19.06.2017 01:00
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Pflegepolicen im Test: Was die Pflegelücke füllt

€uro Magazin-Service: Pflegepolicen im Test: Was die Pflegelücke füllt | Nachricht | finanzen.net
€uro Magazin-Service
Pflegebedürftige müssen oft vierstellige Summen pro Monat zuzahlen, weil die gesetzliche Absicherung nicht reicht. €uro hat die besten Zusatzpolicen ermittelt.
von Martin Reim, €uro Magazin

Die Statistik wirkt alarmierend. Sage und schreibe 1311 Euro müssen Pflegebedürftige derzeit monatlich aus eigener Tasche hinzuzahlen, wenn sie in einem Pflegeheim leben. Das zeigen Hochrechnungen, die auf Daten des Verbandes der Ersatzkassen beruhen. Die Zahl zeigt den Bundesschnitt und liegt in einzelnen Bundesländern noch wesentlich höher, etwa in Nordrhein-Westfalen und Baden- Württemberg.


Die Lage hat sich durch das sogenannten Zweite Pflegestärkungsgesetz, das seit Anfang des Jahres gilt, zwar ein wenig entspannt. Denn die Zuschüsse aus den gesetzlichen Pflegekassen sind per saldo gestiegen. So wurden viele Menschen, die Ende 2016 pflegebedürftig waren, bessergestellt - und laut Gesetz niemand schlechter. Wer aber ab jetzt pflegebedürftig wird, muss oft mit steigenden Zuzahlungen rechnen - vor allem jene, die noch relativ selbstständig sind und trotzdem ins Heim gehen. "Die finanzielle Lücke ist für viele Versicherte in den niedrigen Pflegegraden gewachsen", warnt Finanzmathematiker und Gutachter Peter Schramm.

Auch der sogenannte Pflege-Bahr ist da nur eine geringe Hilfe. Die private Zusatzversicherung, vor vier Jahren eingeführt, ist nach dem früheren Bundes­gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) benannt. Bei Pflegegrad 5, der höchsten Stufe, gibt es üblicherweise nur 600 Euro im Monat. Da nutzt es wenig, dass es einen staatlichen Zuschuss von fünf Euro pro Monat gibt, wenn die Prämie mindestens zehn Euro beträgt.

Empfehlenswert sind hingegen sogenannte Kombi-Tarife, bei denen Pflege- Bahr und eine ungeförderte Zusatzver­sicherung desselben Anbieters zusammengefasst sind. Hier bekommen Pflegebedürftige erheblich mehr, wenn sie das richtige Paket wählen. €uro hat gemeinsam mit der Analysegesellschaft für ­Anlage- und Versicherungsprodukte die besten Offerten für beide Produktarten und je drei Altersstufen herausgefiltert. Ergebnis: In jeder Kategorie gibt es sehr gute Angebote.


Beim Pflege-Bahr sticht die Central mit jeweils durchgehender Bestnote hervor, bei den Kombi-Produkten erreichen Allianz und DKV die Topbewertung. Die Güte der Kombi-Tarife - gemessen an Prämienhöhe, Absicherung und Zusatzleistungen - ist sehr unterschiedlich und hängt stark vom Eintrittsalter des Versicherten ab. So kostet die Allianz-Kombination für einen 25-Jährigen gut 21 Euro, während es bei einem 55-Jährigen mehr als 87 Euro sind. Jenseits der 55 wird es teilweise prohibitiv teuer, weshalb €uro in diesem Jahr das Höchstalter der Untersuchung von 60 auf 55 gesenkt hat.

Schutz für die Erben. Trotz aller Sorgen wegen hoher Pflegekosten gilt: Wer über Kombi-Tarife nachdenkt, sollte nachrechnen, in welchem Umfang er eine zusätzliche Absicherung tatsächlich braucht. Denn wer im Job pflegebedürftig wird, kann eventuell Leistungen aus der gesetzlichen Erwerbsunfähigkeits- oder der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung erwarten, vielleicht auch aus einer Unfallversicherung. Hinzu kommen im Rentenalter die gesetzliche Rente, oft private Zusatzversorgungen und finanzielle Rücklagen. "Eine Pflegezusatzversicherung ist häufig ein finanzieller Schutz für die Erben, nicht für einen selbst", meint deshalb der unabhängige Versicherungsmakler Helge Kühl.

Generell unterscheiden sich Pflege- Bahr-Policen und Kombi-Versicherungen in einem wichtigen Punkt: Laut Gesetz dürfen die Pflege-Bahr-Anbieter keine Gesundheitsfragen stellen, Risikozuschläge erheben oder bestimmte Leistungen ausschließen. Selbst wer schwer erkrankt ist, bekommt uneingeschränkten Schutz zum Einheitspreis. Bei den Kombi-Policen sollen Gesundheitsfragen dies ausschließen.

Die fehlende Gesundheitsprüfung macht den Pflege-Bahr für Kranke attraktiv, kann aber auf lange Sicht teuer für alle Bahr-Kunden werden. Denn falls sich viele Menschen mit gesundheit­lichen Einschränkungen für den Pflege- Bahr entscheiden, steigen die Ausgaben und damit die Prämien. Diese sind nämlich nicht für die gesamte Laufzeit garantiert. Das ist übrigens auch bei Kombi-Policen so. Für beide Arten gilt: Gebremst wird ein Anstieg nur durch Rückstellungen, die in jüngeren Jahren des Versicherten gebildet und im Alter aufgelöst werden. Das ist noch ein Argument dafür, früh abzuschließen. Die Rückstellungen sind auch der Grund, weshalb die Wahl des richtigen Versicherers wichtig ist: Wenn man den Anbieter wechselt, bleibt das Geld bei Pflege-Bahr und Kombi-Tarifen im Unternehmen. Für den Kunden ist es also verloren.

Es gibt übrigens eine Möglichkeit, sich fixe Prämien zu sichern: die Pflegerentenversicherung (diese Policen sind nicht im Test enthalten). Sie hat den weiteren Vorteil, dass die Versicherung meist auch dann Geld zahlt, wenn der Kunde nicht bis Vertragsende seine Prämien überweist. Kehrseite der Medaille: Die Prämien sind im Vergleich zum Pflege-Bahr unverhältnismäßig hoch. Und es gibt keine staatliche Förderung. Dafür haben säumige Kunden beim Pflege-Bahr schnell ihren Anspruch auf Pflegeleistungen verwirkt.

Zu den Ergebnissen des Pflegepolicen-Tests

So lesen Sie die Tabellen (PDF)

Die besten Pflege-Bahr-Policen plus die besten Anbieter (PDF)

Die besten Kombi-Policen plus die besten Anbieter (PDF)
Bildquellen: Istockphoto, Tyler Olson / Shutterstock.com, Ruslan Guzov / Shutterstock.com

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