23.01.2013 15:19
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Börse Frankfurt-News: Ende des Krisenmodus (Rohstoffe)

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 23. Januar 2013. Da immer weniger von Krise die Rede ist, schichten ETC-Anleger um: Rein in Industriemetalle, vor allem Kupfer-Produkte, raus aus Gold.

 

Der Trend der Vorwochen setzt sich fort: "Investoren stellen ihre Rohstoffportfolios weiterhin für ein sich erholendes Wirtschaftswachstum auf", erläutert Bernhard Wenger von ETF Securities. Gerade Kupfer-ETCs seien stark gesucht, doch auch Platin-Produkte kämen gut an. "Die chinesischen Wachstumsraten im vierten Quartal, das Plus im Einzelhandelsumsatz und in der Industrieproduktion im Dezember - das alles lag über den Erwartungen." Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, dass China eine harte Landung habe vermeiden können und sich wieder auf dem Wachstumspfad befinde. Auch aus den USA kämen zunehmend erfreuliche Nachrichten, etwa vom Bausektor und vom Arbeitsmarkt.

 

Kupfer: starke Preiszuwächse

 

Die Nachfrage nach verbrieften Industriemetallen profitiert vom Konjunturoptimismus: Der ETFS Physical Copper (WKN A1K3AZ) hat ETF Securities zufolge vergangene Woche Zuflüsse von 28 Millionen US-Dollar erzielt - das sei das höchste Wochenplus seit 2010. Auch seit Jahresanfang gerechnet haben Kupfer-ETCs klar die Nase vorn, wie die Statistiken des Londoner Unternehmens belegen. Aktuell notiert Kupfer bei 8.155 US-Dollar je Tonne, im November waren es noch weniger als 7.600 US-Dollar.

 

Platin-ETCs angesagt

 

Ebenfalls auf den Einkaufslisten standen ETCs auf Platin (WKN A0N62D), ein Edelmetall, das auch in der Industrie eingesetzt wird, speziell in Autokatalysatoren. Für den Platinpreis ging es in diesem Jahr steil nach oben: Während Ende Dezember noch 1.538 US-Dollar für eine Feinunze gezahlt wurden, sind es mittlerweile 1.693 US-Dollar. Wenger zufolge reagieren Investoren auf Produktionsausfälle in Südafrika. "Denn die Ausfälle von rund 7 Prozent der Jahresproduktion könnten das für dieses Jahr erwartete Angebotsdefizit weiter erhöhen."

 

Heinrich Peters von der Helaba sieht allerdings keine noch höheren Preise - zumindest vorerst: "Im ersten Halbjahr wird das Wirtschaftswachstum noch mau und dementsprechend die Nachfrage verhalten bleiben." Für das zweite Halbjahr erwartet er indes eine konjunkturelle Belebung, damit auch ein Anziehen des Platin- wie des Silberpreises.

 

Höhere Goldsteuer ohne Folgen

 

Nicht mehr ganz so begehrt sind Investments in Gold. "Seit Jahresanfang haben Anleger rund 142 Millionen US-Dollar aus ETCs abgezogen", bemerkt Wenger. Flow Traders meldet für die vergangenen Tage allerdings Zuflüsse. Gold hat sich nach einem Preisrückgang in der ersten Januarwoche wieder verteuert, notiert aber mit aktuell 1.692 US-Dollar je Feinunze weiterhin unterhalb der Marke von 1.700 US-Dollar.

 

Ob die abermalige Erhöhung der Einfuhrsteuer auf Gold in Indien Folgen haben wird, bezweifeln Rohstoffexperten übrigens. Zwar sind Inder ganz wichtige Käufer auf dem weltweiten Goldmarkt, die Erhöhung im vergangenen Jahr blieb allerdings ohne Auswirkungen. "Nachhaltige Effekte wird die Steuererhöhung nicht haben, allenfalls kurzfristige", glaubt Peters.

