09.01.2013 16:04
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Börse Frankfurt-News: Konjunkturoptimismus treibt Industriemetalle (Rohstoffe)

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 9. Januar 2013. Während Edelmetallpreise stark von der der Politik der Notenbanken bestimmt werden, machen verbesserte Konjunkturaussichten Industriemetalle teurer - allen voran Kupfer. Am Ölmarkt bremst ein hohes Angebot die Preise.

 

Nach einem durchwachsenen Jahr 2012 haben die Rohstoffmärkte 2013 mit einem Satz nach oben begonnen. Unterstützung kam von der Einigung im US-Fiskalstreit und zunehmenden Konjunkturoptimismus. "Ein schwächerer US-Dollar und die expansive Geldpolitik der Zentralbanken dürften den Aufwärtstrend zusätzlich unterstützen", erklärt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank, und rechnet deswegen mit weiter steigenden Preisen in diesem Jahr.

 

Oben auf dem Einkaufszettel der Investoren stehen in den ersten Handelstagen des neuen Jahres Industriemetalle. Vor allem Kupfer-ETCs (WKN A0KRJU, A1K3AZ) erleben ETF Securities zufolge starke Zuflüsse. "Anleger blicken angesichts positiver Industriedaten aus China zuversichtlicher auf die dortige wirtschaftliche Entwicklung. Sie haben daher vergangene Woche 17 Millionen US-Dollar zusätzlich in Kupfer-ETCs investiert", weiß Bernhard Wenger von ETF Securities und ergänzt, dass auch Silber (WKNs A0KRJ5, A0N62F) an diesem Trend hänge. "Seine Hybrid-Eigenschaften als Edel- und Industriemetall machen Silber im derzeitigen Marktumfeld besonders attraktiv. So vereint Silber eine Absicherung gegen Risiken aus der hohen Staatsverschuldung mit einem zyklischen Element in einem anziehenden Wirtschaftsumfeld. Unsere ETCs auf Silber haben Mittelzuflüsse von 10 Millionen US-Dollar verbucht." Nach einem Hoch am 4. Oktober bei rund 35 Dollar je Feinunze hat sich der Silberpreis auf rund 30 Dollar je Unze verbilligt.

 

Wegen seiner Eigenschaften als Industriemetall dürfte im laufenden Jahr auch Platin teurer werden, erwartet zumindest Daniel Bathe von Lupus alpha. "Unter den Edelmetallen ist Platin aktuell unser Favorit, unter anderem weil das Metall stärker als Gold auch von Seiten der Industrie nachgefragt wird. Dazu kommt, dass der Platinpreis aktuell nahe den Produktionskosten liegt. Das dürfte 2013 dazu führen, dass einige der vor allem in Südafrika angesiedelten Platinminen kürzen müssen", erklärt Bathe und sieht dadurch Preispotenzial bei Platin.

 

Gold bleibt "sicherer Hafen"

 

Obwohl Anleger gegen Jahresende teils enttäuschende Rückschläge hinnehmen mussten, war 2012  für Gold insgesamt ein positives Jahr, fasst Stabilitas zusammen. So habe das gelbe Edelmetall in den vergangenen zwölf Monaten um fast 7 Prozent auf 1.675 Dollar je Unze zugelegt. "Gold bleibt für Anleger das vernünftigste Edelmetall-Investment, da der Goldmarkt am größten und transparentesten ist", argumentiert Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer von Stabilitas und sieht für 2013 gute Chancen auf neue Höchsttände. Die Funktion des Goldmarktes als Gegenspieler der Geldpolitik sei wieder einmal deutlich sichtbar. "Je schlechter die Geldpolitik, desto höher ist der Goldpreis und solange die Zentralbanken die Märkte weiter mit Frischgeld überschwemmen und die Inflation dadurch ankurbeln, wird der Goldpreis steigen. Auch im neuen Jahr bleibt das gelbe Metall der sichere Hafen und könnte die 2.000 Dollar-Marke sogar überschreiten", erwartet Siegel.

 

Fed macht die Musik

 

Ole Hansen von der Saxo Bank geht zwar ebenfalls davon aus, dass die Preisentwicklung am Goldmarkt weiterhin stark von der Geldpolitik abhängt - allerdings lauerten hier auch Risiken, warnt der Rohstoffexperte. Nachdem die US-Wirtschaft dank des letztlich gefundenen politischen Kompromisses doch eher weich von der Fiskalklippe gefallen sei, sorge das jüngste Sitzungsprotokoll der US-Notenbank bereits für neue Unsicherheit.

