Wann wird der Welt das Erdöl ausgehen? Die Antwort von Gerald Grohmann
überrascht: ,,Öl wird es noch mindestens 100 Jahre geben, da bin ich mir
sicher." Grohmann muss es wissen. Der gebürtige Österreicher ist ein wahrer
Öl-Fan - das muss er auch als Konzernchef beim Öl- und Gasdienstleister
Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBO). ,,Zwar wird es immer schwerer,
an das Öl und Gas zu kommen, aber es ist genug da, um die Welt noch sehr
lange mit Energie zu versorgen", so Grohmann. ,,Im Schnitt bleiben heute noch
zwei Drittel der Vorkommen in den bestehenden Ölfeldern im Boden, weil wir
sie mit bestehenden technischen Mitteln nicht herausholen können oder es
nicht wirtschaftlich ist", weiß der SBO-Chef. ,,Aber das wird sich ändern,
die Förderquote wird steigen." Zu schaffen ist dies vor allem mit neuen
Fördertechnologien. Insbesondere das sogenannte Fracking, horizontale
Schiefergasbohrungen, wird immer populärer und wird von einigen Experten als
Revolution der Energieversorgung bezeichnet.
Höchste Präzision
Heutzutage können Bohrungen durchgeführt werden, die vor Jahren noch
undenkbar waren. Zu nennen ist hier die horizontale Bohrung - das sogenannte
Directional Drilling. Drei bis fünf Kilometer geht es dabei mit dem Bohrer
in die Tiefe. Anschließend kann der Bohrer wie ein Endoskop zehn Kilometer
links und rechts horizontal durch das Gestein gesteuert werden. So lässt
sich das kostbare Öl und Gas noch besser aufspüren. Anlaufstelle Nummer 1,
wenn es um das passende Präzisionswerkzeug für die Bohrungen geht, ist
Schoeller-Bleckmann.
Hightech "Made in Austria"
Der österreichische Konzern stellt viele Schlüsselkomponenten wie
Bohrmotoren oder Directional-Drilling-Collars her. Ein Collar ist der
vordere Teil der Bohrstange, an dem Bohrmeißel und Bohrmotor befestigt sind.
Ein fertiger Collar ist rund zehn bis zwanzig Meter lang und kostet um die
100.000 Euro. Die Kunden sind gerne bereit, diesen stolzen Preis zu zahlen,
denn der Collar übernimmt eine wichtige Funktion bei der Bohrung: Er dient
als ,,Hightech-Gehäuse". In ihm stecken sehr teure Messgeräte wie Sensoren,
Antennen und Generatoren. Alle großen Ölbohrfirmen wie Schlumberger oder
Baker Hughes vertrauen SBO. Diese Konzerne haben ihre Investitionen in die
Öl- und Gasförderung zuletzt deutlich hochgefahren. Um auch künftig mit dem
Wachstum mithalten zu können, investiert SBO derzeit 54 Millionen Euro in
den Ausbau seines Werks in Ternitz. Finanziert wird der Ausbau aus dem
laufenden Cashflow.
Volle Auftragsbücher
Auf die Frage, wie derzeit das Geschäft bei SBO läuft, zeigt sich Grohmann
zufrieden: ,,Wir sind gut ausgelastet. Weltweit hat sich der Personalstand
2011 von rund 1.300 auf über 1.500 Mitarbeiter erhöht. Die rund 400
Beschäftigten im österreichischen Werk Ternitz arbeiten im
Drei-Schicht-Betrieb." Die Geschäftszahlen untermauern seine Aussagen: Die
Auftragsbücher sind mit 193 Millionen Euro prall gefüllt. Der Umsatz stieg
im ersten Quartal 2012 um 24 Prozent auf 120,6 Millionen Euro. Das Ergebnis
vor Steuern legte um fast 50 Prozent auf 25,8 Millionen Euro zu. Im
Gesamtjahr dürfte ein Rekordergebnis anstehen.