 

Er rechnet damit, dass die Goldnachfrage insgesamt hoch bleiben wird. "Alle wichtigen Notenbanken, zuletzt auch die japanische, haben ihre Geldschleusen geöffnet. Daher wird sich die Suche nach dem sicheren Hafen fortsetzen." Viel Luft nach oben ist Peters zufolge aber nicht mehr da: "Maximal um 10 bis 15 Prozent kann der Goldpreis noch steigen. Nur bei extremen Ereignissen, wie etwa einem ungünstigen Wahlausgang in Italien, könnte es noch weiter nach oben gehen."

 

Goldpreis: Schwung ist weg

 

Nicht nur bei privaten und institutionellen Anlegern ist Gold ein Thema. Barbara Lambrecht von der Commerzbank verweist auch auf die wachsenden Notenbankkäufe: "Laut vorläufigen Zahlen des auf Edelmetalle spezialisierten Research-Instituts GFMS haben die Zentralbanken mit Netto-Käufen in Höhe von 536 Tonnen im vergangenen Jahr soviel Gold erworben wie seit 48 Jahren nicht mehr." Allerdings sei das steigende Interesse der Zentralbanken zwar eine wichtige langfristige Stütze für den Goldmarkt, kurzfristig orientierte spekulative Anleger werde das aber kaum zu einem stärkeren Aufbau ihrer Long-Positionen veranlassen. "Der Goldpreis dürfte weiterhin seitwärts tendieren."

 

An der Börse Frankfurt waren Gold-ETCs in den vergangenen zwei Wochen, wie üblich, die Umsatzspitzenreiter: Besonders der db Physical Gold Euro Hedged (WKN A1EK0G), Xetra-Gold (WKN A0S9GB), der db Physical Gold (WKN A1E0HR) und der ETFS Physical Gold (WKN A0N62G) wurden rege gehandelt.

 

WTI-Öl wieder teurer

 

Von ETCs auf WTI-Öl (WKN A0KRJX) trennten sich Anleger ETF Securities zufolge. Der Grund dafür sind Gewinnmitnahmen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte ist seit November kräftig gestiegen und nähert sich wieder dem Brent-Preis. "US-Leichtöl der Sorte WTI dürfte sich in den kommenden Wochen noch verteuern", meint Lambrecht: In der zweiten Januarwoche sei nämlich die Kapazität der Seaway-Pipeline erweitert worden, die vom Öllagerort Cushing zur Golfküste führt. "Vor diesem Hintergrund sollten die Vorräte in Cushing in den kommenden Wochen spürbar fallen." Auch Peters geht davon aus, dass der WTI-Preis aufgrund des Lagerabbaus noch weiter nach oben klettern und sich stärker an den Brent-Preis annähern wird.

 

Brent: Weiter seitwärts

 

Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent hat sich seit August kaum verändert und notiert seitdem in einer Spanne zwischen rund 105 und 115 US-Dollar. "Das wird auch so weitergehen, es gibt weder einen Nachfrage- noch einen Angebotsüberhang", meint Peters. Sollte sich der Iran-Konflikt zuspitzen, seien allerdings Preise von 150 US-Dollar möglich; bei einer Lösung des Konflikts werde sich die politische Prämie, die im Moment noch gezahlt werde, hingegen abbauen, der Preis könne bis auf 100 US-Dollar fallen. Im ETFS Brent (WKN A0KRKM) hat Flow Traders Zu- und Abflüsse beobachtet.

 

Kauffreude bei ETFs

 

Zugegriffen wird derweil in marktbreiten Rohstoff-ETFs: Wie Flow Traders meldet, positionierten sich Anleger etwa im Lyxor ETF Commodities Thomson Reuters/Jefferies CRB Total Return (WKN A0JC8F), im iShares DJ-UBS Commodity Swap (WKN A0H072), im EasyETF S&P GSCI Capped 35/20 (WKN A0EAZC) und im db x-trackers DBLCI OY Balanced (WKN DBX1LC).

 

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© 23. Januar 2013/Anna-Maria Borse

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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