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08.01.2012 10:36

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AUSBLICK 2012: 'Krisenwährung' Gold bleibt weiter gefragt


    FRANKFURT (dpa-AFX) - Seit mittlerweile elf Jahren kennt der Goldpreis im Jahresvergleich nur eine Richtung: die nach oben. Glaubt man der Einschätzung vieler Rohstoffexperten, stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Preis für das gelbe Edelmetall den Höhenflug seit Beginn des Jahrtausends weiter fortsetzen und das Dutzend voll machen wird. Das Goethe-Zitat "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles" dürfte auch 2012 an den Finanzmärkten hoch im Kurs stehen. Dabei spricht nicht alles, aber doch zumindest vieles für einen weiter steigenden Goldpreis. Allen voran die Funktion als "Krisenwährung" dürfte den Preis für das gelbe Edelmetall stützen, heißt es in einem Kommentar der Deutschen Bank.

 

    Anfang September hatte der Goldpreis seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht, bei 1.920 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). Seit Herbst verunsicherte allerdings ein kräftiger Rückschlag die Investoren und der Preis sackte bis an die Marke von 1.600 Dollar. Mittlerweile ist die Talfahrt aber gestoppt. Nach Ansicht des Rohstoffexperten Thilo Heidrich von der Postbank zeigt die Kursentwicklung der vergangenen Handelstage, dass sich der Goldpreis mittlerweile auf "einem historisch hohem Niveau" stabilisiert habe.

 

    Auch nach Einschätzung der Commerzbank litt der Goldpreis zuletzt nur an einer "saisonalen Schwächephase", die schnell wieder vorüber gehen dürfte. Das Edelmetall sollte im kommenden Jahr erneut der Rolle als "sicherer Hafen" gerecht werden und den langfristigen Aufwärtstrend aufnehmen, sagt Commerzbank-Expertin Barbara Lambrecht. Vor dem Hintergrund der schwelenden Euro-Schuldenkrise dürfte der Preis bis Ende 2012 "die Marke von 1.900 Dollar je Feinunze nachhaltig erreichen". Ähnlich optimistisch zeigt sich auch Postbank-Experte Heidrich. Er rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einem Anstieg auf 1.850 Dollar je Feinunze.

 

    Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) geht in ihrer Prognose zum Goldpreis hingegen von verschiedenen Szenarien bei der künftigen Entwicklung der Euro-Schuldenkrise aus. Sollte die Krise 2012 "weiter schwelen", dann erwartet LBBW-Experte Thorsten Proettel Preise von 1.900 Dollar bis 1.950 Dollar. In der Spitze rechnet er mit neuen Rekordmarken bis maximal 2.000 Dollar. Sollte die Euro-Schuldenkrise aber wider Erwarten eskalieren, dürften die Anleger wie bereits im Sommer 2011 erneut die Bankschalter stürmen, warnt Proettel. Dann könnte es ähnlich wie im Sommer 2011 zu einer Übertreibung des Marktes nach oben kommen.

 

    Bei der Frage nach den Gründen für einen weiter steigenden Goldpreis nannten die befragten Experten immer wieder die starke Nachfrage der Investoren im Zuge der Euro-Schuldenkrise. Die Krise habe zu einer "großen Grundunsicherheit" am Markt geführt, sagt LBBW-Experte Proettel. Außerdem fehlten den Anlegern weiterhin die Alternativen für sichere Anlagen. Die zuletzt stark nachgefragten deutschen Staatsanleihen liefern kaum noch Zinsen. Überhaupt müssen sich laut Proettel die Investoren auch im kommenden Jahr auf sehr niedrige Zinsen für ihre Ersparnisse einstellen.

 

    Hinzu kommt die Furcht der Anleger vor steigenden Preisen. Auch wenn die Inflationsraten derzeit auf dem Rückmarsch sind, schwelt vor allem bei deutschen Anleger nach wie vor die Sorge vor einer schleichenden Geldentwertung. Zumal die weiter extrem expansive Geldpolitik alles andere als beruhigend auf verunsicherte Anleger wirken dürfte. Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank in einem einzigen Kreditgeschäft fast eine halbe Billion Euro in den Bankensektor der Eurozone fließen lassen.        

 

    Zudem dürften auch die Notenbanken ihren Teil zur weiterhin hohen Nachfrage an den Goldmärkten beitragen, sagt Postbank-Experte Heidrich. Vor allem die Zentralbanken der aufstrebenden Schwellenländern werden seiner Einschätzung nach auf der Suche nach Alternativen zu den angehäuften Devisenreserven verstärkt auf Gold setzen. Zuletzt hatten Experten der Deutschen Bank beobachtet, dass Notenbanken in den vergangenen Monaten immer wieder vorübergehende Preisrückgänge genutzt haben, um ihre Goldreserven aufzustocken.

 

    Vor dem Hintergrund immer neuer Krisengipfel im Kampf gegen die Schuldenkrise profitiert Gold einfach vom Ruf als einer idealen Krisenwährung, erklärt Postbank-Experte Heidrich die starke Nachfrage. Wegen dieser "Werthaltigkeit wird das gelbe Metall als Schutz gegen Inflation angesehen". LBBW-Experte Proettel konnte sich schließlich nur unter einer Voraussetzung einen deutlichen Rückfall des Goldpreises vorstellen - wenn es zur "unwahrscheinlichsten Variante" einer plötzlichen Lösung der Euro-Schuldenkrise kommen sollte./jkr/bgf/tw

 

    ---Von Jürgen Krämer, dpa-AFX----

 

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