Klein, aber fein
Mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 1,1 Milliarden Euro ist SBO ein
kleiner aber hochprofitabler Nischenplayer. Die Margen liegen bei über 20
Prozent. Auch die Bilanz überzeugt mit einer Eigenkapitalquote von über 50
Prozent. Nicht zuletzt dank der guten Perspektiven für neue Bohrtechnologien
blickt Firmenchef Grohmann optimistisch in die Zukunft: ,,Wir werden
langfristig ein dynamisches Wachstum haben." Gefragt ist die SBO-Technik
auch bei der Schiefergasbohrung. Eine neue Bohrtechnologie krempelt derzeit
den gesamten Energiemarkt in den USA um.
Der neue Fracking-Boom
Beim sogenannten ,,Fracking" wird ein Gemisch von Wasser, Chemikalien und
Sand unter hohem Druck in eine Felsformation gepumpt. Das Gestein bricht auf
und Gas entweicht. Der Anteil von Schiefergas an der Gasproduktion ist durch
dieses neue Verfahren binnen vier Jahren von rund zehn auf 24 Prozent
hochgeschnellt und wird 2035 wohl bereits fast 50 Prozent der
Gesamtproduktion ausmachen. Nach Schätzungen von Experten reichen die
Vorkommen aus, Amerika weit über 100 Jahre mit Gas zu versorgen und
unabhängiger von Öl- und Gasimporten zu machen. 2016 könnten die USA sogar
zum Gas-Exporteur aufsteigen.
Berechtigte Skepsis?
Aber es gibt auch eine Schattenseite des Fracking. Umweltschützer sind von
der Bohrtechnik nicht begeistert. Zum einen leidet die Solar- und
Windenergie schwer darunter. ,,Es drückt die Preise für Wind", sagt Michael
Revak, Verkaufschef von Siemens Wind. Zum anderen herrscht Sorge, dass die
eingesetzte Chemie das Grundwasser verseucht.
Ohne Chemie geht es auch
Herbert Hofstätter, Professor an der Montanuniversität Leoben, beschäftigt
sich intensiv mit dem Fracking und sieht aus wissenschaftlich-technischer
Sicht keine Probleme. Chemikalien sind seiner Ansicht nicht unbedingt
notwendig. Das Wasser könne genauso gut mit UV-Licht keimfrei gemacht
werden. Das Grundwasser sei auch deswegen nicht in Gefahr, da die Rohre -
wie übrigens bei jeder anderen Bohrung - mittels Beton dicht gemacht werden.
Verenium: Die saubere Lösung
Auch das US-Unternehmen Verenium ist auf der Suche nach sauberen
Alternativen beim Fracking. Gerade hat der Enzym-Spezialist die Genehmigung
für den Einsatz von Pyrolase bei der Schiefergasförderung erhalten. Dieses
neu entwickelte Enzym ersetzt viele der beim Fracking eingesetzten
Chemikalien und ist vollkommen unbedenklich. Einige große Öl- und
Gasgesellschaften hätten das umweltverträgliche Enzym bereits ausgiebig
getestet und seien mit den Ergebnissen sehr zufrieden gewesen, teilte
Verenium-Chef James Levine mit. ,,Mit der Zulassung sind wir nun in der Lage,
unser Angebot für die Öl- und Gasindustrie auszuweiten", so Levine weiter.
Das Marktpotenzial für die beim Fracking benötigten Zusatzstoffe schätzt
Verenium allein in den USA auf 250 Millionen Dollar.
Ertragreicher Enzym-Experte
Für ein noch relativ kleines Unternehmen wie Verenium mit einem Jahresumsatz
von derzeit rund 60 Millionen Dollar könnte sich das neue Fracking-Enzym als
echter Kassenschlager herausstellen. Aber auch darüber hinaus hat der
Enzym-Spezialist einiges zu bieten. In den vergangenen Jahren wurden über
4.000 Enzyme entwickelt, die unter anderem in der Landwirtschaft eingesetzt
werden. Vor wenigen Monaten hat Verenium mit dem Verkauf einer einzigen
Produktsparte 37 Millionen Dollar verdient. Zum Vergleich: Die gesamte
Marktkapitalisierung von Vere-nium beläuft sich auf lediglich 52 Millionen
Dollar.
Eine Chance, zwei Investments
Die Aktie von Schoeller-Bleckmann ist ein solides Investments, um von den
neuen Fördertechniken zu profitieren. Wer es etwas spekulativer mag, greift
bei Verenium zu.
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August 17, 2012 05:00 ET (09:00 GMT)- - 05 00 AM EDT 08-17-12