 

"Erstmals wurden hier Stimmen laut, den Aufkauf von Anleihen bis Ende 2013 zu stoppen.Vor uns steht ein sehr spannendes Jahr, denn die Marktteilnehmer müssen sich nun wohl auf ein Ende des billigen Geldes einstellen", erklärt Hansen. Der US-Dollar jedenfalls habe auf diese Äußerung schon reagiert und damit Rohstoffe unter Druck gesetzt - vor allem Gold und Silber. "In den kommenden Wochen wird es interessant sein zu sehen, wie entschlossen Investoren hinter Edelmetallen stehen. Eventuell ist eine Korrektur der durchschnittlichen Jahrespreisziele für Gold und Silber angebracht, die aktuell bei 1.840 bzw. 34 Dollar pro Unze liegen."

 

Preispotenzial von Gold begrenzt

 

Auch Bathe von Lupus alpha schätzt das Aufwärtspotenzial des Goldpreises eher als begrenzt ein: "Nachdem die US-Notenbank nun schon die vierte Runde der sogenannten quantitativen Lockerungen angekündigt hat, nimmt das Überraschungspotenzial nach oben ab", erklärt der Analyst. Unterstützung komme indes von der anhaltend hohen Nachfrage nach physischem Gold in China und Indien. "Wir erwarten für 2013 daher, dass sich der Goldpreis seitwärts oder leicht abwärts entwickeln wird. Unter 1.400 US-Dollar je Feinunze dürfte es dabei aber nicht gehen", prognostiziert Bathe.

 

Unter dem Strich waren laut ETF Securities in Gold-ETCs seit Jahresbeginn Zuflüsse zu verzeichnen. An der Börse Frankfurt präsentierten sich neben dessen Produkten, die ETCs ETFS Physical Gold (WKN A0N62G) und Gold Bullion Securities (WKN A0LP78), Xetra-Gold (WKN A0S9GB) und db Physical Gold Euro Hedged (WKN A1EK0G) besonders umsatzstark.

 

Volle Lager dämpfen Aussichten am Energiemarkt

 

Mit einer Seitwärtsentwicklung rechnet Bathe im neuen Jahr auch am Ölmarkt. "Wir gehen zwar davon aus, dass sich die Makrosituation im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren vor allem in China und den USA aufhellen wird und rechnen für Europa mit einer Stabilisierung. Auch Störfaktoren wie die Finanzkrise dürften sich 2013 verringern. Dennoch wird das Aufwärtspotenzial des Ölpreises von dem aktuell sehr hohen Angebot begrenzt", erläutert der Analyst von Lupus alpha und rechnet mit einem ruhigen Jahr am Ölmarkt. Interessant sei allerdings der Preisabstand zwischen der US-Sorte WTI und der Nordseesorte Brent, der sich im vergangenen Jahr auf gut 20 US-Dollar ausgeweitet habe. "Hier erwarten wir, dass sich der Spread unter anderem wegen einer Verbesserung der Pipeline-Situation in den USA wieder auf 5 bis 10 Dollar verringern wird", ergänzt Bathe.

 

Auch die Helaba sieht die Ölpreise in einer Seitwärtsspanne. "Das Rohölangebot wird 2013 wahrscheinlich deutlicher als im laufenden Jahr über dem Verbrauch liegen. Zudem sind die Abnehmerlager zumeist gut gefüllt. Deutlich niedrigere Preise für Mineralölprodukte wären eigentlich angesagt. Wir halten es aber für möglich, dass die Grenzspieler Saudi-Arabien und China spätestens bei Preisen unter 100 US-Dollar je Barrel durch geringere Exporte bzw. höhere Importe zur Auffüllung der strategischen Reserven stabilisierend wirken", fasst Analyst Heinrich Peters zusammen. Ein Unsicherheitsfaktor bleibe unterdessen eine Eskalation des Iran-Konflikts.

 

Hohe Nachfrage nach Erdgas-ETCs

 

Aufwärts könnte es nach Einschätzung von ETF Securities hingegen am Markt für Erdgas gehen - zumindest auf kurze Sicht. "Investoren nutzen derzeit ETCs auf Erdgas für taktische Investments. Denn das Wetter in den USA ist aktuell kälter als erwartet und wird auch in den nächsten zwei Wochen voraussichtlich so bleiben. Die Nachfrage nach Erdgas steigt daher. So haben ETCs auf Erdgas in der vergangenen Woche Mittelzuflüsse von mehr als 20 Millionen US-Dollar erzielt, wobei gehebelte Produkte die höchsten Zuflüsse verzeichneten", berichtet Wenger. Allerdings dämpften auch hier die überdurchschnittlich gut gefüllten Lager die Preiserwartungen, ergänzt der Experte.

 

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© 9. Januar 2013/Karoline Kopp

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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