die Ratingagentur Franke & Bornberg beispielhafte An­bieter herausgesucht.

Erwerbsunfähigkeitsschutz
: Diese Versicherung leistet erst, wenn der Versicherte gar keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann, die auf dem Arbeitsmarkt angeboten wird. Der zuvor ausgeübte Beruf spielt keine Rolle. Selbst ein Ingenieur bekäme keine Rente aus dieser Police, wenn er noch als Pförtner arbeiten könnte. Der Schutz ist viel preiswerter als eine Berufsunfähigkeitsversicherung und ist unter anderem oft für Selbstständige geeignet. Auch für Menschen mit unbezahlter Tätigkeit wie Hausfrauen oder mit risikoreichen Berufen wie Dachdecker oder bei Vorerkrankungen ist das oft die einzige Möglichkeit der Absicherung. Nachteil: Nur wenn jemand fast gar nicht mehr arbeiten kann (weniger als drei Stunden täglich), erhält er eine Rente.

Beispielhafte Anbieter: Continentale, HDI, Stuttgarter

Schwere-Krankheiten-Versicherung: Sie wird auch Dread-Disease-Versicherung genannt und leistet bei vertraglich definierten schweren Erkrankungen (beispielsweise Krebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt) eine vereinbarte Versicherungssumme auf einen Schlag. Psychische Leiden und Rückenerkrankungen, häufige Gründe für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Beruf, sind normalerweise nicht abgedeckt. Ob der Versicherte trotz seiner Erkrankung noch arbeiten kann, spielt für die Zahlung keine Rolle. Genau wie für Berufsunfähigkeitspolicen müssen Kunden auch für eine Schwere-Krankheiten-Versicherung Gesundheitsfragen beantworten. Doch die Zeitschrift "Finanztest" hat ­herausgefunden, dass die An­nah­me­richt­linien weniger streng sind.

Beispielhafte Anbieter: Canada Life, ­Gothaer

Privater Unfallschutz: Eine Unfallversicherung leistet im Fall einer dauernden Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit infolge eines Unfalls. Unter "dauerhaft" verstehen die Versicherer in der Regel eine Zeitspanne von mindestens drei Jahren. Ein Bezug zur Erwerbstätigkeit besteht nicht, Beeinträchtigungen durch Krankheiten bleiben ebenfalls unberücksichtigt. Vom Grad der Invalidität nach einem Unfall hängt es ab, welchen Teil der vereinbarten Geldsumme Ver­sicherte erhalten. Der Haken: Nicht ­Unfälle, sondern Krankheiten wie Depres­sionen oder Rückenleiden sind die wichtigsten Gründe für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben.

Beispielhafte Anbieter: Interrisk, Janitos, HanseMerkur

Grundfähigkeitsversicherung
: Sie leistet bei Verlust bestimmter Grund­fähigkeiten wie Sehen, Hören, Sprechen, Gehen, Laufen oder Autofahren sowie bei Pflegebedürftigkeit. Auch der Verlust bestimmter intellektueller Fähigkeiten ist oft versichert. Aus welchen Gründen der Verlust eintritt, ist für die Rentenzahlung unerheblich. Ebenso, ob jemand durch den Verlust der Fähigkeiten noch weiterarbeiten kann oder nicht. Die Kriterien für eine Rentenzahlung sind sehr streng. Voraussetzung ist, dass der Versicherte die Fähig­keiten voraussichtlich für mindestens ein Jahr und auch meist vollständig einbüßt. Das bedeutet beispielsweise: Wer nur leichte Schwierigkeiten mit dem Sprechen hat, bekommt meist keine Rente, kann ­seinen Beruf vielleicht aber - gerade bei zahlreichen Kundenkontakten am Telefon - trotzdem nicht mehr ausüben.

Beispielhafte Anbieter: Aachen Münchener, Nürnberger, Zurich

Funktionsinvaliditätsschutz
, auch Multirisk-Versicherung genannt, schließt üblicherweise eine Grundfähigkeitsversicherung ein. Der Schutz ist je nach Tarif erweitert um Pflegebedürftigkeit, Unfallinvalidität, Leistungen bei schweren Erkrankungen oder Organschäden sowie im Todesfall. Die Vorausset­zungen für eine Rentenzahlung sind sehr streng. Die Krankheit muss einen bestimmten Schweregrad haben. Die Versicherer verlangen meist, dass die körper­lichen Be­einträchtigungen dauerhaft und nicht heilbar sind, ehe sie zahlen. Zum Teil müssen zudem mehrere Fähigkeiten gleichzeitig verloren gehen, bevor Kunden eine Rente erhalten. Gesundheitsfragen müssen Kunden auch bei der Funk­tions­invaliditäts­versicherung beantworten. Sie sind aber normalerweise etwas weniger umfassend als bei Berufsunfähigkeits­policen. Trotzdem können Kunden mit Vorerkrankungen abgelehnt werden.

Manche Angebote sind nach Art einer Lebensversicherung kalkuliert. Das heißt, der Versicherer kann den Vertrag üblicherweise nicht kündigen und auch die Prämien nicht erhöhen. Überschüsse aus der Kapitalanlage senken die Prämien.

Beispielhafte Anbieter: Allianz, Swiss Life, Volkswohl Bund.

Bei Offerten nach Art der Sachversicherung kann der Versicherer jährlich kündigen und die Prämien erhöhen.

Beispielhafte Anbieter: Arag, Barmenia, Die Bayerische

Bildquellen: Brian A Jackson / Shutterstock.com

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