von Peter Gewalt, Euro am Sonntag
Knapp drei Jahre sind seit dem Öldesaster im Golf von Mexiko vergangen, doch für BP ist der Albtraum längst noch nicht vorüber. Das zeigte sich vergangene Woche, als der britische Ölkonzern seine Quartalszahlen veröffentlichte. So ist der Nettogewinn im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um sechs auf 1,6 Milliarden US-Dollar gesunken. Ohne Folgekosten für die Katastrophe von 2010, als fünf Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl in den Golf von Mexiko geflossen waren, wäre das Plus um vier Milliarden Dollar höher ausgefallen.
Doch das war nicht die einzige bittere Pille für BP. Gleichzeitig teilten die Briten mit, dass vier US-Bundesstaaten zusätzlich zu einer bis zu 21 Milliarden Dollar schweren Klage der US-Regierung, die ab dem 25. Februar verhandelt wird, 34 Milliarden Dollar Schadenersatz vom Konzern fordern. Damit würden sich die Gesamtkosten für die Umweltverseuchung für BP auf über 90 Milliarden Dollar summieren. Nur rund die Hälfte dieser Summe hat das Unternehmen bisher zur Seite legen können, indem es unter 2012 anderem seinen Anteil am russischen TNK-BP-Joint-Venture versilbert hat.
Die BP-Aktie verlor nach der Hiobsbotschaft, die Anleihen des Konzerns kamen heftig unter Druck. Doch dass die Briten tatsächlich am Ende so viel hinblättern müssen, ist laut Ratingagentur Fitch zu bezweifeln. Wahrscheinlicher sei wie schon bei anderen Klagen zuvor eine außergerichtliche Lösung, die deutlich günstiger ausfällt. Ein solcher Kompromiss würde den Papieren des günstig bewerteten Unternehmens Auftrieb geben. Gelingt der Befreiungsschlag nicht, dürfte sich der Albtraum weiter hinziehen.